Bahnlinie
Neuer Schub für Rheintalstrecke: Der Kanton überprüft die Kosten für den Personenzug von Bad Zurzach nach Basel

Noch im Frühling lehnte das Kantonsparlament ein Postulat für die Wiedereinführung der Rheintallinie von Winterthur via Bad Zurzach nach Basel ab. Dennoch hat das zuständige Departement nun ein Fachbüro damit beauftragt, deren Machbarkeit zu überprüfen.

Stefanie Garcia Lainez
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Die Bahnlinie zwischen Laufenburg und Koblenz, die heute nur von Güter- und Servicezügen befahren wird, soll wieder für den Personenverkehr geöffnet werden.

Die Bahnlinie zwischen Laufenburg und Koblenz, die heute nur von Güter- und Servicezügen befahren wird, soll wieder für den Personenverkehr geöffnet werden.

Alex Spichale

Seit über 25 Jahren transportieren die Züge auf der Rheintalstrecke zwischen Koblenz und Laufenburg nur noch Güter, aber keine Passagiere mehr. Mehrere Zurzibieter Politiker sind seit Jahren auf kantonaler und nationaler Ebene aktiv, um die Rheintallinie von Winterthur via Bad Zurzach nach Basel wieder für den Personenverkehr zu öffnen.

Denkbar knapp – mit 67:64 – lehnte der Grosse Rat ein entsprechendes Postulat des Zurzibieter Grossrats Andreas Meier (Die Mitte) im Frühling ab. Trotzdem lässt nun das zuständige kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt die Machbarkeit des Anliegens und die anfallenden Investitionskosten durch ein Fachbüro berechnen, wie es in einer Mitteilung von Pro Wiba (Winterthur-Basel) heisst.

Die Arbeitsgemeinschaft setzt sich mit den Planungsverbänden Zurzibiet Regio und Fricktal Regio für die Wiedereinführung der direkten Personen-Bahnverbindung ein.

Das ist Pro Wiba

Über 50 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft gehören der Bad Zurzacher Arbeitsgemeinschaft Pro Wiba (Winterthur-Basel) an. Gründer und Präsident ist der frühere Winterthurer Stadtrat Pierre-François Bocion. Dem Vorstand gehören zudem  Ständerat Hansjörg Knecht, Nationalrätin Marianne Binder, Grossrat Andreas Meier, Felix Binder (Präsident Zurzibiet Regio), Meinrad Schraner (Vizeammann Laufenburg und Vorstandsmitglied Fricktal Regio), der Klingnauer Stadtammann Reinhard Scherrer und Aktuar Beat Edelmann an. 

Die Bahnstrecke könnte die Hauptachsen entlasten

«Diese ‹schlummernde› Strecke könnte zur Entlastung der Hauptverkehrsachse über den Hauptbahnhof Zürich in Zukunft die Ostschweiz mit dem Raum Basel direkt verbinden», so die Begründung der in Bad Zurzach ansässigen Pro Wiba. Der Zürcher Nationalrat Thomas Hardegger (SP) habe die Idee schon vor Jahren aufgebracht, und auch der Zurzibieter SVP-Ständerat Hansjörg Knecht und die Badener Nationalrätin Marianne Binder (Die Mitte) weibeln schon länger auf nationaler Ebene für die Interregioverbindung.

Doch sowohl ihre Bemühungen als auch jene von Andreas Meier auf kantonaler Ebene blieben bisher erfolglos. Und dies, obwohl eine von Bundesrätin Simonetta Sommaruga ausgezeichnete Studie von zwei Bachelorstudenten der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften die Wiederaufnahme des Personenverkehrs auf dieser Strecke als «tangentiale Bahnverbindung zur Hauptverkehrsachse» empfehle, schreibt die Pro Wiba.

Bahnlinie könnte künftig auch als Pilotstrecke dienen

Dass nun dennoch ein renommiertes und von den SBB anerkanntes Ingenieurbüro die Investitionskosten des Projekts im Auftrag des Kantons ermittelt, freut Andreas Meier:

«Der Kanton würdigt damit den knappen Ausgang der Abstimmung und macht sich nun an die vertiefte Planung.»

Der Klingnauer glaubt, dass die Strecke im Zusammenhang mit der Modernisierung des Personenverkehrs dereinst auch als Pilotstrecke der SBB dienen könnte, beispielsweise für neues Rollmaterial oder Züge ohne Lokführer.

Bis im Frühling soll der Abschlussbericht vorliegen

Die nächsten Sitzungen stehen bereits an. Ab November informiert der Kanton die Vertreterinnen und Vertreter von Pro Wiba monatlich über die Resultate der Abklärungen des Ingenieurbüros. «Der Abschlussbericht darf im Frühling 2022 erwartet werden», heisst es in der Mitteilung der Arbeitsgemeinschaft weiter.

Die Vertreter des Kantons und Pro Wiba seien sich einig gewesen, dass es sich um ein Projekt mit langen Planungsphasen handle. Und dass abgeklärt werden müsse, ob die Rheintallinie ein Projekt des Fernverkehrs sei, das durch die SBB eigenwirtschaftlich betrieben wird, oder des Regionalverkehrs mit Kostenbeteiligung der Kantone. «Die Arbeitsgemeinschaft Pro Wiba verspricht sich von dieser Direktverbindung einen vertieften Austausch zwischen den Kulturstädten Winterthur und Basel und einen wirtschaftlichen Aufschwung der an der Töss und am Rhein gelegenen, etwas ausserhalb des ‹Speckgürtels> situierten Regionen.»

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