38 Sekunden dauert die Sequenz. Dazu steht: «Das Fournierwerk in Döttingen fängt das neue Jahr an, wie es das alte Jahr aufgehört hat. Mit viel Rauch und Umweltverschmutzung in der Mittagspause!» Der Macher des Videos will nicht genannt werden, erzählt aber, dass nahezu täglich während einer kurzen Zeit schwarzer Rauch in die Höhe steigt und je nach Windrichtung zu den Rebbergen getragen wird. Ansonsten sei der Rauch weiss.

Der Tweet blieb nicht ohne Folgen. Der Zurzibieter CVP-Grossrat Andreas Meier hat auf die Nachricht reagiert. «Eine Stellungnahme des Döttinger Gemeinderates wäre zu begrüssen», schreibt er dazu. Meier, wohnhaft in der Nachbargemeinde Klingnau und prominenter Winzer der Region, hat auf seinem Twitter-Account bereits am 19. März 2018 ein Bild der schwarzen Rauchfahne hochgeladen. «Dass so was heute noch möglich ist?», schreibt er dazu.

«Anwohner verdienen Erklärung»

Andreas Meier sagt, dass der Rauch für seine Reben keine Belastung darstelle, «aber so schwarzer Rauch: Das geht nicht. Die Luftreinhalte-Verordnung verkommt zur Farce. Die Anwohner verdienen eine Erklärung». Falls die Firma ein technisches Problem habe, solle sie sich Hilfe holen, etwa bei Hightech Aargau.

Wolfgang Pink, Betriebsleiter der Firma Hess & Co., ist mit dem Phänomen vertraut und bestätigt, dass es Anfragen aus der Nachbarschaft gibt. Er gibt Entwarnung: «Die Anlage hat keine Störung und die Leute müssen sich keine Sorgen machen: Der Rauch ist nicht gefährlich.» Der schwarze Rauch entstehe bei der Verbrennung von Holz. Je nach Holzart, Konsistenz, Staub- und Sauerstoffanteil verfärbe sich der Rauch. «Vor vier Jahren haben wir eine neue Filteranlage installiert», sagt Pink, «diese hat aber keinen Einfluss auf die Farbe des Rauchs.» 

Auf dem Twitter-Account Zurzibieter.li wurde das Video vom schwarzen Rauch hochgeladen.

Auf dem Twitter-Account Zurzibieter.li wurde das Video vom schwarzen Rauch hochgeladen.

Anlage sei regelkonform

Die Anlage entspreche den Regeln, sei genehmigt, werde regelmässig alle sechs Wochen gereinigt und geprüft. «Das Umweltamt führt jedes Jahr eine Messung durch und alles ist im grünen Bereich», sagt Pink.

Die Firma Hess & Co. AG ist ein altes Zurzibieter Familienunternehmen. Es wurde 1929 von Franz Hess gegründet und stellt auf 25 000 Quadratmetern diverse Holzprodukte her. Unter anderem fabriziert die Firma Furniere aus Rundhölzern und verarbeitet diese zu Ski- und Snowboardkernen weiter. In diesem Bereich ist sie führend, fast alle grossen Skihersteller beziehen ihre Holzkerne aus Döttingen. Die Firma beschäftigt rund 90 Mitarbeiter.