Ob der Bezirk Zurzach künftig weiterhin aus 22 Gemeinden oder bald nur noch aus 13 Orten bestehen wird, diese Frage muss in den kommenden Monaten beantwortet werden. Das Fusionsprojekt «Rheintal+» biegt nach eineinhalb Jahren intensiver Vorarbeit auf die Zielgerade ein. Morgen Donnerstag präsentieren die Ammänner der zehn involvierten Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen der Bevölkerung in der Turnhalle Tiergarten in Bad Zurzach (19.30 Uhr) die Ergebnisse der vertieften Prüfung. Moderiert wird die Veranstaltung von Jean-Claude Kleiner, der als externer Leiter das Projekt betreut hat. Kleiner leitete unter anderem die bisher grösste in der Schweiz je umgesetzte Fusion. 25 Glarner Gemeinden schmolzen 2006 auf drei zusammen.

Im Zentrum stehen morgen allerdings die Verantwortlichen der insgesamt acht Facharbeitsgruppen. Sie werden die Resultate des umfassenden Schlussberichts im Detail erläutern und Red und Antwort stehen. Der Informationsanlass gilt als wichtiger Stimmungstest für die noch folgenden Schritte. Am 23. Mai wird den Stimmbürgern an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung der Fusionsvertrag zeitgleich vorgelegt. Bei einem allfälligen Ja soll die Urnenabstimmung am 8. September stattfinden.

Die Chancen und die Risiken

Entsprechend gespannt ist man aufseiten der Projektleitung. Im Vorfeld sei es erstaunlich ruhig geblieben, sagt Wislikofens Ammann Heiri Rohner, der für die Kommunikation zuständig ist. Es habelediglich Fragen zu einzelnen Punkten gegeben. Rohners Feststellung passt in den bisherigen Verlauf. Seit dem Auftaktevent, vor exakt zwei Jahren im Ebianum in Fisibach, sind kritische Stimmen nur vereinzelt zu hören, was angesichts der Grösse des Projekts erstaunen mag. Wie das zu werten sei, darauf will sich Heri Rohner nicht festlegen. «Das werden wir morgen sehen.» Dass eine Fusion nicht nur Chancen, sondern auch Risiken birgt, haben die Fachgruppen in ihrem Bericht minutiös aufgelistet. Vorteile wie gemeinsame Standortentwicklung oder flexiblere Gestaltung der Siedlungsplanung stehen dem Verlust der Eigenständigkeit oder Verlust des Heimatgefühls gegenüber. «Dazu sollen die Leute die Möglichkeit haben, ihre Fragen und Bedenken zu äussern», so Heiri Rohner. Dass Gemeindefusionen eine emotionale Angelegenheit sind, ist auch ihm bekannt. Wislikofens Nachbargemeinde Siglistorf lehnte 2006 eine Heirat mit Schneisingen ab. Der letzte Versuch im Bezirk zwischen Klingnau und Döttingen scheiterte 2012 am Nein der Döttinger. Verlieren der eigenen Identität und die Finanzen führten damals zur Ablehnung.

Beginn des politischen Prozesses

Jean-Claude Kleiner hat gescheiterte Fusionen ebenfalls schon miterlebt. Zu «Rheintal+» sagt er: «Wir haben die sachorientierte Phase hinter uns. Mit dem Schlussbericht lancieren wir nun den politischen Prozess.» Die Auseinandersetzungen würden jetzt beginnen.

Die Stimmung, die er in den letzten eineinhalb Jahren erlebt habe, bezeichnet er indes als sehr gut. Mehr als hundert Mitglieder der Facharbeitsgruppen und über hundertfünfzig Echogruppenmitglieder hätten sich fundiert mit einer möglichen gemeinsamen Zukunft befasst.

Sollten alle Gemeinden dem Projekt am Ende zustimmen, würde eine neue Gemeinde mit über 8000 Einwohnern und einer Fläche von 34 Quadratkilometern entstehen. Sollte der Souverän einen Zusammenschluss befürworten, könnte die neue Gemeinde voraussichtlich 2021 als jüngstes Mitglied in den Kanton Aargau dazustossen.