Würenlingen

Um Nachwuchs zu finden, muss die Blasmusik neue Töne anschlagen

Am kantonalen Musiktag in Würenlingen massen sich über 1300 Musikanten in den Disziplinen der Marschmusik. Ein Augenschein vor Ort zeigt, wo die Probleme liegen und wo sich in Zukunft Chancen bieten.

Für einmal schlängelten sich am Samstag nicht endlose Autokolonnen mit gestressten Einkaufstouristen auf der Untersiggenthalerstrasse Richtung Grenze. Auf dem Abschnitt bei der Mehrzweckhalle Weissenstein galt Fahrverbot. Hochbetrieb herrschte gleichwohl. Mehr als 1300 Musiker aus 40 Vereinen folgten der Einladung der Musikgesellschaft Würenlingen. Sie lieferten am kantonalen Musiktag in den Disziplinen «Paraden mit und ohne Evolution» sowie an Konzerten Kostproben ihres musikalischen Schaffens ab.

OK-Chef Kurt Bächli, der den Anlass nach 1997 zum zweiten organisierte, durfte im Festzelt zahlreiche Komplimente entgegennehmen. «Unsere Musik lebt», liess ihn eine Besucherin wissen. Wer in Würenlingen vor Ort war, konnte ihr schwer widersprechen. Es ist aber nur die halbe Wahrheit.  

Die Blasmusik-Szene im Aargau plagen bekannte Sorgen: Was tun, wenn Vereine schrumpfen und es an Nachwuchs fehlt? Mit dieser Frage setzt sich der Aargauische Musikverband seit längerem auseinander. Während traditionelle Kulturgüter wie die Schwinger und Jodler einen Aufschwung erleben, kämpfen andere um den Erhalt ihrer Mitgliederzahlen. Der kantonale Musikverband will dieser Entwicklung entgegenhalten und hat entsprechende Massnahmen eingeleitet. 2019 widmet er sich beispielsweise dem Schwerpunktthema «Nachwuchs».

Heikle Gratwanderung
Aus gutem Grund: Im Aarau gibt es zwar nach wie rund 170 Musikvereine mit rund 4500 Mitgliedern. «Die Kurve zeigt aber nach unten», sagt Verbandssprecher André Keller. In den letzten Jahren sind immer wieder Vereine verschwunden, haben fusioniert oder sich zu Spielgemeinschaften zusammengetan. In einem Beitrag der jüngsten Ausgabe der Verbandszeitung «Aargauer Musikant» skizziert Keller Lösungsvorschläge, wie der Rückgang gestoppt werden soll. Mit innovativen Events will man neue Leute für die Blasmusik gewinnen. Ein heikles Unterfangen: Die Kunst sei, junge Menschen zu begeistern, ohne gleichzeitig die älteren Semester zu vergraulen, sagt Keller.

Die gute Nachricht: Es gibt nach wie vor Vereine, die sich über mangelnden Zulauf nicht beklagen können. Etwa die Musikgesellschaft Würenlingen. Der 1872 gegründete Verein kennt momentan keine Nachwuchsprobleme. 40 Aktivmitglieder frönen hier ihrem Hobby. «Wir verfügen glücklicherweise über eine ausgewogene Altersstruktur, sagt Kurt Bächli. Am Beispiel seiner Familie lässt sich aufzeigen, dass die Leidenschaft für die Blasmusik Generationen übergreifend Bestand haben kann. Kurt Bächli und sein Bruder Hans prägten den Verein über viele Jahre. Kurt Bächlis Sohn Dominik ist der aktuelle Präsident. Und für Nachwuchs ist mutmasslich bereits gesorgt: Bächli schenkte seiner Enkelin auf ihren zweiten Geburtstag Trommelstöcke. «Sie würden bereits fleissig genutzt», lacht der stolze Grossvater.

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