Bezirksgericht Zurzach
Knallpetarden im Keller gelagert: Militärlaufbahn endet für Hauptmann vor Gericht

Eine tadellose militärische Laufbahn endet für einen Ex-Kompaniekommandanten mit einem Strafregistereintrag.

Rosmarie Mehlin
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Rückgabe verpasst: Ein Kompaniekommandanten verstiess gegen Dienstvorschriften und die Widerhandlung der Sprengstoffgesetzgebung. Er musst deshalb vor dem Bezirksgericht in Bad Zurzach antraben.

Rückgabe verpasst: Ein Kompaniekommandanten verstiess gegen Dienstvorschriften und die Widerhandlung der Sprengstoffgesetzgebung. Er musst deshalb vor dem Bezirksgericht in Bad Zurzach antraben.

Sandra Ardizzone

Dass Thomas (Name geändert) sich vergangenes Jahr als Hauptmann von der Schweizer Armee verabschiedete, hatte nichts damit zu tun, dass er sich in Zurzach vor Gericht verantworten musste. «Ich hatte zwar den Vorschlag zum Weitermachen, habe aber aus familiären Gründen aufgehört», erklärte der dreifache Familienvater gegenüber Einzelrichter Cyrill Kramer. Beschuldigt indes war der 37-Jährige eines «nicht leichten Falles des Nichtbefolgens von Dienstvorschriften und der Widerhandlung gegen die Sprengstoffgesetzgebung» – beides begangen als Kompaniekommandant.

Im Januar 2017 hatte Thomas am Ende eines dreiwöchigen Ausbildungsdienstes (früher WK – Wiederholungskurs) neun Knallpetarden mit blauem beziehungsweise gelbem Rauch mit nach Hause genommen. «Beim vorgeschriebenen Zurückschieben des Materials war es hektisch zugegangen. Als ich am letzten Tag – 140 Nasen standen bereit zum Abtreten – bemerkte, dass die Knallpetarden vergessen worden waren, hab ich entschieden, sie nach Hause mitzunehmen und zum nächsten AFD wieder mitzunehmen.»

Er hatte sie im Keller in einem Schrank in einem abgeschlossenen Zimmer – «den Schlüssel habe ich immer bei mir» – aufbewahrt und prompt vergessen. Bis sie im September von der Polizei bei einer Hausdurchsuchung, die in keinerlei Zusammenhang mit Thomas stand, entdeckt worden waren.

Material weder verschleudert, noch Schaden angerichtet

Im Mai 2019 hatte der Oberauditor den Fall der zivilen Gerichtsbarkeit übertragen. Die Kantonale Staatsanwaltschaft verurteilte Thomas im März letzten Jahrs per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 9000 Franken. Obwohl er von Anfang an geständig war, erhob Thomas Einsprache. Vor Gericht äusserte er sich weshalb:

«Ein Strafregister-Eintrag könnte beruflich bei einem allfälligen Stellenwechsel für mich schwerwiegende Konsequenzen haben.»

Der Verteidiger hielt fest, bereits im Untersuchungsverfahren moniert zu haben, dass das zivile Sprengstoffgesetz hier nicht zur Anwendung kommen könne, weil: «Militärpersonen ihm nur unterstehen, wenn sie Munition an zivile Stellen oder Privatpersonen aushändigen.» Er räumte zwar ein, dass sein Mandant gegen den Munitionsbefehl, der nicht nur für scharfe, sondern auch für Markierungsmunition gelte, verstossen habe, jedoch sei dies als leichter Fall zu qualifizieren, der lediglich mit disziplinären Massnahmen sanktioniert werden könne und nach 12 Monaten verjährt.

«Mein Mandant hat einmal in seiner tadellosen militärischen Karriere einen Fehler gemacht.» Er habe unbedacht gehandelt und mit der ehrlichen Absicht, die Petarden beim nächsten Einrücken zurückzubringen. Thomas habe einen tadellosen Leumund und seine Dienstpflicht mehr als erfüllt.

«Er hat auch ein Abzeichen für Kameradenhilfe sowie ein Schiessabzeichen erworben. Privat engagiert er sich stark bei der Feuerwehr und in einem Sportverein.»

Thomas habe weder militärisches Material verschleudert, noch materiellen Schaden angerichtet und es sei auch keine Gefährdung von Menschen im Spiel gewesen, so der Verteidiger, der Freisprüche von beiden Vorwürfen forderte.

Gelegenheit verpasst, Petarden zurückzubringen

Der Richter sprach Thomas des Nichtbefolgens von Dienstvorschriften und Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz schuldig. In seiner militärischen Laufbahn sei er über Jahre hinweg auf den Munitionsbefehl aufmerksam gemacht worden und als Kompaniekommandant habe er eine Vorbildfunktion gehabt.

«Sie hätten sehr wohl Gelegenheit gehabt, die Petarden auch ausserhalb eines WK zurückzuschieben. Objektiv haben diese durchaus Gefahrenpotenzial, enthalten sie doch Ammoniumchlorid», begründete Cyrill Kramer den Entscheid.

Angesichts der langen Dauer des Verfahrens und der erhöhten Strafempfindlichkeit von Thomas halbierte der Richter die Geldstrafe auf 4500 Franken, bedingt auf zwei Jahre.

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