Bezirksgericht Zurzach
Rote Köpfe am Grenzübergang: Taxifahrer nennt Dränglerin «dumme Kuh» – sie zeigt ihm den Mittelfinger

Ein Vorfall am Grenzübergang Koblenz endet für einen Autofahrer und eine Autofahrerin vor dem Bezirksgericht Zurzach. Sie soll hinter ihm gedrängelt, er sie als «Psychopathin» und «dumme Kuh» beschimpft haben.

Louis Probst
Drucken
Teilen
Am Grenzübergang in Koblenz kam es zum folgenschweren Aufeinandertreffen.

Am Grenzübergang in Koblenz kam es zum folgenschweren Aufeinandertreffen.

Alex Spichale

Die Situation dürfte leider nicht aussergewöhnlich sein: Am Steuer hat man – auch Frau – hin und wieder das unangenehme Gefühl, dass einem der «Hintermann» förmlich am Heck des Autos klebt. Dieses Gefühl hatte auch der Mittfünfziger, der vor gut einem Jahr auf der Bundesstrasse B 34 von Tiengen Richtung Schweiz unterwegs war. Am Grenzübergang Koblenz hielt er auf dem Gelände des Schweizer Zolls an und stoppte den Wagen, der hinter ihm gefahren war.

Dabei soll er, so die Staatsanwaltschaft, versucht haben, die Beifahrertüre zu öffnen. Nachdem ihm das nicht gelungen sei, habe er die Fahrertüre geöffnet und die Fahrerin aufgefordert, auszusteigen, um die Sache zu klären. Ihr gelang es jedoch, die Türe zu schliessen und wegzufahren. Sie erstattete Anzeige und machte geltend, dass der Mann ihr gedroht habe, sie umzubringen. Zudem habe er sie als «Psychopathin» und «dumme Kuh» betitelt.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Drohung und Beschimpfung. Sie forderte eine bedingte Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 60 Franken sowie eine Busse von 900 Franken. Vor dem Bezirksgericht Zurzach trafen sich Klägerin und Beklagter wieder.

«Ich war in Panik. Ich wollte nur noch weg»

«Ich hatte die Vorladung erwartet», sagte die Klägerin gegenüber Bezirksgerichtspräsident Cyrill Kramer. «Ich war ängstlich, weil ich wusste, dass ich dem Mann nochmals begegnen würde.» Zum Vorfall auf dem Zollplatz, der von der Überwachungskamera festgehalten wurde – «schade, dass es dabei keinen Ton gibt», so die Klägerin – erklärte sie: «Ich war in Panik. Ich wollte nur noch weg. Er hat mich beschimpft und gedroht, mich umzubringen. Als er mein Auto fotografiert hat, habe ich ihm den Mittelfinger gezeigt.»

Zur Erklärung des Beschuldigten, dass er sich durch das nahe Aufschliessen bedrängt gefühlt habe, meinte sie: «Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich war schon nahe. Aber da war eine Kolonne.»

Auf der Strasse sei er ein Gentleman

Der Beschuldigte arbeitet seit Jahren als Taxifahrer. «So etwas ist mir noch nie passiert», sagt er. «Die Frau ist sehr aggressiv und unprofessionell gefahren. Ich habe den Sinn dieser Fahrweise nicht verstanden. Ich fahre defensiv. Ich bin ein Gentleman auf der Strasse.» Mit dem demonstrativen Aufklappen eines Doppelmeters versuchte er, den ungenügenden Abstand aufzuzeigen. Die Sache habe beim Bürgerwaldtunnel bei Tiengen begonnen, erklärte er.

Er habe der Klägerin Zeichen gegeben, um zu erfahren, ob etwas nicht in Ordnung sei. «Ich habe sie dann angehalten und gefragt: Haben Sie ein Problem? Sie hat Angst vor mir bekommen. Weshalb, weiss ich nicht.»

Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, weshalb der Beschuldigte den Wagen der Klägerin angehalten habe, erklärte dieser: «Ich wollte, dass sie in Anwesenheit eines Beamten sagt, weshalb sie sich so verhalten hat. Es ist gelogen, dass ich auf ihr Auto eingeschlagen habe. Ich habe auch niemals gedroht, sie umzubringen. Das ist eine Lüge. Ich wollte die Sache klären. Die Frau hat mein Leben gefährdet. Ich bin mit 100 gefahren, um sie abzuhängen. ‹Blöde Kuh› ist mir im Eifer des Gefechts herausgerutscht. Ich fühle mich schuldig, sie beschimpft und ihr Auto angefasst zu haben. Der Vorwurf, dass ich ihr gedroht hätte, sie umzubringen, passt aber nicht. Als sie wegfuhr, war die Angelegenheit für mich erledigt. Und jetzt soll ich für eine Lüge büssen?»

Was tatsächlich vorgefallen ist, bleibt offen

Das Gericht sprach den Beschuldigten vom Vorwurf der Drohung frei. Wie Gerichtspräsident Kramer erklärte, würde Aussage gegen Aussage stehen. Letztlich bleibe offen, was tatsächlich vorgefallen sei. Bei der Verbalinjurie «blöde Kuh» kam das Gericht zwar zu einem Schuldspruch wegen Beschimpfung.

Es verzichtete deshalb auf eine Bestrafung, weil die Beschimpfung unmittelbar durch den Stinkefinger erwidert worden war. Ganz ungeschoren kam der Beschuldigte jedoch nicht davon. Er muss einen Viertel der Kosten tragen.

Aktuelle Nachrichten