Zurzibiet
Der Schock nach dem Schock: Sturm Burglind hinterlässt Schneise der Verwüstung

Sturm Burglind verursachte im Bezirk Zurzibiet massive Schäden. Ein Gebiet war von der Wucht des Wintersturms besonders stark betroffen.

Daniel Weissenbrunner
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Die Sturmschäden in Leibstadt gefährden je nachdem auch den Verkehr: Weil die Bäume auf diesem Hügel an der Hauptstrasse nach Schwaderloch gefällt werden müssen, steigt die Gefahr für einen Erdrutsch.
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Förster Peter Haas vom Forstbetrieb Aare-Rhein vor Sturmschäden in einem Privatwald in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.
Schäden von Burglind in Region Aare-Rhein
Sturmschäden in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.
Sturmschäden in Leibstadt.

Die Sturmschäden in Leibstadt gefährden je nachdem auch den Verkehr: Weil die Bäume auf diesem Hügel an der Hauptstrasse nach Schwaderloch gefällt werden müssen, steigt die Gefahr für einen Erdrutsch.

Sandra Ardizzone

Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt lud in Aarau gestern Nachmittag zum Neujahrsapéro. Peter Haas war allerdings nicht nach Feiern zumute. Die Ereignisse von letztem Mittwoch wirkten bei ihm noch nach. Der Staatsförster, der für das Gebiet Aare-Rhein zuständig ist, musste miterleben, wie Sturm «Burglind» in seinem Revier sein Unwesen trieb. Seither ist der 54-Jährige mit Aufräumen beschäftigt und nimmt in den Wäldern zwischen Leibstadt, dem Mettauertal und Böttstein Bestandesaufnahmen vor.

Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: Er beziffert die entstandenen Schäden allein im Leibstadter Wandfluh-Wald auf rund 5000 Kubikmeter, was einer halben Jahresnutzung entspricht. Davon betroffen sind 3000 Kubikmeter Privatwald, 2000 sind Staatsforst. Zusammen mit dem Sommersturm von vergangenem August und dem Käferbefall hat sich der Verlust in seinem Zuständigkeitsgebiet auf eine Jahresnutzung summiert. Der Totalausfall beläuft sich auf insgesamt 10 Hektaren.

Namentlich im Gebiet entlang des Rheins, von Leibstadt zum Achenberg oberhalb von Bad Zurzach und weiter in Richtung Surbtal, hinterliess «Burglind» teilweise ein Schneise der Verwüstung. Felix Binder, der Revierförster aus Tegerfelden, vergleicht das Ausmass des Sturms in Böbikon und Baldingen mit «Lothar». Jenem Orkantief, dass im Dezember 1999 über Europa hinwegfegte und damals Schäden alleine an Holz von über 750 Millionen Franken in der Schweiz verursachte.

Massive Folgekosten

Weniger schlimm als befürchtet hat es andere Forstreviere im Bezirk getroffen. Felix Keller, Revierförster aus Döttingen, bezeichnet den Schaden zwar ebenfalls als erheblich. Gleichwohl stuft er den Schaden als nicht ganz so dramatisch ein wie zunächst vermutet. Ähnlich tönt es bei Gehhard Wenzinger vom Forstamt in Endingen. Er geht in seinem Gebiet von rund 1600 Kubikmetern betroffenem Wald aus, was ungefähr einem Viertel der Jahresnutzung entspricht. «Wir sind aber mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Wenzinger.

Für Peter Haas ist bereits jetzt klar: Die Ernte des Sturmholzes wird viel mehr Geld kosten, als man für den Verkauf des Rohstoffs erhalten wird. Die Preise für Schweizer Holz liegen seit Jahren im Keller. «Mit dem Verkauf von Holz kann der Aufwand für die Waldbewirtschaftung kaum mehr gedeckt werden», sagt Haas. Er schätzt in seinem Gebiet Folgekosten von rund einer Viertelmillion Franken. Haas, der seit fast 30 Jahren als Förster arbeitet, wünscht sich nun ein klares Bekenntnis der Politik zum Wald. «Dieser wertvolle Erholungsraum darf für die Bevölkerung etwas kosten.»

Zunächst stehen für Peter Haas und seine Forstkollegen im Zurzibiet Aufräumarbeiten an. Das verwertbare Holz müssen sie vom zersplitterten Holz trennen und danach zum Verkauf bereitstellen. In seinem Gebiet dürften 60 Prozent als Industrie- und Hackholz anfallen, der Rest wird verkauft. Darüber hinaus sollen die öffentlichen Waldwege, die vom Sturm versperrt worden sind, wieder begehbar gemacht werden. Je nach Gebiet erfolgt das in den nächsten Tagen, spätestens aber kommende Woche. Bis hingegen sämtliche Spuren von «Burglind» beseitigt sind, dürfte es Monate, wenn nicht gar Jahre dauern.

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