Laientheater Zurzach

Tankred Dorsts «Der Kater»: Ironie und tiefere Bedeutung vom Feinsten

Vor 25 Jahren gegründet, hat das Laientheater Zurzach – kurz LATZ – sich inzwischen einen festen Platz in der Kulturszene der Region gesichert. Alle zwei Jahre wird eine neue Produktion auf immer wieder andere Bühnen gezaubert. Dabei wagt LATZ sich oft an Stücke namhafter Autoren. So wurde 2009 beispielsweise Thomas Hürlimann auf dem Achenberg gespielt, 2011 Ödön von Horváth in der Chalchi Rekingen oder letztes Jahr Dürrenmatt im «heimischen» Boulidrome. Der jüngste LATZ-Streich hatte am Mittwoch im Triumph-Werkschopf in Bad Zurzach Premiere.

Der deutsche Schriftsteller Tankred Dorst schrieb mit spitzer Feder die Komödie «Der Kater» als eines seiner ersten Theaterstücke 1964. Basierend auf dem Grimm-Märchen «Der gestiefelte Kater» nahm sich Dorst messerscharf und klug analysierend des in jener Zeit beginnenden Um- und Aufbruchs der Theaterszene und der damit einhergehenden veränderten Anspruchshaltung des Publikums an. Prägnant veranschaulicht wird diese durch fünf auf der Tribüne sitzenden Akteure, die Zuschauer spielen. Bevor das eigentliche Spiel beginnt, verkünden sie lautstark und rechthaberisch Vorurteile und buhen den Autor präventiv kräftig aus.

Begleitet von Fredi Sprengs märchenhaft-reizvoller Musik, öffnet sich schliesslich der Vorhang – et voilà, der König und seine Entourage samt Hofnarr Hans Wurst und Kater Hinze sind mit der verzweifelten Suche nach einem Mann für die störrische, in Bücher vernarrte Prinzessin beschäftigt. Dabei gehts drunter und drüber, wird kreuz und quer über Liebe, Ideale, Politik, Moral, Philosophie palavert: Das ist ebenso konfus wie köstlich fürs Publikum, wie es den fünf «inoffiziellen» Zuschauern reichlich Stoff bietet für wilde Kommentare, zwischenmenschlichen Querelen, aber fallweise auch für Beifall.

Das erste LATZ-Stück auf Hochdeutsch

Über 150 Jahre bevor Dorst «Der Kater» schrieb, hatte sein Landsmann Christian Dietrich Grabbe (1801–1836) eine Komödie mit dem Titel «Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung» geschrieben. Diese vier Worte sind in «Der Kater» klar Programm, was dem Publikum wie auch allen Mitwirkenden grossen Spass macht.

Für sie ist diese Produktion eine zusätzliche Herausforderung, spielt das LATZ doch zum ersten Mal ein Stück nicht in Dialekt, sondern auf Hochdeutsch. Die 16 Darstellerinnen und Darsteller bestehen die Feuerprobe mit Bravour. Mit Lust, Temperament und Begabung schlüpfen sie in zumeist skurrile Rollen, wobei drei Darstellerinnen Hosenrollen innehaben.

Der LATZ-«Hausregisseur» Heinz Schmid hat die Komödie ideen- und temporeich in Szene gesetzt. Tatkräftig wurde er unterstützt von Roger Schneiders simplem und gerade deswegen herrlich-schrägem Bühnenbild und den Kostümen von Rahel Tschofen mit ihren liebevollen Details, wie etwa die roten Adiletten des Königs oder die Fuchsschwänze am Hosensack eines der Zuschauer. Ein Highlight von vielen dieses vergnüglichen Abends ist zweifellos das Lied mit Tanz «Kaninchen machen ein Land autark, und den König rund und stark» zu Ehren des Chüngel-Liebhabers König Adelbock der Hungrige.

Ein «heimlifeisser» Kater und ein ulkiger Hofnarr

Ob auf der Bühne oder auf Tribünenplätzen agierend – alle Akteure gefallen sehr gut. Ohne die Leistungen der übrigen zu schmälern, seien stellvertretend einige ganz besonders gut gelungene Figuren namentlich erwähnt. Fredy Dieners König ist, samt geradezu Shakespeare’schem Wahnsinnsanfall, schlicht hinreissend.

Ulkig verkörpert Denise Dietrich den Hofnarren; köstlich chifeln als zuschauendes Ehepaar Rita Güntensperger und Erich Haller, während Gisela Aeschbach schön versnobt ihren Senf dazu gibt. Viel Freude bereitet auch Stefanie Heuberger als «heimlifeisser» Kater Hinze.

Meistgesehen

Artboard 1