Widerstand

Trotz zahlreicher Einsprachen von Anwohnern: Salt will am 5G-Sendemast im Kirchturm festhalten

Der Kirchturm in Lengnau steht mitten in der Wohnzone und soll zu einem 5G-Sendeturm aufgerüstet werden.

Der Kirchturm in Lengnau steht mitten in der Wohnzone und soll zu einem 5G-Sendeturm aufgerüstet werden.

Fast 200 Einsprachen sind gegen das Projekt in Lengnau eingegangen – Mobilfunkanbieter Salt will am Gesuch festhalten.

Was in Würenlingen und Leuggern schon Tatsache ist, hätte bald auch in Lengnau geschehen sollen: Ein Kirchturm, der zu einem 5G-Sendeturm aufgerüstet wird. Doch ob der Mobilfunkanbieter Salt die Handy-Antenne tatsächlich realisieren kann, steht trotz der Bewilligung des Kantons noch nicht fest. Denn gegen das Vorhaben sind zahlreiche Einsprachen eingegangen: zwölf von Einzelpersonen, eine von Naturschutzorganisationen und eine Sammeleinsprache mit 176 Unterschriften.

Die Gegner der Antenne sorgen sich vor allem wegen der Strahlenbelastung. Denn der Kirchturm befindet sich mitten im Wohngebiet. Zu den Kritikern gehört auch Evelyn Holenstein, die Initiantin der Sammeleinsprache. Sie wohnt seit 20 Jahren mit ihrer Familie nur wenige hundert Meter von der katholischen Kirche St. Martin entfernt.

Sie sei froh, dass fast 180 Einwohner ihren Unterschriftenbogen unterzeichnet haben. Gegen Antennen habe sie grundsätzlich nichts, sagt sie. «Aber die beiden bestehenden 3G- und 4G-Antennen im Industriegebiet und beim Rankhof sollten ausreichen. Da braucht es keine weitere 5G-Anlage.» Insbesondere, da die Auswirkung der Strahlung auf die Gesundheit noch ungeklärt sei. Sie ist überzeugt, eine bewilligte Anlage würde einen regelrechten Antennenwald nach sich ziehen.

«Viele Einwohner wussten gar nichts vom Gesuch»

Zudem hätten viele Einwohner vom Baugesuch gar nichts gewusst, da es nur in der Lokalzeitung «Botschaft» veröffentlicht worden sei, sagt die Lengnauerin. Diese müsse man aber erst abonnieren. Hinzukomme, dass das Gesuch zuerst mit der falschen Adresse publiziert worden sei – mit der Liegenschaft an der Freienwilstrasse 1 direkt beim Kreisel als Standort und nicht der Kirchturm am Kirchweg. «Vor allem da im Turm die geschützten Mauersegler nisten, ist das entscheidend», sagt Holenstein.

Die Gemeinde publizierte daraufhin das Gesuch nochmals während 30 Tagen mit der richtigen Adresse. Die Gemeindeversammlung habe die «Botschaft» seinerzeit als amtliches Publikationsorgan genehmigt, lässt die Gemeinde ausrichten. Zudem würden Gesuche auf freiwilliger Basis auch im Anschlagkasten veröffentlicht.

Sorge um die geschützten Mauersegler

Angst vor möglichen Risiken für die Mauersegler hat nicht nur Evelyn Holenstein, sondern auch die Aargauer Sektion der Vogelschutzorganisation Bird Life. In Zusammenarbeit mit dem Lengnauer Natur- und Vogelschutzverein machte die Organisation eine Einsprache. Die Geschäftsführerin von Bird Life, Kathrin Hochuli, sagt dazu: «Mauersegler werden gemäss Roter Liste Schweiz als potenziell gefährdet eingestuft.»

Gemäss Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel sei die Störung des Brutgeschäfts dieser Vögel verboten und strafbar. «Kann durch den Antennenbetreiber nicht gewährleistet werden, dass die Antenne die Kolonie negativ beeinflusst, dürfen die diese nicht gebaut werden.»

Bistum Basel will keine Antennen in Kirchtürmen

Claudia Laube, die Präsidentin der Kirchenpflege Lengnau-Freienwil, versicherte im Juli, dass die Mauersegler unter allen Umständen geschützt werden müssten. Sie hätten Vorrang vor einer eventuellen Antenne. Eine Anfrage in Würenlingen habe jedoch ergeben, dass die Pfarrei dort durchweg positive Erfahrungen gemacht habe mit der installierten Antenne.

Überrascht über die vielen Einsprachen sei sie nicht, sagt Claudia Laube. «Uns als Kirchenpflege wäre es natürlich lieber gewesen, wäre dies sofort nach der Kirchengemeindeversammlung vom November 2018 passiert und nicht erst acht Monate später.» Eine klare Haltung zu Antennen vertritt das Bistum Basel, zu der die Pfarrei St. Martin gehört: Das Bistum rät von 5G-Antennen in Kirchen ab, weil solche Projekte «regelmässig die Pfarreien spalten» würden.

Salt gibt sich trotz Einsprachen kämpferisch

Der Kanton bewilligte das Gesuch diesen Sommer. Dies, nachdem Salt ein normales Baugesuch auf der Gemeinde eingegeben hatte, die dieses wiederum an das Baudepartement weiterleitete. Nach dem kantonalen Entscheid veröffentlichte die Gemeinde das Bauvorhaben nochmals. Salt will trotz der zahlreichen Einsprachen am Projekt festhalten.

«Wenn alle Vorgaben und Normen eingehalten sind, muss die Bewilligungsbehörde eine Baubewilligung erteilen», schreibt die Medienstelle. Der Standort sei optimal und habe den Vorteil, dass das Ortsbild in der Umgebung nicht beeinträchtigt werde. Die Abteilung Umwelt werde nun die Einsprachen seriös prüfen, teilt der Kanton mit. 5G steht für Mobilfunk der fünften Generation und ist der Nachfolger von 4G und 3G. In nächster Nähe zu Lengnau gibt es bereits eine 5G-Antenne in Endingen und eine in Unterehrendingen.

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