Der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» (LoTi) beantragt der Regionalkonferenz Nördlich Lägern vom 14. Dezember, dem Schlussbericht sei eine Kritikschrift beizufügen. Die Begründung des Vereins: «Bei so wichtigen Entscheiden muss auch eine Minderheitsmeinung in einem Bericht enthalten sein. Offene Fragen und Kritik müssen auch in dieser Phase eine angemessene Resonanz erhalten».

Mit den Standortempfehlungen der Regionalkonferenz erreiche das Auswahlverfahren einen weiteren Höhepunkt, schreibt der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» in seiner aktuellsten Medienmitteilung. Dies nehme der Verein zum Anlass, die am Sachplanverfahren und am Entsorgungskonzept stets geäusserte Kritik zu erneuern und auf die Fragwürdigkeit des Verfahrens hinweisen.

Kritik am Sachplanverfahren

Der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» vertritt die Meinung, der Sachplan «Geologisches Tiefenlager» eigne sich nicht als Grundlage für die Findung eines sicheren Tiefenlagers. «Noch bevor der geologisch bestmögliche Standort im Untergrund feststeht, soll der Standort für die Oberflächenanlage gesucht werden. Von diesem Vorgehen sind wir nach wie vor nicht überzeugt, geht es doch vor allem im Untergrund – und nicht bei den Oberflächenanlagen – um die zentralen Sicherheitsfragen», moniert der Verein.

Die Geologie müsse alleine den Ausschlag geben, erst danach dürfe nach einer sicheren Erschliessung und nach einem sinnvollen Standort für Oberflächenanlagen gesucht werden. Es gebe kein stichhaltiges Sicherheits-Argument, die Oberflächenanlage zu platzieren, bevor der Standort des Tiefenlagers festgelegt sei, schreibt der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager». Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass mit der vorzeitigen Festlegung einer Oberflächenanlage ein Sachzwang hinsichtlich des nachfolgenden Selektionsprozesses für das Tiefenlager geschaffen werde.

«Vermissen Kultur der Skepsis»

«Alle bisherigen Aktivitäten in der Regionalkonferenz haben uns nicht vergessen lassen, dass das ganze Standortauswahlverfahren auf einem Entsorgungskonzept mit vielen Lücken basiert», schreibt LoTi. «Wir vermissen eine Kultur der Skepsis angesichts dieser vielen ungelösten Sicherheitsfragen. Sollte sich erweisen, dass sich der Opalinuston als Wirtgestein nicht bewährt, müsste die Entsorgung von jeglichem Atommüll sofort eingestellt werden.»

Der Verein «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» ist der Meinung, dass bei realistischer Betrachtung von einem Risiko respektive von einer Risikokaskade ausgegangen werden muss. Aus einem konventionellen Störfall könne sehr schnell ein nuklearer Störfall werden. «Wir haben grosse Bedenken bei Standorten im Grundwasserbereich. Der Standort Weiach arrondiert an das kantonale Grundwasserschutzgebiet. Dieses Gebiet ist vorgesehen, im Bedarfsfall die Grossregion Zürich mit Trinkwasser zu versorgen.»

«Berücksichtigen alle Meinungen»

Für Hanspeter Lienhart, Präsident der Regionalkonferenz Lägern Nord, stellt die Forderung des Vereins «Nördlich Lägern ohne Tiefenlager» kein Problem dar: «Wir erachten es als selbstverständlich, dass im Schlussbericht alle Meinungen berücksichtigt werden.»