Bad Zurzach
Bohrung vor 100 Jahren: Zurzach kam nur dank Zufällen zum Thermalbad

Heute vor 100 Jahren wurde in Zurzach die Thermalquelle erbohrt. Doch die Schweizerischen Rheinsalinen hatten eigentlich auf Kalisalz gehofft. Erst 41 Jahre später war das Heilwasser wiedererschlossen. Damit war der Grundstein für den Kurort gelegt.

Angelo Zambelli
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Bad Zurzach Erbohrung Thermalquelle
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Auch die zweite Erbohrung 1955 war ein grosses Ereignis.
Dieses Bild stammt ca. von 1964.

Bad Zurzach Erbohrung Thermalquelle

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Dass Bad Zurzach heute ein weitherum bekannter Kurort ist, ist mehreren glücklichen Umständen zuzuschreiben. Eigentlich müsse man mit Kornelius Vögeli, dem Gemeindeammann von Leuggern beginnen, schreibt der im März 2002 verstorbene Walter Edelmann in seinem Buch «Bad Zurzach – Kurort im Kulturort».

Vögeli bohrte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf eigene Initiative an verschiedenen Stellen im Bezirk und hoffte, Steinkohle zu finden. Am 12. August 1892 entdeckte er bei Koblenz Steinsalz.

Thermalbad heute: Fokus Umwelt

Die Temperatur des Thermalquellwassers beträgt heute 39,9°C. Es handelt sich um eine Natrium-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Chlorid-Therme. Um eine gute Wasserqualität zu gewährleisten, wird jeden Tag ein Becken vollständig geleert, gereinigt und wieder mit frischem Thermalwasser aufgefüllt. Drei Mal täglich werden von allen Becken interne Wasserproben genommen, ein unabhängiges Unternehmen prüft das Wasser ebenfalls regelmässig. Das Thermalbad setzt zudem auf Nachhaltigkeit: 2008 wurde eine Wärmerückgewinnungsanlage installiert, um mit dem abgebadeten Wasser Energie zu gewinnen. Durch die Abdeckung der Becken 1 und 3 über Nacht wird bis zu 30 Prozent Heizenergie gespart. Insgesamt konnte der CO2-Ausstoss in den letzten zehn Jahren halbiert werden. Drei der vier Thermalwasserbecken werden zudem nicht mit Chlor, sondern nur mit Ozon gereinigt, was die Hautverträglichkeit erhöht. (NRO)

Auf verwinkelten Wegen führte die Geschichte zu den Vereinigten Schweizerischen Rheinsalinen, die Ende 1913/Anfang 1914 in der «Schulmatten» in Zurzach ein Sondierloch bis zu einer Tiefe von 364 Metern abteuften. «Nun ereignete sich ein weiterer Zufall», schreibt Edelmann in seinem Buch.

«In einem Teil der Aargauer Presse wurde grundlos behauptet, man habe bei der Bohrung in Zurzach Spuren von Kali gefunden. Das las der aargauische Finanzdirektor, Fürsprecher Max Schmidt. In der Hoffnung auf Bodenschätze liess er von der Regierung und vom Grossen Rat einen Kredit bewilligen, um das Sondierloch der Rheinsalinen etwa 70 Meter weiter abteufen zu können.»

Dr. Walter Edelmann erinnert sich, wie die Thermalquelle in Zurzach zu sprudeln begann:

Kein dritter Zufall

Dann kam die eigentliche Geburtsstunde der Zurzacher Thermalquellen. Am 19. Juni 1914 drang der Bohrer in eine Schicht auf 416,24 Metern vor. Völlig unerwartet sprudelte 38,3 Grad warmes Wasser mit grosser Gewalt aus dem Boden.

Sofort veranlasste Untersuchungen zeigten, dass es sich um vorzügliches Thermalwasser handelte. Die Quelle sprudelte im Sommer 1914 nur wenige Tage. Immerhin blieb der Bevölkerung genügend Zeit, im warmen Thermalwasser zu baden.

«Der dritte glückliche Zufall ereignete sich leider nicht», schreibt Walter Edelmann in seinem Buch. Die Gemeinde Zurzach hätte das Bohrloch behalten können, wenn sie es geschafft hätte, im Oberfeld ein Bohrloch breit zu stellen, das es den Rheinsalinen ermöglicht hätte, Salz zu fördern.

Entsprechend einer mit den Rheinsalinen geschlossenen Vereinbarung – aber auch wegen fehlender finanzieller Mittel und wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs – musste das Bohrloch wieder geschlossen werden.

Zweiter Anlauf 1955

In den Jahren und Jahrzehnten nach der ersten, zufälligen Erbohrung wurden mehrere Anläufe zur Wiedererschliessung und Nutzung des Zurzacher Thermalwassers unternommen. Besonders hervor taten sich Dr. Martin Erb, der in Zurzach eine Arztpraxis betrieb, sowie Paul Weber und Walter Edelmann. Ihnen ist es zu verdanken, dass im September 1955 das Heilwasser wieder sprudeln konnte.

Anderthalb Jahre zuvor hatte der Gemeinderat der Gemeindeversammlung beantragt, einer Gesellschaft zur Wiedererbohrung der Therme die Konzession unentgeltlich abzutreten; mit der Auflage, die Bohrung müsse innerhalb der nächsten zwei Jahre durchgeführt werden.

Nach der Zustimmung der Versammlung blieb die Frage nach den Kosten und wer diese tragen würde. In einem über die Jahre hinweg geäufneten Thermalquellenfonds lagen rund 41 000 Franken. Offerten zufolge war mit Kosten von 130 000 Franken zu rechnen. Zwischen Mai und Juli 1954 gelang es, acht Aktionäre zusammenzuführen, die bereit waren, die fehlenden 90 000 Franken zu zeichnen.

Alle Glocken haben geläutet

Nach den Sommerferien war es endlich so weit: Die Verhandlungen mit den Bohrfirmen standen vor dem Abschluss, die Übertragung der Konzession war zugesichert und der Bohrpunkt – zirka 20 Meter vom Bohrloch von 1914 entfernt – bestimmt.

Am Montag, 5. September 1955, 20.20 Uhr, schnitten die Bohrer in 429,6 Meter Tiefe eine Granitspalte an, aus der das 39 Grad warme Wasser strömte. «Noch in der gleichen Stunde läuteten alle Glocken der beiden Pfarrkirchen», berichtet Walter Edelmann. Damit begann auch der Wandel des ehemaligen Marktfleckens zum Thermalkurort.

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