Gesundheitssystem

Wie sich das Regionalspital der neuen Situation stellt

..

Der Standort des Asana-Spitals Leuggern bewirbt sich um einen Platz auf der Spitalliste des Kantons. Ob das Regionalspital den Zugschlag erhält ist noch offen - schliesslich ist die Konkurrenz gross.

Auf den 1. April 2011 hat der Regierungsrat eine neue Verordnung über die Spitalliste in Kraft gesetzt. Bis 13. Mai können sich Kliniken und Spitäler, aber auch alle anderen innerkantonalen Leistungserbringer, welche die Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes erfüllen, für ein von ihnen selbst bestimmtes Leistungsspektrum bewerben.

Die neue Spitalverordnung geht auf die Initiative von FDP, CVP-BDP, SVP und GLP im Grossen Rat zurück und hat zum Ziel, einen bedarfsgerechten Leistungseinkauf des Kantons im Bereich der stationären Grundversorgung sicher zu stellen und den Leistungserbringern gleichzeitig grösstmögliche unternehmerische Freiheit zu gewähren.

Leuggern will wieder auf die Liste

Für Alfred Zimmermann, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Asana Gruppe AG, ist es keine Frage, dass sich die beiden Standorte Leuggern und Menziken für die Spitalliste bewerben. Er begrüsst, dass durch die neue Spitalverordnung die Konkurrenz unter den Leistungserbringern transparenter gemacht und gefördert wird. «Für mich ist entscheidend, dass bei der Erstellung der neuen Spitalliste auch die Kriterien Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Qualität angemessen berücksichtigt werden.»

Der Kanton Aargau ist auf gutem Wege dazu, schreibt er doch in den Grundlagen, mit der Einführung der Fallpauschalen werde das Kostenerstattungssystem durch ein Preissystem ersetzt. Wie hoch die Kosten eines einzelnen Leistungserbringers seien, spiele keine Rolle mehr. Es sei Sache des Leistungserbringers, die Leistungen zu konkurrenzfähigen Kosten zu erbringen. Ineffiziente Anbieter würden in diesem Wettbewerb langfristig ausscheiden.

Spitäler verhandeln mit Kassen

Gefahr auf sich zukommen sieht Zimmermann weniger bei der neuen Spitalverordnung als vielmehr bei der Strategie der Schweizer Krankenkassen, die sich in einem Positionspapier zur Preisgestaltung widersprüchlich geäussert haben. «Auf der einen Seite», bemängelt Zimmermann, «wollen die Krankenkasse eine Abkehr vom System der bisher praktizierten Kostenabgeltung. Auf der anderen Seite wollen sie mit jedem einzelnen Leistungserbringer einen individuellen Basispreis für bestimmte Leistungen aushandeln.»

Bisher haben der Kanton und die Kassen die Tarifverhandlungen separat geführt. Neu würden die Spitäler nur noch mit den Kassen verhandeln, erläutert Zimmermann. Als Folge der neuen Regelung befürchtet der Vorsitzende der Asana Gruppe AG einen administrativen Super-GAU: «Man muss sich das mal vorstellen: Da gehen die Krankenkassen hin und verhandeln mit jedem noch so kleinen Leistungserbringer und legen einen Basispreis fest. Das bedeutet, dass Spitäler und Kliniken künftig nach unzähligen, je nach Kasse verschiedenen Tarifen und nicht mehr wie bisher nach Einheitstarifen abrechnen müssen.»

Es sei wohl nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen, dass der administrative Aufwand ins Unermessliche steige und wohl auch nicht, dass ineffizient arbeitende Häuser mit den Kassen einen höheren Basispreis aushandeln könnten, als effizient arbeitende, vermutet Zimmermann.

«Vieles ist bereits umgesetzt»

Das neue Bewerbungsverfahren hingegen findet beim Direktor des Asana-Spitals Leuggern volle Unterstützung: «Die Strategie des Kantons, dass sich Aargauer Spitäler – soweit zweckmässig und sinnvoll – spezialisieren und sich auf ihre Stärken konzentrieren sollen, wird in Leuggern seit mehr als 10 Jahren umgesetzt. Wir haben beispielsweise eine Urologie, eine Handchirurgie, eine Prothetik und als Paradepferd eine Gynäkologie, die Zahlen erreicht, von denen andere Häuser nur träumen können. Ich bin also zuversichtlich, dass wir auch 2012 auf der Aargauer Spitalliste stehen.» Ein Listenplatz bedeutet, dass das Spital einen staatlichen Leistungsauftrag erhält und damit Anspruch auf Vergütung der Leistungen hat.

Der Befürchtung, dass die Spitäler blutige Entlassungen forcieren, um möglichst schnell einen neuen Fall aufnehmen zu können, tritt Zimmermann mit dem Argument entgegen, dass sich kein Spital derartiges Handeln leisten könne, weil der Ruf des Hauses dadurch sehr schnell ruiniert wäre und als Folge die Patientinnen und Patienten ausbleiben.

Ausnahmeregelung für Leuggern

Spitäler und Kliniken, die auf die normale Spitalliste kommen wollen und sich für das Basispaket bewerben, müssen über eine Notfallstation mit Überwachungsstation und über einen Computertomografen (CT) verfügen. Froh ist Alfred Zimmermann, dass der Kanton dem Regionalspital zugebilligt hat, sich auch als Spital ohne CT für das normale und nicht für das elektive Basispaket bewerben zu können.

Der Spitaldirektor verweist darauf, dass Leuggern eine enge Kooperation mit dem Kantonsspital Baden unterhält, die es ermöglicht, schwerere Fälle direkt ins KSB zu überführen. «Das ist in den Vorabklärungen besprochen und vom Kanton akzeptiert worden», sagt Zimmermann. Die Anschaffung eines Computertomografen würde bedeuten, dass nebst der teuren Anschaffung auch noch drei Radiologen angestellt werden müssten, um den 24-Stunden-Betrieb sicherzustellen. Dies wäre für das Regionalspital Leuggern finanziell nicht tragbar und würde es in den Ruin treiben.

Meistgesehen

Artboard 1