Bad Zurzach
Schlafen wie Diogenes: Seit August können Gäste hinter dem Hotel Zurzacherhof in Fässern übernachten

Auf einer Wiese des Hotels Zurzacherhof laden zwei Fässer zum Übernachten ein. Leiterin Birgit Rogg verrät, was dahinter steckt und weshalb die Fässer derzeit so im Trend liegen.

Rosmarie Mehlin
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Seit dem August bietet Birgit Rogg, Leiterin des Hotels Zurzacherhof, die Übernachtung in Fässern an.

Seit dem August bietet Birgit Rogg, Leiterin des Hotels Zurzacherhof, die Übernachtung in Fässern an.

Bild: Valentin Hehli

Es ist schon eine ganze Weile her, dass der griechische Philosoph Diogenes in einem Fass gelebt hat. In den beiden Fässern, die auf einer Wiese hinter dem Hotel Zurzacherhof stehen, wohnen hingegen keine Philosophen, sondern kleine Familien oder ab und zu auch ein verliebtes Pärchen.

Die Zurzacher Fässer sind rund dreimal länger als ein grosses Weinfass und unvergleichlich viel komfortabler ausgestattet als jenes von Diogenes. «Seit die Fässer hier stehen, werden sie von immer wieder anderen Menschen in unterschiedlicher Zusammensetzung bewohnt», sagt Birgit Rogg vom Zurzacherhof. Sie hat 2019 die Leitung des Hotels übernommen. Mit ihr hat auch Papa Moll Einzug gehalten.

Im Zuge einer frisch abgeschlossenen umfassenden Renovation waren in den Fässern damals unter anderem drei Familienzimmer eingerichtet worden. Sie bestehen aus einem Doppelzimmer mit Bad und Durchgang zu einem ehemaligen Einzelzimmer mit Kajütenbett. «In das Zimmer kann problemlos ein weiteres Bett gestellt werden, sodass auch drei Kinder ihr Reich mit eigenem Bad und Fernseher haben», sagt Rogg. Höhepunkt in diesem Zimmer: die Familie Moll. Sie ist mit Bildern an Wänden und kleinen Präsenten auf der Bettdecke allgegenwärtig. Rogg sagt:

«Die Kinder können zwischen Hund Tschips als kleiner Anhänger aus Plüsch, Moll-Bade-Ball oder Moll-Quartettspiel wählen.»
In den Kinderzimmern ist Comic-Held Papa Moll allgegenwärtig.

In den Kinderzimmern ist Comic-Held Papa Moll allgegenwärtig.

Bild: Valentin Hehli

Fässer sind ein Abenteuer für Gross und Klein

Rogg ist nicht grundlos stolz auf die Familienzimmer:

«Die Fässer sind ein Renner, vor allem auch, seit wegen der Pandemie besonders viele Familien ihre Ferien in der Schweiz verbringen.»

Da die Anzahl Familienzimmer trotz grosser Nachfrage nicht erhöht werden kann, hat Rogg, als sie auf einer Velotour im Schwarzwald Schlaffässer entdeckt hatte, die Idee ihren Vorgesetzten präsentiert und nach einigem Zögern grünes Licht für die Realisierung bekommen.

Dieselbe Idee hatte auch Peter Schläpfer vom Tourismusbüro, der einen spezialisierten Schweizer Hersteller ausfindig machte. «In so einem Fass zu schlafen ist für Erwachsene und vor allem für Kinder ein nicht alltägliches Abenteuer», sagt Rogg und strahlt. «Ausserdem bot sich die Wiese hinter dem Hotel mit alten Bäumen, die seit jeher ungenutzt ist, als idealer Standort an.

Die Fässer stehen auf der grossen Wiese hinter dem Hotel.

Die Fässer stehen auf der grossen Wiese hinter dem Hotel.

Bild: Valentin Hehli

Da die Herstellerfirma «Sorglos Design» im bernischen Roggwil zunächst Lieferschwierigkeiten hatte, fanden die Wohnfässer erst anfangs August ihren Weg nach Zurzach. Beleuchtung und Infrarotheizung sind Standard, die geräumige Schlafkojen im hinteren Teil sind mit guten Matratzen bestückt.

Mit weniger bequemen Schlafmatten müssen die Eltern vorlieb nehmen: Im vorderen Teil wird der Tisch unter die Schlafkoje geschoben, wodurch sich die seitlichen, leicht gepolsterten Sitzbänke in schmale Betten verwandeln. Zusätzlich sind die Fässer mit Minibar und Kaffeemaschine ausgestattet. Ein kleines, leicht erhöht liegendes Holzhaus enthält für jedes Fass eine eigene Toilette und eine gemeinsame Dusche für alle Fass-Gäste.

Wer im Fass schläft, erhält einen Badeeintritt dazu

Die Fässer werden auch als sogenanntes Kuschelzimmer angeboten. «Will ein Pärchen eine romantische Nacht verbringen, dekorieren wir das Bett mit einem Herz und stellen obendrein eine Flasche Wein mit einem im Preis inbegriffenen ‹Zvieriplättli› bereit.»

Betriebsleiterin Rogg freut sich jedoch nicht nur über den durchschlagenden Erfolg der Wohnfässer. Der Sommer und jetzt auch der Herbst laufen im ganzen «Zurzacherhof» ausgezeichnet. Unter den Gästen sind auch auffallend viele Velofahrer. Die Einzel-Zimmer stellt Rogg für preisbewusste Gäste auch als Zweierzimmer zur Verfügung: Im Preis von 90 Franken pro Person ist wahlweise Frühstück oder ein Lunchpaket inbegriffen sowie freier Eintritt ins Thermalbad.

Wer in den Fässern übernachtet, nutzt die Toilette mit Dusche in diesem Holzhaus.

Wer in den Fässern übernachtet, nutzt die Toilette mit Dusche in diesem Holzhaus.

Bild: Valentin Hehli

Diesen gibt es – für zwei Erwachsene und zwei Kinder bis 16 Jahre – auch für die Fass-Gäste. Für sie sind im Preis von 270 Franken Frühstücksbüffet, Bett- und Frottier-Wäsche, Badetasche mit Bademantel und Saunatuch, eine gesunde Überraschung und Zurzi-Mineralwasser im Fass sowie eine Gästekarte mit attraktiven Vergünstigungen inbegriffen.

Apropos attraktiv: «Der 2017 eingeweihte Papa-Moll-Weg ist ein Riesenrenner», sagt Rogg. «Es gab schon Tage, da haben ihn 100 grosse und kleine Personen absolviert.» Rogg weiss das so genau, weil für kluge Kinder am Ende des rund 5 Kilometer langen Wegs im «Zurzacherhof» tolle Preise warten. Am Anfang steht die Suche nach dem verschwundenen Hund Tschips. Um ihn zu finden, müssen 15 Rätsel gelöst werden. Wer sie alle richtig gelöst hat, bekommt ein Papa-Moll-Buch oder Puzzle geschenkt.

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