Marlis und Hildegard Schifferle, treue Fest-Besucherinnen, sagen: «Das Winzerfest ist toll, eine Gelegenheit, Leute zu sehen, die man lange schon nicht gesehen hat. Das ist einfach Tradition und die muss weiterleben.» Was den beiden auffällt, ist, dass das Döttinger Winzerfest immer beliebter wird, weit über das Dorf und die Region hinaus. «Gerade haben wir Leute aus Luzern kennen gelernt. 2017 waren es welche von Grindelwald», berichten die Schwestern. Sie sitzen in der Beiz von Meinrad Keller, wo unter den eingeweihten Gästen ein wenig Wehmut herrscht. Sie wissen: Es ist wohl das letzte Mal, dass die Beiz geöffnet hat. 2019 wird sie wohl nicht mehr bestehen. Aber noch haben sie Hoffnung, dass es vielleicht doch weitergeht.

Viele Emotionen mit dem Döttinger Winzerfest verbindet auch Melanie Emmenegger aus Gippingen: «Ich bin schon immer als Kind nach Döttingen zum Winzerfest gegangen. Und jetzt mache ich es mit meiner eigenen Familie», sagt die dreifache Mutter, während sich Sohn Robin ein cooles Kinder-Tattoo auf den Unterarm kleben lässt.

Auch Familie Reimers aus Döttingen ist nicht zum ersten Mal am Winzerfest. «Seit wir in der Schweiz leben, kommen wir eigentlich jedes Jahr», sagt Papi Christoph im Shine-Zelt, das sich am Samstag ins «Papa-Moll-Land» verwandelt hatte. Tochter Emma (6) lässt sich derweil von Patricia Breu vom Team Wendolina aus Döttingen bunte Verzierungen ins Gesicht schminken. Die Eltern Christoph und Maria gestehen: «Wir sind zwar keine Weintrinker, aber die vielen Marktstände schauen wir uns trotzdem gerne an, weil das Selbstgemachte so kreativ ist.»

Appenzeller unter den Besuchern

Viel Kreativität zeigen auch Nora, Lukas und Adrian in ihren 20er-Jahre-Kostümen. Sie sind vom Verein Nostalgie Appenzell und haben eigens fürs Winzerfest eine anderthalbstündige Autofahrt auf sich genommen. Nicht ganz so weit, aber auch nicht gerade um die Ecke, im Kanton Schwyz, liegt Sattel, von wo der Musikverein angereist ist, auch um in Döttingen zu spielen. Am Winzermarkt nutzt Vorstandsmitglied Jolanda Betschart die Möglichkeit, Wollmützen anzuprobieren. Wobei sie bei den spätsommerlichen Temperaturen fast ins Schwitzen kommt.

Gut warm haben es auch Werner Meier, Andreas Clerici und Stefan Speckert, die am Stand der Musikgesellschaft Döttingen «Grillraketen» braten. Ihre Sechs-Stunden-Schicht hat gerade erst angefangen und der Andrang ist gross. «Das ist für uns eine sehr gute Einnahmequelle», berichtet Rosmarie Schibli, die für die Kasse zuständig ist. Cornelia Schneider, René Cretin und Robin Meier stehen heute an der «Anhängerbar» und schenken Wein, Bier und Cocktails aus. Sie haben eigens fürs Winzerfest ein Holzpodest an den Wagen angedockt. Auf dem stehen heute einige Mitglieder der Fanfare Municipale und lassen es sich gut gehen. Die Musiker aus Nyon sind zum zweiten Mal in Döttingen, das erste Mal war schon 1992. Die Formation gibt es bereits seit 1876. Roger Kappeler, der die Gäste aus dem Welschen betreut, freut sich, dass sie wieder spielen.

Preis für Wiener Strassenakrobat

Ob Musik, Fahrgeschäfte, Weingenuss, Marktvergnügen oder Show-Programm – bei der 67. Auflage des Winzerfest Döttingen konnten sich tausende über viele Attraktionen freuen. Und am Ende des Samstagprogramms auch Abraham Thill alias «El Diabolero». Der Strassenakrobat aus Wien nahm den «Prix Saltimbanque» mit nach Hause.

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