Bezirksgericht Zurzach

Stur und uneinsichtig: Zwei Temposünder müssen tief ins Portemonnaie greifen

Zwei kurze Verhandlungen wegen Verletzung, respektive grober Verletzung der Verkehrsregeln standen auf der Traktandenliste vom Bezirksgericht Zurzach.(Symbolbild)

Zwei kurze Verhandlungen wegen Verletzung, respektive grober Verletzung der Verkehrsregeln standen auf der Traktandenliste vom Bezirksgericht Zurzach.(Symbolbild)

Zwei Temposündern kommen Sturheit und Uneinsichtigkeit vor dem Einzelrichter in Bad Zurzach teuer zu stehen. Der eine ist wild entschlossen, das Urteil weiterzuziehen.

Bernd (alle Namen geändert) muss 2425 Franken bezahlen, weil er mit seinem Personenwagen ausserorts 34 km/h zu schnell unterwegs war. Autofahrer Lionel muss 740 Franken berappen, weil er die innerorts zulässige Geschwindigkeit um 1 km/h überschritten hatte. Schwindelerregende Summen sind das, deren Höhe allerdings nicht primär im Fehlverhalten der beiden Automobilisten begründet liegt, sondern in deren Starrsinn.

Zwei kurze Verhandlungen wegen Verletzung, respektive grober Verletzung der Verkehrsregeln standen auf der Traktandenliste vom Bezirksgericht Zurzach. Der 27-jährige Lionel, wohnhaft im zürcherischen Reppischtal, befand es allerdings für überflüssig, sich ins Rheintal zu bemühen. Im Dezember 2019 indes war er mit seinem Pkw just in Koblenz mit 56 km/h geblitzt worden. Eine Ordnungsbusse von 40 Franken flatterte ihm wenig später ins Haus.

Fernbleiben gleichbedeutend mit Einspracherückzug

Als die Rechnung nicht beglichen wurde, war im Januar eine schriftliche Abmahnung sowie Ende Februar eine zweite solche gefolgt. Als auch diese nicht fruchtete, war die «Akte Lionel» der Staatsanwaltschaft übergeben und zu einem Strafbefehl ausgeweitet worden, was mit 300 Franken zu Buche schlug. Darauf reagierte Lionel mit einem Schreiben: Er hätte die 40 Franken sehr wohl bezahlt, wenn er Kenntnis davon gehabt hätte. In seinem Briefkasten aber sei nie eine Ordnungsbusse gelandet.

Nun sollte die Angelegenheit also vor dem Richter geklärt werden. Die Vorladung zur Verhandlung wurde wie üblich eingeschrieben verschickt und Lionel hatte den Erhalt schriftlich quittiert. Dass er nichtsdestotrotz der Verhandlung fernblieb, ist gleichbedeutend mit einem Rückzug der Einsprache gegen den Strafbefehl. Die Gerichtskosten setzte Richter Cyrill Kramer mit 400 Franken tief an, womit Lionel der eine Kilometer zu schnell mit nunmehr 740 Franken teuer zu stehen kommt.

Der 58-jährige Bernd erschien ohne Anwalt vor Gericht. Er sei bitter enttäuscht von seiner Rechtsschutz-Versicherung: Ohne seine Argumente auch nur anzuhören, hätte diese gesagt, seine Einsprache sei chancenlos, monierte er im Gerichtssaal. Drinnen stellte sich alsbald heraus, dass Bernd sich akribisch vorbereitet hatte. Dies wohl auch, weil das Damoklesschwert eines Fahrausweisentzugs von mindestens drei Monaten über ihm – von Beruf Chauffeur – schwebte.

Beschleunigung sei mit seinem Wagen nicht möglich

Im Juni dieses Jahres, mittags, um 12 Uhr, hatte die Polizei mit Laser Bernd am Steuer seines Pkws auf der Zurzibergstrasse von Tegerfelden kommend, mit 118 km/h erfasst. «Das ist absolut nicht möglich. Ich war kurzzeitig zum Überholen allerhöchstens 100 km/h schnell. Mit 118 km/h müsste ich ja direkt mit Autobahn-Tempo gefahren sein.»

Immerhin, wandte Richter Kramer ein, liege sowohl das Laser-Protokoll, als auch ein Foto vor, welche die 118km/h klar belegen. «Aber es gibt weder eine Bestätigung, dass das Lasergerät geeicht war, noch dass es durch Fachpersonen gehandhabt wurde», konterte Bernd. Solche Einwände seien zwar sein gutes Recht, aber inzwischen gerichtsnotorisch, bemerkte Kramer leicht seufzend.

«Dazu müsste ich einen Porsche fahren»

Bernd blieb hartnäckig: Er habe die technischen Hinweise eines solchen Laser-Gerätes genau studiert: Nach jedem Transport zu einem neuen Einsatzort müsse ein Test durchgeführt und protokolliert werden. Dies sei wohl, so Kramer, in Bernds Heimat Deutschland so, nicht aber hier in seiner Wahlheimat Schweiz. Aber, so Bernd, so sehr wie er dort angeblich beschleunigt habe, sei mit einem VW Golf Kastenwagen überhaupt nicht möglich, «dazu müsste ich einen Porsche fahren».

Für den Gerichtspräsidenten waren Bernds Behauptungen und formelle Kriterien nicht nachvollziehbar. Er sprach den 58-Jährigen schuldig gemäss Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 2000 Franken und einer Busse von 600 Franken. Zu den 825 Franken Gebühren und Polizeikosten gesellen sich obendrein noch 1000 Franken Verhandlungskosten. Bernd ist wild entschlossen, das Urteil weiterzuziehen.

Meistgesehen

Artboard 1