Walter Gassler aus Koblenz hatte während neun, Jules Kohler aus Lengnau während sieben Jahren von Amtes wegen Streithähne getrennt. Nun treten sie als Friedensrichter zurück. Mit schriftlichem und flüssigem Dank – letzter in Form von je drei Flaschen « Argo Wy», mit Spezialetikettierung vom «Palais de Justice» – hat der Zurzacher Gerichtspräsident Cyrill Kramer die beiden am Donnerstagabend verabschiedet.

Nur noch 17 statt 50 im Kanton

Kramer nutzte den Anlass, um über die Neuorganisation der Friedensrichterkreise zu orientieren: War der Kanton bisher in 50 solche Kreise unterteilt, sind es neu nur noch deren 17. In sechs Bezirken – Brugg, Kulm, Laufenburg, Muri, Rheinfelden und Zurzach – gibt es neu nur noch einen Friedensrichterkreis, in den Bezirken Aarau, Lenzburg, Bremgarten und Zofingen je zwei und in Baden drei Kreise.

«Zweck der Neuorganisation ist eine bessere Verteilung der Fälle und damit eine optimierte Auslastung der einzelnen Friedensrichterinnen und -richter», sagte Cyrill Kramer. «Wenn im Kreis Wettingen 268 Fälle behandelt werden müssen und im gleichen Zeitraum im Kreis Bözen 11 Fälle, wie das beispielsweise 2011 der Fall war, dann mangelt es dem Richter in Bözen an Erfahrung.»

Nach der Demission von Kohler und Gassler waren die weiteren drei Richterinnen und Richter im letzten Herbst in stiller Wahl bestätigt worden. Als der geschäftsführende unter ihnen wird Felix Landolt die Fälle künftig gleichmässig nach deren Eingang und unabhängig vom Wohnort eines Beklagten unter den sechs Friedensrichtern aufteilen.

Zivilrechtlich ein Muss

Von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, muss bei zivilrechtlichen Verfahren – also auch bei Ehescheidungen – vorgängig ein sogenanntes Schlichtungsverfahren durchgeführt werden. Will einer der beteiligten Streithähne ein solches Verfahren einleiten, muss der oder die Betreffende beim Friedensrichter ein Schlichtungsgesuch einreichen.

Werden sich an der folgenden Verhandlung Parteien einig, wird das Verfahren mit einem Vergleich beendet. Im anderen Fall stellt der Friedensrichter der klagenden Partei eine Bewilligung aus, die diesen zur Einreichung einer gerichtlichen Klage berechtigt. Bis zu einem bestimmten Streitwert kann der Friedensrichter unter Umständen auch direkt ein Urteil fällen.