Zurzibiet

Vertrauliche Akten und offene Fragen: Alex Hürzeler macht ein Geheimnis um den Bez-Entscheid

Alex Hürzeler, Aargauer Bildungsdirektor, bleibt derzeit Antworten schuldig.

Alex Hürzeler, Aargauer Bildungsdirektor, bleibt derzeit Antworten schuldig.

Der Kanton hat im Zurzibiet entschieden, dass die Bezirksschule in Klingnau schliessen muss – anders als drei andere Standorte. Die Bevölkerung will er über die Begründung nicht aufklären. Derweil sind sich Klingnauer alt Ammänner sicher: Bei einer Fusion mit Döttingen wäre die Bezirksschule in der Gemeinde geblieben.

Döttingen und Klingnau sind längst zusammengewachsen. Die Oberstufenschüler werden seit Jahren unter dem gemeinsamen Dach der Oberstufe Unteres Aaretal geführt, seit einigen Jahren am Standort Klingnau. Nach dem Entscheid des Kantons zu den Bezirksschulen im Bezirk Zurzach ist es ab Schuljahr 2022/23 mit einer Gemeinsamkeit vorbei: Klingnauer Bezschüler müssen nach Bad Zur­zach pendeln, Döttinger nach Leuggern. Im Raum steht nun, ob Döttingen seine Sek- und Realschüler auf die andere Seite der Aare schicken will. Was das Ende der Oberstufe Unteres ­Aaretal bedeuten würde.

Nun ist es gar nicht so lange her, als die Nachbarn heiraten wollten. Die Fusion scheiterte allerdings mit dem Döttinger Nein an der Urne im Jahr 2013. Hätte der Kanton anders entschieden, wenn Döttingen-Klingnau mit rund 7600 Einwohnern heute als grösste Gemeinde des Bezirks existieren würde? Davon sind mehrere ehemalige Gemeindeammänner von Klingnau überzeugt. Walter Nef, zur Zeit der Einweihung des neuen Bezirksschulhauses Schützenmatt im Jahr 1980 im Amt, ist sicher: «Der Entscheid wäre nicht passiert, wenn die beiden Gemeinden fusioniert hätten.»

Dieser Überzeugung ist auch Peter Bühlmann, der als die Fusionsdebatte als Klingnauer Gemeindeammann hautnah miterlebt hat. «Ein Hauptgrund für die Fusion war, den Bezirksschulstandort zu sichern», sagt er. Das hat er auch im damaligen Abstimmungskampf betont. «Mit Döttingen zusammen hätten wir dank der Grösse eine andere Position gehabt.» Die Zentrumsfunktion ist eines von zehn Kriterien, die der Kanton bei seinem Entscheid bewertet hat.

Volle Transparenz wäre wichtig gewesen

Seit Jahren war im Bezirk Zurzach klar: Mindestens einer der vier Bezirksschulstandorte fällt weg. Für Bühlmann war schon damals klar: «Wie der Entscheid zu den Bezirksschulstandorten auch immer ausfällt, er muss gut begründet sein.» Er hätte sich gewünscht, dass ein Entscheid in einer Arbeitsgruppe hätte «sauber herausgearbeitet» werden können, mit Vor- und Nachteilen. «Das hätte man dem Bürger verkaufen können.» Wichtiger wäre aber gewesen, für volle Transparenz zu sorgen.

Einen ersten Entscheid zu Bezirksschulstandorten im Aargau musste der Kanton im Oktober 2017 fällen: Damals hatte sich das Obere Seetal nicht einigen können. Der Kanton entschied, dass die Bez in Fahrwangen schliessen muss, Seon und Seengen dagegen werden weitergeführt. Damit machten jene Standorte das Rennen, welche die drei Oberstufentypen Bez, Sek und Real unter einem Dach führten.

Genau dies sah Klingnau als seinen Pluspunkt – nur Bad Zurzach bietet das auch. «Wir hatten die Schule mit den ­meisten Kindern und hielten dies für unser grosses Plus – doch auch das war keine Garantie», sagt Patrick Fischer, schon damals der Gemeindeammann der 2000-Einwohner-Gemeinde Fahrwangen.

Den Entscheid hat Fischer längst abgehakt und den Blick nach vorne gerichtet. Als betroffener Behördenvertreter hat er damals Einsicht erhalten in die Begründung des Entscheids. Im Gegensatz zum Bezirk Zurzach hat der Kanton im Seetal zwölf statt zehn Kriterien angewandt. «Sowohl mit der Auswahl als auch mit der Gewichtung dieser Kriterien sind wir bis heute nicht einverstanden.» Weshalb fielen zwei Kriterien weg? «Beim Entscheid im Seetal gab es elf Kriterien sowie die Stellungnahmen der Gemeinden. Deshalb wurde damals von zwölf Kriterien gesprochen», sagt Sascha Katja Giger, Sprecherin von Alex Hürzelers Bildungsdepartement. «Beim aktuellen Entscheid entfiel einzig das finanzielle Kriterium. Es waren somit zehn Kriterien und die Stellungnahmen der Gemeinden.»

Kanton hält an seiner Darstellung fest

Ab Schuljahr 2020/21 spricht der Kanton neu pro Schüler und nicht mehr pro Klasse einen Beitrag. Da sich die Zahl der Bezirksschüler im Zurzibiet durch die Zusammenlegung nicht verändert, «bleiben auch die gesprochenen Ressourcen unverändert, und dieses Kriterium wird hinfällig», so Giger. Der Kanton hat die genaue Begründung zu den Standortentscheiden im Seetal und im Zurzibiet nicht öffentlich gemacht. Er lässt nur betroffene Behördenvertreter Einsicht nehmen in die Akten, die er als «vertraulich» kennzeichnet.

Mitarbeitende des Bildungsdepartements äussern sich zu allfälligen Fragen. «Diese Geheimniskrämerei kann ich nicht nachvollziehen», sagt Fischer. Es werde immer Leute gehen, die den Entscheid kritisieren würden. Aber genau das gehöre zur Demokratie. «Dieser Kritik muss sich der Kanton stellen.» Im Interview mit der AZ war Bildungsdirektor Alex Hürzeler auf diese Frage eine Antwort schuldig geblieben. Er nannte einzig einzelne Kriterien, die ins Gewicht fielen. Oder er verriet, dass Klingnau beim Kriterium «Schule unter einem Dach» das Maximum an Punkten erhielt.

Wäre es nicht im Sinn des Kantons, damit für Transparenz zu sorgen, dass die Stimmbürger den Entscheid nachvollziehen können? Das Bildungsdepartement bleibt auch bei einer erneuten Nachfrage eine Antwort schuldig. Sprecherin Giger verweist stattdessen wieder auf die Gesamtbeurteilung mit den drei Elementen: kriteriengestützte Analyse, Erkenntnisse der Ortsbegehungen, Vernehmlassung bei den Gemeinden.

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