Klingnau
Boxentrainings im Jugendtreff – als Gewalt-Prävention

Jugendarbeiter Dominic Gross bietet im Jugendtreff Alfa in Klingnau neu gratis Boxtrainings an. Das sei eine Form von Gewaltprävention, sagt er. «Es wird wahre Stärke vermittelt, die man nicht gegen aussen zeigen muss.»

Samuel Buchmann
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Jugendarbeiter Dominic Gross bietet gratis Boxtrainings an

Jugendarbeiter Dominic Gross bietet gratis Boxtrainings an

ZVG

Boxen gegen Gewalt – ein Widerspruch in sich, möchte man im ersten Augenblick meinen. «Nein», findet Jugendarbeiter Dominic Gross. Er leitet unter anderem den Jugendtreff Alfa in Klingnau, wo er seit Mittwoch ein wöchentliches Boxtraining für Jugendliche veranstaltet – unter dem Motto «Boxing against Violence».

«Klar: Für Aussenstehende klingt Boxen erst einmal nach Gewalt», sagt Gross. «Doch der Effekt des Sports ist das genaue Gegenteil. Es ist eine Form der Gewaltprävention.» Die Trainings würden die Jugendlichen Auspowern und ihnen Disziplin lehren. «Es wird wahre Stärke vermittelt, die man nicht gegen aussen zeigen muss», so Gross.

Bisher ist der Jugendtreff zwar beliebt, zieht aber vor allem jüngere Gruppen an. Die Teenager ab 14 Jahren bleiben hingegen meist aus. Genau das will Gross mit dem neuen Angebot ändern. «Wir haben bei den Schulen der Vertragsgemeinden Umfragen gemacht. Die Idee eines Boxtrainings stiess auf grosses Interesse», sagt der Deutsche.

Er ist selbst leidenschaftlicher Kampfsportler und trainiert eine Art Street-Fight-Boxen sowie Thaiboxen. Das Box-Projekt für Jugendliche in Klingnau ist nicht sein erstes. Bereits in Deutschland habe er vor ein paar Jahren erfolgreich eine ähnliche Idee verwirklicht. «Die Trainings sind nicht zuletzt gesundheitsförderlich. Ich will die Jugendlichen weg vom Computerspielen, hin zur lebenswichtigen Bewegung bringen.»

Keine echten Kämpfe

Wie läuft so ein Training ab? Hauen sich die Jugendlichen einfach eine Stunde lang gegenseitig auf die Nase? «Nein, überhaupt nicht», antwortet Dominic Gross lachend. Echte Kämpfe werde es nicht geben, alleine schon aus versicherungstechnischen Gründen. Stattdessen beginnt die Trainingseinheit mit Aufwärmen – Joggen, Liegestütze und so weiter. Es folgen koordinative Übungen wie Seilhüpfen, bevor die Jugendlichen schliesslich zum Herzstück übergehen dürfen: dem Boxtechnik-Training.

Hier lernen sie zum Beispiel Schlagkombinationen und Schrittstellungen. Geschlagen wird aber nicht auf andere Menschen, sondern auf einen Boxsack und die sogenannten Pratzen – das sind die Polster-Handschuhe, die man aus Boxfilmen kennt.

Apropos Ausrüstung: Der Jugendtreff hat für das Projekt auch Boxhandschuhe angeschafft, die er zur Verfügung stellt. Trotzdem ist das Training kostenlos und ohne jegliche Vertragsbindung – «wie sich das für ein Projekt der offenen Jugendarbeit gehört», so Gross.

Am ersten Box-Treff am Mittwoch nahmen drei Jugendliche teil, ein Dutzend schaute erst einmal zu. «Die Rückmeldungen der Teilnehmer waren positiv, es hat ihnen gefallen. Ich hoffe natürlich, dass es bald noch mehr werden», sagt der Jugendarbeiter. Wie lange das Projekt dauern wird? «So lange, wie das Interesse da ist.»

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