Siggenthal Station

Wie der Sprung von der Barackengarage zum Motorrad-KMU gelang

Die Keller Motos AG baut zum zweiten Mal weiter Ladenfläche aus. Firmengründer Werner Keller will heute mehr bieten als nur eine Werkstatt mit ein paar Motorrädern.

Vor über 40 Jahren hat Werner Keller noch in einer Baracke in Siggenthal Station Motorräder und Zubehör verkauft. Heute ist die Keller Motos AG, die sich gegenüber dem Aarepark befindet, mit über zehn Mitarbeitern ein grosser Player unter den KMU in der Region. Da die Kundenbedürfnisse heute anders als noch in den 70er-Jahren sind, hat der Firmengründer bereits zum zweiten Mal nach 2004 die Ladenfläche ausgebaut.

«Wir haben nun rund 400 Quadratmeter mehr Platz», sagt Keller an der Eröffnung vor rund 50 geladenen Gästen, darunter auch regionale Politiker und der Solothurner Nationalrat Walter Wobmann. Der Neubau wird aber nicht nur von Keller Motos als Ladenfläche gebraucht, sondern auch vermietet. «In der oberen Etage haben wir eine Wohnung, die bereits vergeben ist. Auch vermieten wir Räume an Büros und Gewerbe. In der Tiefgarage kann man zudem grössere Flächen dazu mieten.»

Kunden sind anspruchsvoller

Wer sich im alten Teil der Keller Motos AG umschaut, merkt schnell: Im Showroom und im Verkaufsbereich ist es eng geworden. «Ein Kunde möchte heute einen Töff nicht mehr aus dem Katalog kaufen, sondern diesen auch real vor sich haben und auf das Motorrad sitzen können», sagt Keller.

An den Wochenenden fährt Sohn Raphael Keller (28) im Ausland Rennen. «Keller Motos veranstaltet wie andere Motorradgeschäfte auch Race-Events für Kunden. Wir bieten an diesen Events Fahrkurse auf Rennstrecken an.» Diese Zusatzangebote sind aber kein zweites Geschäftsmodell, sondern decken nur grad die Kosten: «Wir müssen den Kunden heute einfach mehr bieten als nur eine Werkstatt mit ein paar Motorrädern davor.»

Raphael Keller, der auch Juniorchef ist, hat 2016 seine erste Amateursaison im Yamaha-R1-Cup gefahren. Im Moment steht deshalb beim gelernten Töffmechaniker noch der Motosport im Vordergrund: «Ich fahre pro Saison mehr als zehn Rennen.» Da Motorennen in der Schweiz verboten sind, muss er deshalb nach Italien, Spanien oder Tschechien ausweichen. «Nur Motocross-Rennen gibt es in der Schweiz.» Für den Juniorchef ist der Motorradsport aber nur ein Hobby: «Ich habe zwar mit zwölf Jahren bereits mit kleinen Töffs angefangen, doch wer bei einem Moto-GP-Rennen mitfahren möchte, muss schon mit vier oder fünf damit anfangen.»

Rennfieber ist noch zu akut

Das Hobby des 28-Jährigen braucht Platz: Der 40 Tonnen schwere Lastwagen, in dem mehrere Motorräder Platz haben, ist auch Werkstatt und Teamwagen. An den Renn-Wochenenden fährt Werner Keller selber den grossen Truck. Der Seniorchef ist zwar selber nie Rennen gefahren, hat aber ebenso Benzin im Blut: «Ich habe früher auch andere Fahrer und Teams unterstützt.»
Vorerst ist das Rennfieber bei Sohn Raphael noch zu akut, als dass er ans Aufhören denkt. Er arbeitet wenn möglich noch 100 Prozent im Betrieb als Motorradmechaniker. Und: Raphael Keller möchte dieses Jahr noch die Meisterprüfung absolvieren. Es scheint, als Vater und Sohn überall Vollgas geben möchten.

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