Leuggern
Ein ausführlicher Kunstführer für grosse Kirche in kleinem Dorf

Sie ist einer der grössten Kirchen im Aargau und erhält nun ihren eigenen Kunstführer: Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul im kleinen Dorf Leuggern.

Ursula Burgherr
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Hauptautor Jürg Andrea Bossardt stellt den Kunstführer zur Kirche St. Peter und Paul vor. Ursula BurgherR

Hauptautor Jürg Andrea Bossardt stellt den Kunstführer zur Kirche St. Peter und Paul vor. Ursula BurgherR

Die grosse Kirche im 2100-Seelen-Dorf Leuggern erhält einen Kunstführer. Das 66-seitige Werk ist am Sonntag der breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Als Autoren verpflichteten sich Urs N. Kaufmann, Projektverantwortlicher der Stiftung Kirche St. Peter und Paul, und Kunsthistoriker Jürg Andrea Bossardt von der Schweizerischen Gesellschaft für Kunstgeschichte (GSK).

Imposanter Sakralbau

Das temperamentvolle Orgelspiel von Peter Manz durchflutete das riesige Bethaus. Im Blickfeld der anwesenden Gemeinschaft waren die silbern- und goldschimmernden Monstranz-Reliquiare und die eindrückliche Altartrilogie, die 2005 und 2009 nach ursprünglichem Vorbild restauriert wurde.

Immer wieder stellt sich die Frage, wie das kleine Dorf Leuggern zu einem derart imposanten Sakralbau kam. Urs N. Kaufmann: «Die Kirche wurde 1851 bis 1853 als eine der ersten neugotischen Konstruktionen von Architekt Joseph Caspar Jeuch erstellt. Leuggern war über Jahrhunderte eine Johanniterkommende und organisierte das Kirchspiel, an dem sich 15 Gemeinden beteiligten.»

2000 Menschen fanden früher in der ganz aus Holz gebauten Hallenkirche Platz. Der von Urs. N. Kaufmann und Jürg Andrea Bossardt verfasste Kunstführer beschreibt anschaulich und spannend die Frühphase der Kirche und die Querelen um den Neubau, für den nach zwei gescheiterten Versuchen Architekt Jeuch, der auch das Badhotel Verenahof in Baden erbaute, den Zuschlag bekam. Mitte des 19. Jahrhunderts war die Kirche aber derart marode, dass sie dringend der Erneuerungen bedurfte. Deshalb führte man von 1964 bis 1967 eine Renovation ganz nach dem damaligen Zeitgeist durch. Will heissen: Sämtliche Altäre und Malereien wurden herausgeräumt. Das bischöfliche Ordinariat in Solothurn unterstützte die Meinung, dass Bilder nur ablenken und einzig und allein das gesprochene Wort zählt. Leider wurde die Kirche damit auch ihrer Seele beraubt.

Erster Anlauf scheiterte

Als Kirchenpflegepräsident engagierte sich Urs N. Kaufmann schon in den Achtzigerjahren für eine Rückführung zu den im Original reich bemalten Altären. «Aber der Investitionskredit scheiterte an der Gemeindeversammlung», erinnert er sich. Nach bald 20 Jahren passierte, was der heutige Vizepräsident der Stiftung Kirche St. Peter und Paul schon immer anstrebte: Die Seitenaltäre, die er lange Zeit in Full-Reuenthal gelagert hatte, konnten nach altem Muster wieder eingesetzt werden. Der Hochaltar allerdings war vernichtet. Er wurde 2009 im Auftrag der Stiftung nach alten Plänen wieder hergestellt. Die dafür benötigten 400000 Franken konnten mit Spendengeldern hereingeholt werden.

Der Kunstführer kann über die Stiftung Kirche St. Peter und Paul Leuggern, c/o Pfarramt Leuggern, Telefon 056 245 24 00, bezogen werden.

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