Fusion Zurzach

Trotz Kampfwahl: So harmonisch geben sich die Kandidierenden vor den Wählern

Die zehn offiziellen Kandidaten des Wahlkreises 1 (alle Fusionsgemeinden ausser Bad Zurzach) haben sich diese Woche an einer Podiumsdiskussion den Wählern vorgestellt. Auch ein Nachzügler, der die Anmeldefrist verpasste, war unter den Anwesenden.

Zehn Kandidaten für vier Gemeinderatssitze in Zurzach: Die Kandidaten aus dem Wahlkreis 1 (alle Fusionsgemeinden ausser Bad Zurzach) stellten sich in einer Podiumsdiskussion in der Rekinger Turnhalle den Wählern vor.

Moderiert wurde die Diskussion von Maurice Velati, Leiter des SRF Regionaljournals Aargau und Solothurn. Ganz in seiner Rolle als Journalist und Unterhalter schreckte er auch vor frechen Fragen nicht zurück. Zumal er an mancher Stelle fast verzweifelte ob der Friedfertigkeit auf der Bühne.

Alle Kandidierenden im Überblick:

Velati suchte die Streitpunkte, welche die Kandidaten aber umschifften. Jung (die 29-jährige Sheela Süess) ließ sich nicht gegen Alt („Jungrentner“ Heiri Rohner, 66), ausspielen – „man könne ja voneinander lernen“. Genauso wenig knallte es zwischen der Grünen Franziska Maag und FDP-Mann Sebastian Laube – da wurde dann der Schwenk ins Türkise von FDP-Chefin Petra Gössi erwähnt. Alles harmonisch, Populismus kennt man im Zurzibiet nicht.

Alle wollen den eigenen Charakter der einzelnen Ortsteile erhalten

Auch in ihren Visionen für den Gemeindezusammenschluss unterschieden sich die Aspiranten nicht. Für das „neue Wir-Gefühl“ plädierten alle, man wolle trotzdem den „eigenen Charakter der einzelnen Ortsteile erhalten“. Das Zurzibiet soll wachsen, aber nicht zu stark, und nachhaltig wollen auch alle sein. Velati musste bohren, damit Sachthemen auf den Tisch kamen.

So gab sich Rekingens Vizeammann Christian Trottmann (EDU) besonders kinderlieb. Rekingen hat bereits das Label kinderfreundliche Gemeinde, das wünscht er sich für Grosszurzach auch. Franziska Maag (Rümikon) wünscht sich hingegen, dass man den naturnahen und nachhaltigen Tourismus stärke. „Spazierwege senken aber den Steuerfuss nicht“, entgegnete Rümikons Vizeammann Markus Perreten (SVP). Er plädierte für mehr Industrie vor Ort, damit nicht alle zum Arbeiten nach Zürich fahren müssten. Sein Gemeinderatskollege Sebastian Laube pflichtete ihm bei.

Um gerne in Zurzach zu arbeiten, muss man auch gerne in Zurzach wohnen, fügte Esther Käser an. Die Rekinger Gemeinderätin (parteilos) und Schulsozialpädagogin machte sich dafür stark, dass die Schulen organisatorisch unter ein Dach gebracht werden. Und von der Baldinger Gemeinderätin Sheela Süess (parteilos) kam der Vorschlag, nicht nur die ortseigenen Bräuche zu erhalten, sondern auch neue Traditionen ins Leben zu rufen – Moderator Velati schlug im Scherz ein Wanderdorffest vor.

Die beiden derzeitigen Ammänner Adrian Thoma (Böbikon, parteilos) und Heiri Rohner (Wislikofen, CVP) sowie Kaiserstuhls Stadtrat Cyrill Tait (parteilos) versuchten sich derweil durch ihre Tätigkeit in der Umsetzungskommission von Rheintal+ zu profilieren. Aus Böbikon tritt auch Andi Meier an, parteilos und bisher Gemeindeschreiber. Seit fast 20 Jahren ist er in der Verwaltung2000 tätig, auf operativer Ebene hat er die Gemeinden also bereits zusammengeführt. Nun will er ins Strategische wechseln, stellt sich als Einziger auch als Ammann zur Verfügung. Entsprechend staatsmännisch und volksnah gibt er sich bei der Diskussion.

Der Nachzügler Daniel Imthurn verpasste die Anmeldefrist

Nur ein Kandidat bekam an diesem Abend keine grosse Bühne: Daniel Imthurn hatte die Anmeldefrist verpasst. Daher wird er auch nicht auf dem offiziellen Wahlzettel geführt und müsste von Wählern extra aufgeschrieben werden. Vom Rietheimer Gemeinderat, der gegen die Fusion war, wollte niemand für den neuen Gemeinderat kandidieren. Kurzfristig wurde also der Mitarbeiter der Zollverwaltung angefragt. Rechnet er sich überhaupt Chancen zu? „Wir müssen jetzt die Rietheimer aktivieren, immerhin ist das die drittgrösste Gemeinde von Rheintal+. Weil ich Vizepräsident der Schulpflege bin, kennen mich viele Eltern. Einen zweiten Wahlgang gibt es sowieso, da könnte das klappen.“

Ebenfalls anwesend waren die drei Kandidaten des Wahlkreis 2, die bereits tags zuvor in Bad Zurzach diskutieren durften. Dort gilt die Wahl als gemacht, weil auch genau drei Sitze für Bad Zurzach im neuen Gemeinderat vorgesehen sind.

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