Fall Hauenstein

Wie konnte es zur Polizeipanne kommen?

Marco Hauenstein.

Marco Hauenstein.

Bereits 2015 erfuhr die Kantonspolizei Aargau, dass ein in im Landkreis Waldshut (D) gefundener Oberschenkelknochen von der vermissten Gina Hauenstein stammt. Doch wieso erfuhren das die Angehörigen nicht gleich?

Der 19-jährige Marco Hauenstein startete im Januar via Facebook die Suche nach seiner leiblichen Mutter Gina Hauenstein (geb. 1970), die im Februar 2000 an ihrem Wohnort Kleindöttingen als vermisst gemeldet worden war. Er war bei Pflegeeltern aufgewachsen. 

Seite heute Donnerstag weiss die Öffentlichkeit: Gina Hauenstein ist schon seit Jahren tot. Die Kantonspolizei Aargau hat dies mitgeteilt. Offenbar kam es bei der Kantonspolizei zu einer Informationspanne. Sie wusste nämlich schon seit 2015 vom Tod der Vermissten. 

Seine Mutter ist tot

Seine Mutter ist tot

Marco Hauenstein suchte über Facebook verzweifelt seine Mutter. Jetzt die traurige Gewissheit: Sie ist tot. Brisant: Die Aargauer Polizei wusste das schon seit 2015.

Im Jahr 2013 wurde im Landkreis Waldshut (D) in der deutschen Nachbarschaft von Kleindöttingen, ein Oberschenkelknochen gefunden. Die Kantonspolizei Aargau liess beim Institut für Rechtsmedizin in Bern abklären, ob es sich um Gina Hauenstein handelt. Die Rechtsmediziner landeten einen Treffer: Anfang 2015 erhielt die Kantonspolizei die Mitteilung, dass der Knochen von Gina Hauenstein stammt.

"Nicht mehr nachvollziehbar"

Doch diese Information gelangte offenbar nicht zu den zuständigen deutschen Behörden. Wie es dazu kommen konnte, ist unklar. "Wir können das heute nicht mehr nachvollziehen", sagt Roland Pfister, der Medienchef der Kantonspolizei Aargau. Es ist nicht klar, ob die Information bei der Aargauer Kantonspolizei buchstäblich liegen blieb, oder ob etwa ein Brief mit der entsprechenden Information nicht bei der zuständigen deutschen Behörde ankam. 

Medienchef Roland Pfister über die Panne zum Fall Gina Hauenstein

Die Mutter nie kennengelernt, jetzt ist sie tot

Marco suchte über Facebook seine leibliche Mutter. Nun die traurige Gewisstheit: Sie ist tot. Bereits 2013 wurde einer ihrer Knochen gefunden.

Wieso wurden die Angehörigen nicht gleich von der Aargauer Kantonspolizei über die traurige Tatsache informiert? "In dem Fall dürfen wir nicht die Angehörigen und die Öffentlichkeit nicht informieren. Wir mussten den zuständigen deutschen Behörden die Information weitergeben", erklärt Roland Pfister im "Fokus" auf TeleM1. Das, weil die Leitung des Ermittlungsverfahrens zum Knochenfund bei den deutschen Behörden liegt. Genau so verhielt es sich, als die Kantonspolizei nach der Medienberichterstattung um den Vermisstenfall nochmals die Akten konsultierte und dann auf den Bescheid des Instituts für Rechtsmedizin stiess. Die deutschen Behörden kamen schliesslich auf die Aargauer Kollegen mit einem Gesuch zu, damit diese die Angehörigen informieren. 

Pfister räumt unverhohlen ein, dass der Kantonspolizei ein Fehler unterlaufen ist. "Das darf nicht passieren." Die Kantonspolizei hat sich dafür nicht nur bei den Angehörigen entschuldigt, sondern auch öffentlich in ihrer Medienmitteilung. 

Was, wenn sie jetzt zur Tür herein käme? Marco Hauenstein sagt, wie er darauf reagieren würde, und weshalb er seiner Mutter keine Vorwürfe machen würde.

Was, wenn sie jetzt zur Tür herein käme? Marco Hauenstein sagt, wie er darauf reagieren würde, und weshalb er seiner Mutter keine Vorwürfe machen würde.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1