Der Grenzort Koblenz ist ein verkehrstechnischer Brennpunkt. Rund 15 000 Motorfahrzeuge passieren täglich den Übergang über den Rhein. Auf beiden Seiten ist der Unmut über die Belastung inzwischen so gross, dass rasche Alternativen gefordert werden. Eine neue Brücke soll dereinst das Problem entschärfen. Bis zur möglichen Verwirklichung des Projekts dürften aber noch Jahrzehnte verstreichen.

Eine schnellere Lösung zeichnet sich nun keine hundert Meter entfernt beim zweiten Bauwerk über den Rhein ab. Die historische Eisenbahnbrücke soll voraussichtlich erhalten bleiben. So jedenfalls äusserte sich der Lauchringer Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner in einer Pressemitteilung. Die endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, doch das Signal stehe auf Grün, so der CDU-Politiker. «Sanierung und Ertüchtigung der Brücke rücken in greifbare Nähe», wird Schreiner im «Südkurier» zitiert. Seine Zuversicht schöpft er aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums in Berlin auf eine entsprechende Anfrage.

Zur Hälfte in Schweizer und deutschem Besitz

Die Stellungnahme überrascht insofern, weil die Deutsche Bahn (DB) das 1859 in Betrieb genommene Bauwerk auf die Abrissliste gesetzt hatte. Die älteste Gitterträgerbrücke Europas gehört zu jenen Objekten, die umfangreiche Schäden vorweisen und bei denen es sich nicht lohne, sie wirtschaftlich instandzusetzen, äusserte sich die DB vor gut eineinhalb Jahren. Die Brücke zwischen Koblenz und Waldshut sei so marode, dass ein Neubau erforderlich sei.

Die deutsche Hälfte ist jedoch in der Denkmalliste des Landes Baden-Württemberg gelistet und geniesst damit einen besonderen Schutz vor baulichen Veränderungen. In der Schweiz ist die Brücke in das Inventar der Kulturgüter von nationaler und regionaler Bedeutung aufgenommen worden.

Nun offenbar der Sinneswandel: Die Deutsche Bahn und die SBB setzen sich für den Bestand der Brücke ein. Die 128 Meter lange Stahlkonstruktion befindet sich je zur Hälfte im Eigentum der beiden Staatsbetriebe. «In gegenseitiger Absprache zwischen den beiden Bahnen wird gegenwärtig ein Projekt zum Erhalt der Brücke für die nächsten Jahrzehnte erarbeitet», bestätigt SBB-Sprecherin Rebecca Spring. Man habe die Instandhaltung der Brücke «als Vorzugsvariante identifiziert», heisst es. Inzwischen sei auch ein Ingenieurbüro damit beauftragt worden, die notwendigen Massnahmen an der Brücke zu prüfen. Zum möglichen Zeitplan und zu den Kosten machen die SBB auf Anfrage keine Angaben. Sobald das Projekt vorliegt und der Nachweis eines jederzeit sicheren Betriebs erbracht werden kann, werde man informieren.

Gutes Beispiel für Zusammenarbeit

Felix Schreiner, der im Deutschen Bundestag unter anderem Vorsitzender der Deutsch-Schweizerischen Parlamentariergruppe ist, sieht die mögliche Brückensanierung in Koblenz auch als gutes Beispiel dafür, dass «deutsche und schweizerische Behörden in frühzeitiger Abstimmung, Infrastruktur erhalten und ausbauen können», sagt er gegenüber dem «Südkurier».

Die zuständige Kommission für grenzüberschreitenden Eisenbahnverkehr soll sich in Kürze mit einer möglichen Sanierung befassen.