Döttingen
Nach Montage-Panne im AKW Beznau: Schockabsorber fehlten offenbar schon 30 Jahre

Nachdem im Dezember in Montage-Fehler entdeckt wurde, musste das Kernkraftwerk Beznau zwischenzeitlich vom Netz. Nun stellt sich heraus, dass der Fehler bereits viel länger existierte als angenommen.

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Kernkraftwerk Beznau: Um solche Schockabsorber geht es.

Kernkraftwerk Beznau: Um solche Schockabsorber geht es.

Axpo

(pz/phh) Mitte Dezember wurde das Kernkraftwerk Beznau (KKB) mehrere Tage vom Netz genommen. Grund seien «Montage-Abweichungen» bei zwei Notstrom-Dieselaggregaten gewesen, hiess es von Seiten der Betreiberin Axpo damals. Konkret fehlten bei Schwingungsdämpfern jeweils vier sogenannte Schockabsorber. Und das offenbar schon viel länger als bislang angenommen, wie der Tagesanzeiger berichtet.

Bislang wurde davon ausgegangen, dass die Schockabsorber bei der letzten Totalüberholung der zwei betroffenen Notstrom-Dieselaggregate in den Jahren 2009 beziehungsweise 2010 ausgetauscht wurden. Neue Abklärungen haben nun gezeigt, dass die fehlenden Absorber, die als Innenteile im Motor verbaut sind, bereits damals nicht bemerkt wurden. Demnach fehlten die Teile bereits seit einer Nachrüstung in den Jahren 1992 und 1993.

Axpo-Sprecher Antonio Sommavilla bestätigt dies auf Nachfrage des Badener Tagblatts. Warum die Teile nicht eingebaut wurden, sei aus heutiger Sicher unklar, so Sommavilla. Die beiden Diesel seien ohne die Absorber geliefert worden. «Der Fehler muss bei der Abnahme geschehen sein.»

Das Kernkraftwerk Beznau

Das Kernkraftwerk Beznau

Keysrtone

Keine Gefahr durch Erdbeben

Festgestellt wurde der Fehler im Rahmen eines Nachweises zur Erdbebensicherheit am 7. Dezember 2020, also knapp 30 Jahre später. Gefahr hätte allerdings selbst bei einem schweren Erdbeben nicht bestanden, wie Axpo bereits vor bei Bekanntwerden des Montage-Fehlers ausführte. «Das KKB verfügt neben den zwei betroffenen Dieselgeneratoren (Notstanddiesel) über vier weitere Notstromdieselaggregate, welche diese Funktion übernehmen können», sagte Axpo-Mediensprecher Noël Graber im Dezember. «Zur Kühlung beider Blöcke genügt ein Aggregat.»

Die vier zusätzlichen Notstromdiesel gingen 2015 in Betrieb. Ob die Sicherheit auch in den Jahren zuvor in vollem Umfang gegeben war, darüber soll ein ausstehender Bericht der Aufsichtsbehörde, dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI, definitiv Aufschluss geben. Die Anforderungen an die Erdbebensicherheit für die Schweizer Kernkraftwerke wurden seit den den 90er-Jahren mehrmals verschärft, insbesondere nach der Katastrophe in Fukushima vom 11 März 2011.

Für die Reparatur der beiden Diesel-Aggregate standen dem KKB 48 Stunden zur Verfügung. Beschaffung und Montage der betroffenen Teile dauerten aber deutlich länger. Das KKB musste deshalb am 9. Dezember vom Netz und konnte seinen Betrieb erst 12 Tage später wieder aufnehmen.