Zum Fasnachtsauftakt am Schmutzigen Donnerstag wurden wieder die «Räbehegel» losgelassen. Zahlreiche Kinder und Junggebliebene waren in der Klingnauer Altstadt dabei, um sich von «Brieggerli» und «Lächerli» spielerisch durch die Gassen treiben zu lassen. Der traditionelle Anlass wurde auch dieses Jahr zu einem grossen Erfolg.

Im Vorfeld der Durchführung verlief allerdings nicht alles ganz so harmonisch. Für Wirbel sorgte Reinhard Scherrer (CVP), neugewählter Gemeindeammann von Klingnau, auf Facebook.

Am Abend vor Fasnachtsbeginn meldete er sich dort in der Gruppe «Klingnau heute und morgen» zu Wort und bezog sich dabei auf das «Städtlifägair», ein Openair-Konzert, das von der «Guggemusig Städtlifäger» organisiert wurde und am Donnerstagabend stattfand.

«Heute Abend wird rege gebaut im oberen Städtli – die Schattengasse wird überstellt – wo bleibt die freie Strasse für den alten Brauch des ‹Räbenhegels›? Wie kann die Treibjagd im oberen Städtli und um den oberen Brunnen stattfinden?», schrieb Scherrer, bevor er rhetorisch fragte: «Muss alles und jedes vom Gemeinderat vorgeschrieben werden, auch zum Schutz alter Traditionen? Ist für andere und ältere Bräuche das Verständnis noch lebendig und die Rücksicht vorhanden?»

Kommentar «nicht nachvollziehbar»

Die Reaktionen in der Facebookgruppe liessen nicht lange auf sich warten. «Völlig respektlos» und «deplatziert» sei der Kommentar gegenüber dem 34-jährigen Guggenverein, der grosse Verdienste im Städtli habe, schrieb eine Userin.

Andere monierten, dass der Gemeindeammann die Gegebenheiten im Dorf nicht kenne und sehr wohl genügend Platz für die «Räbehegel»-Jagd zur Verfügung stehe. Eine weitere Person echauffierte sich, dass Scherrer die Plattform auf Facebook dazu nütze, um zu politisieren. Grundtenor bei den Kommentaren: Ohne die Bemühungen der «Städtlifäger» würde es die Klingnauer Fasnacht gar nicht mehr geben.

Reto Capaul, Präsident der Klingnauer Stadtmusik und Mitglied des Guggenvereins, hält Scherrers Kommentar für «unangebracht» und «nicht nachvollziehbar», wie er auf Anfrage sagt. Die Aussagen seien problematisch, weil die Aufbauarbeiten im Vorhinein mit dem Gemeinderat besprochen und von diesem bewilligt worden seien.

In Klingnaus Gassen kreischen die Kinder: Die «Räbehegel» sind los

Video von den «Räbehegel» in Klingnau:

Die «Räbehegel» verbreiten zum Auftakt der Klingnauer Fasnacht Angst und Schrecken in den Strassen der Altstadt.

«Wir sind in den Gesprächen zu einer Lösung gekommen und alles ist abgesegnet gewesen», betont Capaul. Darüber hinaus würde Scherrers Kommentar nicht der Wahrheit entsprechen: «Der ‹Räbehegel›-Anlass konnte am genau gleichen Ort wie jedes Jahr stattfinden.» Einzig um das aufgestellte Festzelt hätten die maskierten Narren und die Kinder einen Bogen machen müssen. «Am kleinen Umweg haben die Kinder aber ihren Spass gehabt», sagt Capaul.

Mit seiner Unmutsbekundung warf Scherrer auch die Frage auf, ob die Tradition zunehmend moderneren Anlässen weichen müsse. «Auf keinen Fall», findet Capaul, der in Klingnau sowohl für die Organisation des «Räbehegel»-Brauchs als auch für das «Städtlifägair» mitverantwortlich ist.

«Hinzu kommt, dass das Openair auch schon eine gewisse Tradition hat, schliesslich fand es dieses Jahr bereits zum 19. Mal statt», sagt Capaul. Er selbst habe grösstes Interesse daran, auch in Zukunft beide Anlässe nebeneinander stattfinden zu lassen.

Reinhard Scherrer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wie Capaul sagt, habe er noch am Donnerstag das Gespräch mit dem Gemeindeammann gesucht. «Wir haben telefoniert und die Unstimmigkeiten gemeinsam ausgeräumt.» Für ihn sei die Angelegenheit damit abgeschlossen.