Nur wenige Stühle sind in der Rekinger Turnhalle noch unbesetzt, als Baldingens Ammann René Meier das Wort ergreift. Über 300 Personen erschienen an der letzten Infoveranstaltung zum Fusionsprojekt «Rheintal+». Weniger als an frühere Anlässen, doch das dürfte wohl daran liegen, dass die Meinungen bereits gemacht sind. Viele der Anwesenden bekundeten mit dem Pin «zäme schtärcher» ihre Haltung. 

Meier, der im Projekt die Gruppe Finanzen leitet, präsentierte während einer Stunde eine Fülle von Zahlen. Beispielsweise, dass gemäss Projektleitung in der möglichen Grossgemeinde Zurzach die Nettoschuld bis 2025 auf rund 22 Millionen Franken steigen würde, sich der «Schuldenberg danach aber stetig abbaut».

Oder dass die neun noch verbliebenen Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen für den Zusammenschluss rund 12 Millionen Franken vom Kanton erhielten. Für einige der Anwesenden war die Zahlenflut harte Kost, wie Rückmeldungen in der anschliessenden Fragerunde zeigten: «Wer hat all diese Zahlen noch im Kopf?», fragte eine Frau und forderte: «Das gehört zugeschickt!» Dafür erntete sie Applaus.

Andere befürchteten ein Loch in der Kasse mit einem Steuerfuss von 115 Prozent. Martin Süss, Leiter Finanzen der Verwaltung 2000, der sieben Gemeinden aus dem Fusionsgebiet angehören, antwortete: «Die Differenz macht laut Finanzplanung bei Zustimmung aller neun Gemeinden jährlich etwa 200 000 Franken aus.» Dies aber auf Basis der Steuerzahlen 2016 und inklusive Fisibach. Eine andere Teilnehmerin sorgte sich um das Verwaltungspersonal, das bei einer Fusion entlassen werden würde. Meier versicherte, dass der Vertrag unter anderem regelt, dass im Fall von Kündigungen das Personal zwei Jahre lang weiterhin denselben Lohn erhalten würde.

Bad Zurzachs Ammann Reto S. Fuchs erklärte danach das Fleckenkonzept, das im Vorfeld der Veranstaltung für Diskussionen gesorgt hatte. Skeptiker befürchten, das 18 Millionen Franken teure Konzept würde sich belastend auf die Finanzen auswirken. Fuchs stellte klar: «Die Schulden kann Bad Zurzach selber abtragen.» Er rechnete vor, dass ohne Zusammenschluss die neun Gemeinden bis 2028 auf einem Schuldenberg von 54,5 Millionen Franken sitzen würden. In der Megagemeinde Zurzach wären es nur 17,7 Millionen Franken.

«Lieber 115 Prozent Steuern statt 127 Prozent»

In der zweiten Fragerunde kritisierte ein Teilnehmer, die Umwelt bliebe auf der Strecke. «Die Natur kommt nicht vor – ausser, um sie zuzubetonieren.» Ein Melliker sagte: «Tatsache ist, dass wir nicht mehr entscheiden können, was in unserem Dorf passiert.» Selbst wenn nur wenige aus Bad Zurzach an einer künftigen Gmeind erschienen, hätten die heute 146 Melliker Stimmbürger nicht mehr viel zu sagen.

Trotz Vorbehalten überwogen am Ende die Voten für einen Zusammenschluss. Ein Teilnehmer meinte, er ziehe die möglichen 115 Prozent Steuerfuss der Gewissheit vor, in fünf Jahren 127 Prozent zahlen zu müssen. Ein anderer forderte: «Lasst den gesunden Menschenverstand walten und stimmt dem Projekt zu.» Ob sein Aufruf erhöht wird, entscheidet sich am Urnengang am 8. September.