Klingnau

Sprüheinsätze am Rebberg sorgen für Unmut – dabei hat der Winzer auf Bio-Wein umgestellt

Arbeiter in Schutzanzügen behandeln die Reben von Winzer Andreas Meier. In der Anwohnerschaft stösst dies auf Kritik.

Arbeiter in Schutzanzügen behandeln die Reben von Winzer Andreas Meier. In der Anwohnerschaft stösst dies auf Kritik.

Winzer Andreas Meier produziert seit diesem Jahr Bio-Wein. Anwohner haben dennoch Bedenken, dass die Behandlung der Reben nicht umweltverträglich sein könnte.

«Soll das bio sein?», fragt Hans P. (Name geändert), der nicht namentlich genannt werden möchte verärgert. In einem Leserbrief wendet er sich direkt an Winzer Andreas Meier. Der Pensionär wohnt in Klingnau am Klosterweg. In unmittelbarer Nähe zum Rebberg von Meier. Der Inhaber des Weinguts zum Sternen in Würenlingen bewirtschaftet hier auf rund 4 Hektaren seine Reben, aus denen er seine Weine produziert. Einem guten edlen Tropfen ist auch Hans P. nicht abgeneigt. Ihm und seiner Frau sei die Lust in den letzten Wochen allerdings vergangen. Jeden fünften Tag spritzen Angestellte von Meier dick verhüllt in Schutzanzügen die Reben.

P. äussert Zweifel, ob die die Behandlung der Reben tatsächlich so unbedenklich ist, wie behauptet wird. Seine Frau sei Allergikerin und klage regelmässig über tränende Augen nach dem Sprüheinsatz. Die Luft sei regelrecht vom Gestank verpestet, moniert er. «Wenn die Reben gespritzt werden, müssen wir die Fenster schliessen, sonst würden wir es nicht aushalten.»

An ihn persönlich sei noch nie jemand herangetreten, sagt Andreas Meier. Er zeigt sich von der heftigen Kritik erstaunt. Vor allem deshalb, weil er Anfang Jahr seinen Betrieb aufwendig auf biologischen Anbau umgestellt hat. «Gerade darum, weil mir die Natur am Herzen liegt und wir einem zunehmenden Bedürfnis seitens der Konsumenten Rechnung tragen wollen», sagt der CVP-Grossrat. Bio-Wein wird in der Schweiz immer beliebter.

Laut offiziellen Angaben, nahm 2017 der Verkauf um 8,4 Prozent auf einen Umsatz von 36 Millionen Franken zu. Es ist zwar nach wie vor eine Nischenindustrie, doch durch das wachsende Umweltbewusstsein nimmt die Nachfrage stetig zu. Immer mehr Winzer verzichten deswegen auf den Einsatz von Kunstdünger, Herbiziden und synthetischen Pflanzenschutzmitteln.

Strenge Verordnung des Bundes

Meier verneint nicht, dass die Umstellung auf Bio-Anbau auch eine Kehrseite hat. Mit den zugelassenen Pflanzenschutzmitteln müsse unter anderem häufiger gespritzt werden. Pilzkrankheiten, vor allem der echte und der falsche Rebenmehltau, seien nach wir vor die grösste Sorge. Bei Befall von echtem und falschem Mehltau kommen Schwefel, Kupfer und Tonerde zum Einsatz. Gedüngt werden die Pflanzen mit organischem Dünger und Kompost.

Dass Schwefel Geruchsemissionen verursache, sei nicht von der Hand zu weisen, gibt Andreas Meier zu. Ganz ohne Belastungen geht es auch im Bio-Anbau nicht. Und Bio heisse schliesslich nicht, dass nicht gespritzt werde. «Wir haben aber den Auftrag, eine sorgfältige und nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben.»

Meier legt Wert darauf, dass seine Reben nach der Bioverordnung des Bundes bewirtschaftet werden und der strengen Aufsicht von Bio Inspecta, einer Kontroll- und Zertifizierungsfirma mit Sitz in Frick, unterliegen. Kunstdünger, synthetische Pflanzenschutzmittel und Herbizide sind in diesem Verfahren strikt verboten. Dass seine Arbeiter Schutzanzüge tragen, begründet er mit seiner Verantwortung als Arbeitgeber.

Meier bietet Hand

Für Hans P. ist das ein schwacher Trost: Er und seine Frau wohnen seit einem Vierteljahrhundert in Klingnau. Das Ehepaar befindet sich in einem Dilemma. Zum einen unterstützen sie eine «saubere» nachhaltige Produktion, andererseits schränken die Arbeiten am Rebberg ihre Lebensqualität ein, weswegen sie sich auch schon einen Wohnungswechsel überlegt haben.

Andreas Meier lädt die P. und andere besorgte Anwohner ein, mit ihm Kontakt aufzunehmen. «Um allfällige Missverständnisse auszuräumen.» Überdies organisiere sein Weingut immer wieder Veranstaltungen, wo sich die Leute aus erster Hand informieren können.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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