Siglistorf

«Schulkinder verdienen besseren Schutz»: Komitee kämpft für Tempo 30 im zweiten Anlauf

Die Bevölkerung stimmt an der Urne über Tempo 30 ab. (Symbolbild)

Die Bevölkerung stimmt an der Urne über Tempo 30 ab. (Symbolbild)

Nach erfolgreichem Referendum: Die Siglistorfer entscheiden an der Urne über die flächendeckende Einführung von Tempo 30 im Dorf.

Im Juni lehnten die Siglistorfer an der Gemeindeversammlung die Einführung von Tempo 30 auf sämtlichen Gemeindestrassen ab. Dagegen hat ein Komitee das Referendum ergriffen. Mit Erfolg: Innerhalb von zehn Tagen kamen 60 Unterschriften zusammen – nötig gewesen wären 42. In knapp einer Woche kommt es deshalb in der 639-Seelen-Gemeinde nochmals zu einer Abstimmung an der Urne.

Für Urs Meier vom Referendumskomitee ist klar: «Ganz besonders die jüngsten Verkehrsteilnehmer, die Schulkinder, verdienen einen besseren Schutz auf ihrem Schulweg.» Das Dorf sei klein, die Strassen schmal und verwinkelt und Trottoirs gebe es praktisch keine. «Die Schulstrasse beispielsweise hat nur gelbe Markierungen auf dem Boden», sagt Meier.

Zudem sei die Kurve am Anfang der Schulstrasse so unübersichtlich, dass schon öfter zwei Autos fast zusammengestossen seien. «Die Kinder kamen dabei mit einem Schrecken davon.» Die erlaubten 50 Stundenkilometer auf den Quartierstrassen zu fahren, sei oft gefährlich. «Es muss nur ein Kind stolpern, und schon landet es auf der Fahrbahn», gibt er zu bedenken.

An der Sommergmeind herrschte Durcheinander

Die Sicherheit der Kinder war denn auch der Hauptgrund, weshalb Urs Meier bereits an der Gemeindeversammlung ankündigte, das Referendum zu ergreifen, auch wenn er selbst keine Kinder im schulpflichtigen Alter mehr hat. «Dass Tempo 30 ausserdem einen kürzeren Bremsweg und weniger Lärm bedeutet, sollte man einem vernünftigen Menschen nicht erklären müssen», ergänzt er.

Meier glaubt, dass die flächendeckende Einführung von Tempo 30 an der Urne bessere Chancen haben wird als noch an der Sommergmeind. «Es ging damals chaotisch zu und her», erinnert sich Meier. Es gab mehrere Abänderungsanträge und wegen des Durcheinanders hätten die Bürger schliesslich nicht nur den Verpflichtungskredit über 49'000 Franken für die Umsetzung, sondern auch alle Abänderungsanträge abgelehnt.

Ein Kritikpunkt waren die Kosten. So monierte ein Stimmbürger, ob der Gemeinderat vergoldete Signaltafeln aufstellen möchte. Urs Meier sagt dazu: «Der Gemeinderat legte plausibel dar, für welche Signalisationen, Markierungen und Massnahmen der Kredit eingesetzt werden soll.»

Temposünder sind vor allem Einheimische

Ein anderer Einwohner schlug mit einem Antrag vor, nicht flächendeckend, sondern nur in einzelnen Zonen die Temporeduktion einzuführen. «Ein solches Flickwerk würde der Kanton gemäss Gemeinderat aber nicht bewilligen», sagt Meier. Zudem sei dies zu teuer, da noch mehr Anfangs- und Endsignalisationen nötig wären. Auch ein weiterer Antrag blieb chancenlos, nach dem konkret zwei bis drei Hotspots hätten bestimmt werden sollen. Beispielsweise die Schul- oder Belchenstrasse, auf der Autofahrer teilweise viel zu schnell unterwegs sind.

Ein Stimmbürger habe erklärt, er wolle auf Tempo 30 verzichten, weil er an den gesunden Menschenverstand glaube. «Er appellierte an die Siglistorfer, mit angemessener Geschwindigkeit zu fahren», sagt Meier. «Aber die Realität zeigt, dass viele zu schnell unterwegs sind – darunter offenbar auch viele Siglistorfer.» Denn bei Tempokontrollen seien zahlreiche Übertretungen auf Quartierstrassen gemessen worden. «Das sind Passagen, die nicht den Durchgangsverkehr betreffen, sondern auf denen vor allem Einheimische unterwegs sind.» Dabei seien Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h gemessen worden. «Und das auf Strassen ohne Trottoir, auf denen täglich Schulkinder unterwegs sind.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1