Böttstein/Klingnau
«Best Architects Awards»: Für dieses Kulturhaus erhält ein Aargauer Architekturbüro die renommierte Auszeichnung

Das Klingnauer Architekturbüro Haefeli ist mit dem internationalen «Best Architects Awards» geehrt worden: Das Kulturhaus Rain als Ersatzbau der Turnhalle in Böttstein hat die Jury mit namhaften Architekten überzeugt.

Susanne Holthuizen
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Das Kulturhaus Rain in Böttstein mit Zollingerdach: Für diesen Ersatzbau erhielt das Klingnauer Architekturbüro Haefeli einen Award.

Das Kulturhaus Rain in Böttstein mit Zollingerdach: Für diesen Ersatzbau erhielt das Klingnauer Architekturbüro Haefeli einen Award.

zvg/Andreas Buschmann

Vor fast zwei Jahren weihte Böttstein das schmucke Kulturhaus Rain im Ortsteil Kleindöttingen ein. 3,4 Millionen Franken investierte die Gemeinde in den Ersatz der alten Turnhalle. Nun hat das dafür zuständige Architekturbüro Haefeli aus Klingnau den «Best Architects Awards» erhalten, einer der renommiertesten Architekturauszeichnungen Europas.

Seit 2006 vergibt eine unabhängige, internationale Jury aus namhaften Architekten das Label im deutschsprachigen Raum. 2015 wurde der Award für Teilnehmende aus dem gesamten europäischen Raum geöffnet.

«Da fühlt man sich doch sehr geschmeichelt als Aargauer»: Architekt Raphael Haefeli im Gespräch.

Susanne Holthuizen

Schon sechs Jahre vor der Einweihung ging es los mit ersten Besprechungen unter dem etwas umtriebigen Titel «Reaktivierung alte Turnhalle». Auf dem Fundament des ehemaligen Saals der 1950er-Jahre sollte ein Raum für Kulturveranstaltungen und Gemeindeanlässe geschaffen werden, in dem auch sanfte sportliche Nutzungen möglich sind.

Wahl fiel auf Klingnauer Architekten - das Zollingerdach gab den Ausschlag

Die Eingabe des Architekturbüros Haefeli überzeugte den Gemeinderat auf Anhieb. Das sogenannte Zollingerdach gab letztendlich den Ausschlag für die Umsetzung – denn die Vorgabe war, den Neubau leichter zu konstruieren als die ehemals massiv gebaute Turnhalle.

Architekt Raphael Haefeli.

Architekt Raphael Haefeli.

Matthias Moser

Das Wappen von Böttstein, «von Gelb mit schrägem rotem Gitterwerk», bildet die Grundidee des Entwurfs der Architekten. Daraus resultierte die rautenförmige Dachkonstruktion als identitätsstiftendes Symbol. «Das Zollingerdach ist ein Stabnetzwerk aus Holz, das wir wegen seiner geringen Traglast auf dem bestehenden Fundament der alten Turnhalle gewählt haben», führt Raphael Haefeli vom preisgekrönten Büro aus.

Raphael Haefeli erhält Anfragen von Spezialisten aus In- und Ausland

Die Innenansicht des Walmdachs ist denn auch eine Augenweide für jede Architekturseele. Durch die Biegung der Dachflächen wird erreicht, dass der Dachfirst keine separaten Innenstützen benötigt. Die Innenwände sind direkt an der Dachkonstruktion aufgehängt und ermöglichen eine offene Raumgestaltung:

Andreas Buschmann

Die 450 Quadratmeter grosse Fläche bietet Platz für rund 300 Personen. Bei der Innenauskleidung wurde fast vollständig auf den Baustoff Holz gesetzt, was eine enorme Herausforderung für die Holzbauingenieure und Schreiner darstellte.

Das Resultat ist eine Meisterleistung – kein Wunder erhält Raphael Haefeli inzwischen viele Anfragen interessierter Fachspezialisten aus dem In-und Ausland. Auch bei der Fassadenverkleidung wurde nebst dem charakteristischen Rundtonnendach aus Kupfer ausschliesslich auf den nachwachsenden Rohstoff gesetzt – insgesamt wurden 140 Kubikmeter Holz für die ganze Halle verbaut.

Die drei beidseitig angelegten, bodentiefen quadratischen Fenster fluten den Raum mit viel Licht:

Andreas Buschmann

Dazwischen sind Akkustikpaneele aus Weisstanne eingelassen, zusammen mit dem Parkettboden aus Eiche wird der Kultursaal so zu einem warmen Klangkörper. «Die anspruchsvolle Montagearbeit erforderte höchste Präzision», sagt der ETH Architekt, der seit 2016 eine Gast-Professur für Architektur und Entwurf an der Hochschule Biberach in Deutschland innehat.

Dort hat sich Raphael Haefeli eingehend mit der Architekturgeschichte sowie speziell dem Bausystem des Zollingerdachs auseinandergesetzt. Der aus dem deutschen Merseburg stammende ehemalige Stadtbaurat, Friederich Zollinger, entwickelte nach dem Ersten Weltkrieg diese Bauweise, um dem Wohnungsnotstand beizukommen.

Nachfrage nach Kulturraum ist enorm

Das Bauwerk bietet mit seiner hochdämmenden Gebäudehülle den stattfindenden Veranstaltungen einen nachhaltigen Raum mit geringem Energieverbrauch. «Der Ort soll möglichst vielen Anlässen offenstehen», sagt Gemeindeammann Patrick Gosteli und fügt hinzu:

«Einige Termine werden aber exklusiv für die Böttstemer Bevölkerung reserviert bleiben, denn die Nachfrage für den Kulturraum ist bereits schon jetzt enorm.»

Dem Eröffnungsjahr 2019 des Kulturhauses lässt Raphael Haefeli, der Mann mit dem feinen Gespür, eine besondere Note zukommen: «Passend zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum wollte ich dem Leitmotiv folgend Kunst und Handwerk im Kulturhaus vereinen.»

Das Kulturhaus Rain von aussen.

Das Kulturhaus Rain von aussen.

Susanne Holthuizen.

Das ihm das gelungen ist, bestätigt nicht zuletzt die prestigeträchtige Auszeichnung, die das Klingnauer Büro Haefeli nun an die Spitze der internationalen Architekturszene hievt. Die Gemeinde Böttstein hat sich mit seinem Kulturhaus ein Bijou geleistet, das schon jetzt weit über das Zurzibiet hinaus strahlt.

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