Bad Zurzach
Die Geburtsstunde des modernen Kurorts: «Ohne die Weitsicht der Gründerväter würde das Bad nicht das sein, was es heute ist»

Vor 55 Jahren, im Juli 1966, wurde die Thermalbad Zurzach AG gegründet. Es war der wegweisende Schritt für die Entwicklung der grössten Schweizer Freilufttherme.

Daniel Weissenbrunner
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Das Thermalbad in Bad Zurzach ist heute die grösste Freilufttherme der Schweiz.

Das Thermalbad in Bad Zurzach ist heute die grösste Freilufttherme der Schweiz.

zvg

Alles begann 1914: Die im Volksmund genannte «Sodi» führte in Zurzach Sondierbohrungen durch. Die Schweizerische Sodafabrik war auf der Suche nach Salz. In einer Tiefe von 416 Metern stiess man dabei zufällig auf eine 38 Grad warme Quelle.

Das Wasser war jedoch eher ein Störfaktor. Und mitten im Ersten Weltkrieg hatten die Menschen ohnehin andere Sorgen. Das Bohrloch wurde kurzerhand wieder zubetoniert.

Bad Zurzach Erbohrung Thermalquelle
19 Bilder
Auch die zweite Erbohrung 1955 war ein grosses Ereignis.
Dieses Bild stammt ca. von 1964.

Bad Zurzach Erbohrung Thermalquelle

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Dem Zurzacher Dorfarzt Martin Erb war schliesslich zu verdanken, dass der schlummernde Schatz nicht in Vergessenheit geriet. Er setzte sich Jahrzehnte lang entschlossen für eine neue Bohrung ein. Erb erkannte darin das Potenzial. Er war von der heilenden Wirkung des Wassers überzeugt und begann, Geld zu sammeln. Seine Beharrlichkeit sollte sich auszahlen: Am 5. September 1955 schoss aus 429,6 Metern Tiefe das 40 Grad Celsius warme Quellwasser an die Oberfläche.

Die Freilegung der Quelle wurde zur Geburtsstunde von Zurzach als Badekurort. Die Menschen feierten das Ereignis, wie der Dorfchronik zu entnehmen ist, «in überschäumender Freude und voller Hoffnung für die Zukunft». Das «Aargauer Volksblatt» schrieb: «Die Kirchenglocken läuteten, die Leute konnten es kaum fassen.» Bereits wenige Tage später wurden Badebaracken und Wannen aufgestellt, um das heilsame Wasser der Bevölkerung zugänglich zu machen.

16'000 Aktien auf Anhieb gezeichnet

Damit es nicht bei einem Provisorium blieb, mussten auch die wirtschaftlichen Grundlagen geschaffen werden. Die jetzige Rechtsform erhielt das Unternehmen vor 55 Jahren. Im Juli 1966 wurde die heutige Thermalbad Zurzach AG als Tochtergesellschaft der Thermalquelle AG gegründet, die ihrerseits 1954 ins Leben gerufen worden war.

Dominik Keller, CEO der Thermalbad Zurzach AG.

Dominik Keller, CEO der Thermalbad Zurzach AG.

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«Für die weitere Entwicklung des Bades war dieser Schritt bahnbrechend», sagt Dominik Keller, CEO der Thermalbad Zurzach AG. «Ohne die Weitsicht der Gründerväter würde das Bad nicht das sein, was es heute ist», so Keller. Ihre Vision war, das Bad einer breiten Masse zugänglich zu machen. Der Zuspruch war riesig, was sich in der Zeichnung der Aktien widerspiegelte.

Über 16'000 Inhaberaktien à 500 Franken gingen auf Anhieb in Umlauf. Durch den Zufluss dieser finanziellen Mittel konnte der Ausbau des Bades in Angriff genommen werden. Den Zuschlag für die Gestaltung erhielt das renommierte Zürcher Architekturbüro Stücheli und Partner. «Mit der Architektur setzten sie damals Massstäbe, die bis heute Beachtung findet», sagt Dominik Keller.

Der Spatenstich für das neue Thermalbad erfolgte am 21. August 1967. Gebaut wurden Garderoben für 300 Personen, zwei sechseckige Thermalschwimmbecken im Freien, elf römische Wannenbäder, ein Restaurant mit 200 Plätzen und dazu das Hotel- und Personalhaus mit 80 Betten.

1970 wurde das Baderestaurant und zwei Thermalbecken eröffnet. Mit Erfolg: Durch die «unerwartet hohe Besucherzahl» drängte sich 1977 die Erweiterung mit einem dritten Becken auf. 1987 folgte das vierte Becken, ein Fliessbad mit Strömung und ein Wasserfall. 1998 eröffnetet schliesslich das SPA Medical Wellness Center, mit dem man dem aufkommenden Zeitgeist Rechnung trug.

Weitere Projekte sind in Planung

Heute ist die Anlage mit seiner 2000 Quadratmeter grossen Wasserlandschaft, 14 Saunen und Dampfbädern und dem Wellnessbereich die grösste Freilufttherme der Schweiz ein wichtiger Wirtschaftsmotor für den Bezirkshauptort und die Region. Das Bad beschäftigt aktuell 125 Mitarbeiter.

Heute ist das Thermalbad in Bad Zurzach längst auch ein Wellnessparadies.

Heute ist das Thermalbad in Bad Zurzach längst auch ein Wellnessparadies.

Julian Salinas

Vor Beginn der Coronapandemie verzeichnete das Bad jährlich über 400'000 Eintritten. Rund 1000 Personen haben eine Jahresmitgliedschaft. Ausserdem besitzen 55'000 Gäste ein Abonnement. Dass die Erwartungen der Besucher erfüllt werden, zeigt sich auch in der Bewertung: 2020 wurde das Bad von der Buchungsplattform Travelcircus wie schon im Vorjahr als «Beste Therme der Schweiz» ausgezeichnet.

Auf den Lorbeeren ausruhen will man sich, so Dominik Keller, deswegen nicht. Im Gegenteil: Um den Bedürfnissen der Gäste auch in Zukunft Rechnung zu tragen, sind bereits weitere Projekte in Planung. So soll das Flussbad ausgebaut und die Papa Moll-Landschaft in naher Zukunft erweitert werden.

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