Bad Zurzach

Wegen Einsprachen: Die 75 Millionen Franken teure Ostumfahrung verzögert sich

Gegen die 75 Millionen Franken teure Ostumfahrung sind Einsprachen eingegangen. Eine davon vom VCS Aargau, der das Projekt als unverhältnismässig bezeichnet.

Der Kanton hat die Aargauer Altstädte in den letzten Jahren vom Verkehr befreit. Die einzigen Ausnahmen: Mellingen und Bad Zurzach. Wegen Einsprachen von VCS und WWF Aargau wartet die verkehrsgeplagte Bevölkerung in Mellingen seit Jahren auf die Umfahrung. Nun ist klar: Einsprachen verzögern auch die 75 Millionen Franken teure Ostumfahrung in Bad Zurzach. Der Spatenstich kann nicht wie geplant in diesem Sommer erfolgen.

Das Projekt sieht vor, dass Fahrzeuge vom Zurziberg herkommend vor der Ortseinfahrt rechts am Flecken vorbeigeleitet werden. Nach rund 200 Metern führt die neue Strasse in einen über 500 Meter langen Tunnel. Kurz vor dem Bahnuntergang und dem Zoll kommen die Fahrzeuge auf der Promenadenstrasse wieder ans Tageslicht. Gegen dieses Vorhaben sind insgesamt 24 Einwendungen eingegangen, eine davon vom VCS Aargau.

Der Verband stellt sich grundsätzlich gegen die Ostumfahrung. Das Projekt sei unverhältnismässig, der Nutzen einer Umfahrung zu gering, sagt Geschäftsführer Fabio Gassmann. Sogar in Fällen mit wesentlich mehr Verkehr würden Ortsdurchfahrten ohne Umfahrung saniert. «Mit flankierenden Massnahmen wie Tempo 30, baulichen Massnahmen zur Verkehrsberuhigung oder Begegnungszonen kann auch ohne Umfahrung das Lärmproblem gelöst sowie die Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer erhöht werden», sagt Gassmann. Diese Massnamen seien auch nötig, falls der Tunnel gebaut werde. «Prognosen zeigen, dass der Verkehr in Zukunft zunimmt. Auch wenn die Umfahrung den Flecken kurzfristig entlastet, auf längere Zeit hinaus werden wieder mehr Fahrzeuge durch Bad Zurzach fahren», ist er überzeugt. Ohne Temporeduktionen oder Verkehrsinseln stehe man also trotz Tunnel früher oder später wieder vor dem gleichen Problem wie heute.

Kein Tunnel – oder aber länger

Falls der Kanton die Umfahrung dennoch realisiert, fordert der Verband, dass der Tunnel verlängert wird. Konkret: Die Autos und Lastwagen sollen bereits am Fusse des Zurzibergs kurz vor Dorfeingang unter dem Erdboden verschwinden, und nicht wie geplant erst nach rund 200 Metern. Ansonsten gehe ein schützenswerter Lebensraum verloren, sagt Gassmann. «Natur und Umwelt wären in diesem Fall die einseitigen Verlierer.»

Doch den Tunnel zu verlängern, sei mit vernünftigen Mitteln nicht möglich, sagt Walter Waldis vom kantonalen Baudepartement. Zudem würde dies das Ortsbild noch mehr beeinträchtigen. «Der Tunnel würde weit über das Terrain hinausragen und eine für die Anwohner kaum verträgliche Beeinträchtigung darstellen.» Ausserdem sei er mit einem Gefälle von zehn Prozent schon sehr steil ausgelegt und die Gefällstrecke müsste noch mehr verlängert werden. Dies sei keine Option: «Einerseits werden die Lastwagen bergauf zu stark abgebremst. Andererseits ist dies bei einem Brand gefährlich.» Denn ein zu steiler Tunnel wirke bei einem Feuer wie ein Kamin. Schon jetzt hat der Kanton vergleichsweise viele Notausgänge und eine Tunnel-Lüftung eingeplant. Mitunter ein Grund, wieso der Grosse Rat 2014 über einen Zusatzkredit von 16 Millionen Franken abstimmen musste. Ursprünglich hatte das Parlament einen Kredit von 49 Millionen bewilligt. Weitere 10 Millionen steuert Bad Zurzach bei.

Und ganz auf den Tunnel zu verzichten, ist für den Kanton auch keine Option. «Heute fahren rund 11 000 Fahrzeuge täglich durch Bad Zurzach. Das sind zu viele, um in den Spitzenstunden nur mit flankierenden Massnahmen den Verkehr genügend beruhigen zu können», sagt Waldis. «Zudem soll eben die Umfahrung den zunehmenden Verkehr aufnehmen und dadurch das Zentrum des Fleckens aufwerten.»

Neben dem VCS haben auch verschiedene Anwohner Einsprachen eingereicht. Die einen störten sich an den Stützmauern und Lärmschutzwänden, andere hätten Mühe, ihre Parkplätze oder einen Teil des Gartens abzutreten. Denn obwohl die geplante Umfahrung vor allem unterirdisch angelegt ist, verändert sich wegen den Notausgängen und Lüftungen auch die Oberfläche. Waldis hofft, dass mit allen Einsprechern in den Gesprächen eine Lösung gefunden wird.

Ungeachtet dessen verzögert sich der Baustart mindestens bis 2019. «Optimistisch gerechnet», sagt Waldis. Denn der Kanton muss die Projektänderungen nochmals öffentlich auflegen, voraussichtlich im Sommer. Gibt es gegen das überarbeitete Projekt keine weiteren Einsprachen und heisst der Regierungsrat das Projekt gut, erfolgt der Landerwerb. Dies kann bis zu einem Jahr dauern. Anschliessend müssen die Arbeiten noch ausgeschrieben werden. Zieht der VCS seine Einsprache bis an das Bundesgericht, kann sich das Projekt nochmals um mehrere Jahre verzögern. Eine Option, die der VCS nicht ausschliesst, wie Geschäftsführer Gassmann sagt.

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