Bad Zurzach
«Zeichnen war für ihn ein täglicher Genuss»: Vor 10 Jahren starb Cartoonist «Nico» – jetzt wird er für sein Schaffen gewürdigt

Die Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach zeigt Originalwerke des Cartoonisten «Nico». Am Freitag fand die Vernissage im Beisein seiner Familie statt.

Ursula Burgherr
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Sie waren in Bad Zurzach dabei: «Nicos» Frau Katrin Cadsky-Frey mit Sohn Philip Cadsky und dessen Frau Judith Tanner.

Sie waren in Bad Zurzach dabei: «Nicos» Frau Katrin Cadsky-Frey mit Sohn Philip Cadsky und dessen Frau Judith Tanner.

Bild: Sebastiano Bucca

Gott zeigt den Politikern an der Klimakonferenz den Stinkefinger, Christoph Mörgeli mutiert zum Bluthund von Blocher und der ehemalige Palästinenserführer Arafat bietet dem hungernden Volk Kaviar an. Klaus Peter Robert Cadsky, der gemeinhin unter dem Pseudonym «Nico» bekannt war, gab mit spitzer Tuschfeder den Zeitgeist wieder und entlarvte Missstände.

Vor 10 Jahren erlag der weit über die Schweiz hinaus erfolgreiche Zeichner mit 73 Jahren einem Herzinfarkt. Die Galerie Mauritiushof würdigt sein Schaffen mit einer Ausstellung von Originalwerken. Leiter Sebastiano Bucca wählte aus dem Nachlass, den Nicos Sohn Philip Cadsky verwaltet, die Exponate aus.

«Das war gar nicht einfach bei einem Mann, der pro Jahr über 500 Karikaturen zeichnete.»

Nach seiner Tätigkeit als Chefredaktor bei der Satire-Zeitschrift «Nebelspalter» hielt «Nico» auf der Titelseite des «Tages-Anzeiger» 37 Jahre lang das nationale und internationale politische Geschehen fest. Mit teilweise bissigem Humor.

Lust auf Kreativität war auch Überlebensstrategie

Vernissagenredner Roy Oppenheim, der mit ihm befreundet war, erinnert sich: «Täglich um rund 16 Uhr kam das Telefon der Redaktion, welches Thema auf die vorderste Seite kommt. Wo immer er war, fing er an zu skizzieren und war innert Kürze fertig. Er kämpfte nie mit dem leeren weissen Papier. Im Gegenteil: Zeichnen war für ihn ein täglicher Genuss.» An der Ausstellungseröffnung ist die ehemalige TV-Nachrichtensprecherin Katrin Cadsky-Frey zugegen, mit der «Nico» in zweiter Ehe verheiratet war.

Die Lust auf Kreativität erweist sich für den Karikaturisten aber auch Überlebensstrategie in persönlich schwierigen Zeiten. 1937 in Hannover geboren, erlebte er als Kind die schwerste Bombennacht im Zweiten Weltkrieg, der 1200 Menschen zum Opfer fallen. «Daher seine lebenslange Ablehnung allem Kriegerischen gegenüber», so Oppenheim. Die Cartoons des pazifistischen Zeichners waren nicht immer leicht verdaubar. Damit setzte er sich auch Anfeindungen aus. Es mag wohl auch politischer Natur sein, dass er den «Tages-Anzeiger» verlassen musste, obwohl ihm die Geschäftsleitung eine lebenslange Anstellung versprochen hatte.

Ein Schlag für ihn, an dem er sein restliches Leben nagte; obwohl er später beim «Blick» und der Mittelland/Aargauer Zeitung neue Anstellungen fand.
Die «Prominentengalerie» im Mauritiushof zeigt, das «Nico» ein begnadeter Porträtist war. Ob Amy Winehouse, Queen Elizabeth oder Michael Jackson; er vermochte mit wenigen Strichen die speziellen Charakterzüge einer Persönlichkeit herauszuholen. Besucherinnen und Besucher lernen in der Bad Zurzacher Galerie aber auch unbekannte Seiten von «Nico» kennen. Zum Beispiel anhand von Aquarellmalereien seiner Lieblingsdestinationen Venedig und Südfrankreich.

Wirkungsstätte in Bad Zurzach originalgetreu nachgestellt

In Cannes und Nizza wohnte er in seiner zweiten Lebenshälfte in alten, leer stehenden Hotels. Ateliers hatte er zudem in Solothurn, Olten und Zürich. Er sei ruhe- und rastlos gewesen, erinnert sich Oppenheim; und immer auf der Suche nach neuen Inspirationen. Eine seiner Wirkungsstätten wird im Mauritiushof 1:1 nachgestellt. Die Auslage an Pinseln, Aquarellfarben, Bleistiften und anderen Habseligkeiten mutet leicht chaotisch an. So, als ob «Nico» sein Atelier gerade eben verlassen hätte.

Gedenkausstellung «Nico» Cadsky in der Galerie Mauritiushof, Hauptstrasse 41 in Bad Zurzach. Bis zum 26. September 2021. Öffnungszeiten: Mi bis Sa, 14 bis 17 Uhr, So 11 bis 17 Uhr.

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