Full-Reuenthal
«Diese Lok muss wieder laufen»

Besitzer Philippe Meier und der Dampflokverein 241.A.65 renovieren in gemeinsamer Arbeit die in Full abgestellte Tabaklok. Im August letzten Jahres war die Lok in einer aufsehenerregenden Aktion ins Zurzibiet überführt worden.

Louis Probst
Drucken
Für die Instandstellung der «Tabaklok» müssen noch einige Stunden aufgewendet werden. Foto: Jiri Reiner

Für die Instandstellung der «Tabaklok» müssen noch einige Stunden aufgewendet werden. Foto: Jiri Reiner

«Gegenwärtig geht es darum, sich Klarheit über den Zustand der Maschine zu verschaffen», sagt Philippe Meier und blickt auf die gewaltige Dampflokomotive. «Dazu haben wir das Führerhaus abgebaut. Jetzt sind wir daran, die Verkleidung des Kessels zu entfernen. Nächstes Ziel ist es, Gewissheit über den Zustand des Kessels zu erhalten. Dann kann ein Budget erstellt werden. Davon wird die weitere Zukunft der Lokomotive abhängen.»

Nach einer wahren Odyssee hat die «Tabaklok» im August des vergangenen Jahres im Schuppen des Dampflokvereins 241.A.65 in Full eine neue Heimstatt gefunden. Erbaut worden ist die Lokomotive 1935 in Winterthur bei der damaligen Schweizerischen Lokomotiv- und Motorenfabrik (SLM) für die bulgarischen Eisenbahnen. Hinter dem Auftrag stand ein Clearingabkommen der Schweiz mit Bulgarien, in dessen Rahmen Dampflokomotiven gegen Tabak geliefert wurden. Daher die Bezeichnung «Tabaklok». 2006 erwarb Philippe Meier die Lokomotive, die zuletzt als Kriegsreserve eingemottet war, und brachte sie in die Schweiz, wo sie im Kanton Neuenburg untergebracht wurde.

Ideale Voraussetzungen

«Ich musste einen andern Platz für die Lokomotive suchen», erklärt Philippe Meier. Fündig wurde er in Full, beim Verein 241.A.65, der selber die grösste Dampflokomotive der Schweiz, eine ehemalige Maschine der französischen Staatsbahnen mit 200 Tonnen Gesamtgewicht – und mit der Nummer 241.A.65 – in Fahrt hält. «Full ist ideal», betont Philippe Meier. «Auch wegen der Zusammenarbeit mit dem Verein 241.A.65. Die Mitglieder des Vereins helfen mir. Sinn der Sache ist es , die Lokomotive später zusammen mit dem Verein betreiben zu können.»

Dieter Holliger, der Präsident des Vereins 241.A.65, erklärt: «Wir arbeiten eng zusammen. Natürlich hat das Material unseres Vereins Priorität. Wir möchten aber, dass die ’Tabaklok so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden kann. Damit könnten wir unsere eigene Maschine für eine Revision still legen. Ihr Zustand ist zwar gut. Aber sie läuft jetzt seit 14 Jahren. Da zeichnet sich eine Revision ab. Und wir geben uns nicht mit kleinen Lokomotiven ab.» Tatsächlich steht die «Tabaklok», die samt Tender (Kohlewagen) ein Dienstgewicht von 170 Tonnen auf die Waage bringt, der Lok des Vereins rein gewichtsmässig nicht viel nach.

Kessel gut - vieles gut

«Bis jetzt haben wir noch keine bösen Überraschungen erlebt», freut sich Philippe Meier. «Die Wahrheit wird aber ans Tageslicht kommen, wenn wir den Kessel freigelegt haben. Ist der Kessel gut, ist ein grosser Teil gewonnen. Die Reparatur des Kessels ist sehr aufwendig. Wir werden mittels Ultraschall die Wandstärken des Kessels messen und ihn dann unter Druck setzen, um zu prüfen, wo er allenfalls undicht ist. Die Rauch- und die Siederohre sehen sehr gut aus. Wir haben daher die Hoffnung, schlank wegzukommen. Da die Lokomotive als Kriegsreserve betrachtet wurde, ist alles konserviert. Die Zylinder beispielsweise sind voller Fett. Das macht schon einen Unterschied zu anderen Restaurierungsobjekten.»

Seine «Tabaklok» hat Philippe Meier bis jetzt nicht nur Freude bereitet. Auf die Frage nach allfälligen Zweifeln an der gewaltigen Aufgabe, die er sich vorgenommen hat, räumt er ein: «Das Ausladen der Lokomotive, die per Schiff von Bulgarien nach Regensburg kam, war nervenaufreibend. Der Hafenkran war zu schwach. Ein Kran musste organisiert werden. Beim Heben wurde eine Kuppelstange der Lokomotive beschädigt. In diesem Moment wäre es mir gleichgültig gewesen, wenn die Lokomotive in der Donau versunken wäre.» Dieser Tiefschlag ist aber längst überwunden. Und die Kuppelstange konnte durch ein neues Exemplar, das eigens in Tschechien angefertigt wurde, ersetzt werden.

«Bis Ende dieses Jahres werden wir Gewissheit über den Zustand des Kessels haben», sagt Philippe Meier. «Ziel ist es, dass die Tabaklok wieder läuft. Diese Lok muss wieder laufen.»

Aktuelle Nachrichten