Bezirksgericht Zurzach

Wirt vor dem Richter: Arbeiteten Ausländer mit Dumpinglohn und ohne Bewilligung in der Beiz?

Der Beschuldigte beschäftigte zwei Serviceangestellte und einen Hilfs-Koch. (Symbolbild)

Der Beschuldigte beschäftigte zwei Serviceangestellte und einen Hilfs-Koch. (Symbolbild)

Behörden kontrollierten ein Restaurant im Zurzibiet und schafften gleichentags drei Ausländer aus, die ohne Aufenthaltsbewilligung in der Küche zu gang waren. Der Wirt kommt aber mit einem Freispruch davon.

Als Ende Oktober letzten Jahres die Behörden eine Gastwirtschaft im Zurzibiet kontrollierten, stiessen sie auf zwei Ausländerinnen und einen Ausländer ohne Arbeitsvisum. Gemäss eigenen Aussagen wollte die Mazedonierin Mila (alle Namen geändert) in dem Restaurant während rund zweieinhalb Monaten als Küchenhilfe tätig gewesen sein.

Vom versprochenen Lohn von monatlich 1000 Franken habe sie allerdings ebenso wenig gesehen, wie auch die Serbin Ilka, die angab, zwei Wochen in der Küche gearbeitet zu haben. Ihr Landsmann Dastin seinerseits sagte, zwei Monate lang für versprochene monatlich 1000 Franken acht Stunden am Tag als Koch gewirkt zu haben. Das Trio war unverzüglich gebüsst und noch gleichentags in seine Heimatländer ausgeschafft worden.

Der Beizer, der 34-jährige Adnan, wurde der mehrfachen Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung sowie der mehrfachen Förderung der rechtswidrigen Einreise und des ebensolchen Aufenthalts angeklagt. Hierfür sei er, so die Staatsanwältin, zu einer bedingten Geldstrafe von 18'000 Franken sowie 3000 Franken Busse zu verurteilen. Als Kosovare ist Adnan hier geboren und aufgewachsen. Er hat eine Lehre als Logistiker abgeschlossen und 2016 eine Firma in der Baubranche gegründet. Darin beschäftigt er sowohl Festangestellte, wie auch Temporär-Mitarbeiter. «Es ist schwierig – die Konkurrenz ist gross und der Preisdruck hoch.»

4000 Franken Miete ohne Nebenkosten

2018 hatte er sich mit der Übernahme des Restaurants mit mehreren Zimmern im Obergeschoss ein zweites berufliches Standbein geschaffen. «Ich dachte, ich probier’s mal.» 4000 Franken Miete ohne Nebenkosten kostete die Pacht. «Rentiert hat es bisher nicht.» Von Beginn an beschäftigt Adnan zwei Serviceangestellte und einen Hilfs-Koch, der vom Metier allerdings nicht sehr viel verstehen muss. «Wir bieten ja vorwiegend Snacks an sowie Menüs, die wir vorgefertigt beziehen und nur aufwärmen müssen.»

Dastin und Ilka waren unabhängig voneinander mit einem Bus, Mila war mit dem Flugzeug eingereist – alle auf der Suche nach Arbeit, wie sie den Kontrollbehörden übereinstimmend sagten. Wer ihnen die Zimmer bei Adnan als Unterkunft empfohlen hatte, kam vor Gericht nicht zur Sprache. Adnan betonte, die Drei hätten zwar bei ihm übernachtet, aber nie für ihn gearbeitet. Da es in den Zimmern keine entsprechenden Einrichtungen gebe, habe er Dastin erlaubt, ab und zu in der Restaurant-Küche für sich zu kochen. «Ein Hilfskoch und zwei Service-Angestellten reichen vollauf für meinen Betrieb, in dem ich jeden Tag anwesend bin und wo meine Frau jeden Morgen das Restaurant putzt.»

Richter folgt dem Antrag des Anwalts

Adnans Verteidiger betonte, dass sein Mandant von Anfang an bestritten hat, die Drei zum Arbeiten in die Schweiz geholt zu haben. Die zwei festangestellten Service-Mitarbeiterinnen hätten vor der Polizei ausgesagt, Mila und Inka hätten nie im Betrieb gearbeitet und Dastin selten mal in der Küche etwas ausgeholfen.

Richter Cyrill Kramer folgte dem Antrag des Anwalts und sprach Adnan von Schuld und Strafe frei. «Die Anklage basiert ausschliesslich auf den Aussagen von Mila und Inka gegenüber den Kontrollbehörden. Nachdem sie, wie auch Dastin als Hauptzeuge, unverzüglich ausgeschafft worden waren, konnte die Untersuchungsbehörde keine weiteren Einvernahmen und sich somit kein eigenes Bild machen», begründete der Richter.

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