Prall und rund hängen die Blauburgunder-Trauben an den Reben. Die dunkelvioletten Beeren glänzen verführerisch in der Sonne. Fast könnte man danach greifen vom Sitz im feuerroten Rebberg-Bähnli aus, das vollbepackt mit Winzerfest-Besuchern dem Rebberg Lee entlangschlängelt. Der Blick schweift auf die steilen Weinberge der Eichhalde. Dahinter glitzert der Klingnauer Stausee.

«Die meisten Trauben mussten schon geerntet werden», sagt Fahrer Urs Knecht, «so früh wie noch nie wegen des heissen Sommers.» Döttingen hat 20 Hektaren Reben und ist vor allem für seine Blauburgunder, Chardonnay und Riesling-Sylvaner bekannt. «Das Winzerfest wurde in den 50er-Jahren ins Leben gerufen, weil man damals Absatzprobleme mit dem Wein hatte und ihn den Leuten wieder schmackhaft machen wollte», erklärt Winzerfest-Vereinspräsident Otto Zimmermann. «Aber unsere Rebbauern haben ihre Hausaufgaben gemacht. Ihre Erzeugnisse munden heute viel besser als früher.»

Die Blaskapelle Eigenamt spielt auf und die Festbesucher flanieren an den Marktständen und Beizen des Winzerfests Döttingen vorbei

Die Blaskapelle Eigenamt spielt auf und die Festbesucher flanieren an den Marktständen und Beizen des Winzerfests Döttingen vorbei

Während sich draussen auf den beiden Hauptbühnen Marschmusikklänge der Blaskapelle Eigenamt und der Musikgesellschaft Echarlens (FR) abwechseln, spricht Zimmermann über den frühen Wümmet und freut sich auf einen guten Jahrgang 2018. «Wir hatten zwar im April viel Frust mit dem Frost. Aber Reben sind stabile Gewächse. Dank den aussergewöhnlich hohen Temperaturen von über 30 Grad im Juni und wenig Schädlingen war die Ernte gut.»

Zahlreiche Fest-Attraktionen

Zwei Showbühnen, 23 Restaurationsbetriebe, 140 Marktstände und der Umzug am Sonntag als Hauptattraktion machen das grösste Winzerfest der gesamten Deutschschweiz aus. Zimmermann erwartet auch dieses Jahr über 50 000 Besucher. Das Dorf selber hat gerade mal 3800 Einwohner. «Döttingen ohne Winzerfest geht nicht», sagt der Landwirt und Weinbauer, «von der Jungwacht Blauring bis zu den Senioren machen alle mit.» Grösser werden möchte man aber auf keinen Fall. «Wir sind von den Publikumszahlen am Zenit angelangt und wollen ein urtümliches, gemütliches Weinfest bleiben», befindet Zimmermann. Einheimischen regionalen Produkten wird der Vorzug gegeben, trotz unzähliger Anfragen von professionellen auswärtigen Barbetrieben.

Trommelwirbel von der Musikgesellschaft Echarlens

Trommelwirbel von der Musikgesellschaft Echarlens

Gastregion ist dieses Jahr Bad Zurzach und präsentiert sich mit eigener Beiz und neun Nummern im sonntäglichen Umzug. Eine Beiz, die alle anderen überragt – wie an der Badenfahrt die Ehrendinger Raketenbeiz –, gibt es aber im Miniformat auch: Es ist die neuneinhalb Meter hohe Towerbar des speziell für den Anlass gegründeten Vereins Uufstiiger.

Der Warenmarkt ist ein kunterbunter Mix von Selbstgemachtem, -gebasteltem und -gestricktem, wie man ihn auf vielen Festen sieht. Öle, Kräuter, Glaswaren, Taschen aus getrockneten Palmblättern, Pullis, landwirtschaftliche Erzeugnisse. An einem Stand kann man sich sogar schminken lassen. Zu den eher «aussergewöhnlichen» Erscheinungen gehört Claudia Greder aus Etzgen. Sie verkauft die schwarzen Trüffel, welche ihre Hunde Amigo und Luna erschnüffelt haben. Kilopreis: rund 500 Franken. Für Kinder gibt es einen Lunapark, Clowns und Papa Moll, der höchstpersönlich seine Aufwartung macht.

Das war der 66. Winzerumzug in Döttingen:

«Unzählige» Liter Rebensäfte

Wie viele Liter Rebensäfte am dreitägigen Winzerfest in Döttingen jeweils konsumiert werden, weiss Zimmermann nicht. «Es sind unzählige», meint er und fügt augenzwinkernd hinzu, «aber fast immer bleibt es in einem gesunden Mass.» Der Weinpreis wird im Vorfeld vom Verein Winzerfest Döttingen bestimmt und relativ tief gehalten. Abzocken geht also nicht.

Auch der Eintritt ist mit 10 Franken für alle drei Tage relativ günstig angesetzt. Nur die rund 3500 Gönnermitglieder zahlen 25 Franken oder mehr und bekommen davor eine grosse Plakette. Ihre Beiträge, Eintrittsgelder sowie Sponsoring und Inserate machen die Einnahmequellen des Winzerfestes aus. Einem Anlass, der mittlerweile weit über die Region hinausstrahlt und von regierungsrätlicher Seite (heuer sind Urs Hofmann und Markus Dieth zu Gast) auch schon als «kultureller Leuchtturm des Kantons Aargau» bezeichnet wurde.

Hübsch gewandet - die Musikgesellschaft Echarlens spielt auf.wmv

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