Endingen
«Es wäre eine Schande, diese Brücken abzureissen»: Älteste Aargauer Steinbrücke wird saniert

In Endingen müssen gleich zwei Surbübergänge erneuert werden – beide sind besondere Bauwerke mit spezieller Geschichte.

David Rutschmann
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Die mit Baujahr 1734 älteste datierte Steinbogenbrücke des Kantons Aargau steht im Ortsteil Unterendingen.

Die mit Baujahr 1734 älteste datierte Steinbogenbrücke des Kantons Aargau steht im Ortsteil Unterendingen.

Daniel Weissenbrunner

In Unterendingen steht die älteste Steinbrücke des Kantons, in Endingen erzählt die untere Brücke bei der Raiffeisenbank einen Teil der jüdischen Geschichte des Dorfs. Beide Baudenkmäler sollen nun saniert werden. Für Gemeindeammann Ralf Werder sind die Brücken «epochale Kunstwerke»: «Es wäre eine Schande, diese Brücken abzureissen – für uns ist es wichtig, diese Kulturdenkmäler zu erhalten. Sie erinnern an die Vergangenheit und an das jüdisch-christliche Zusammenleben im Dorf.»

Ammann Ralf Werder

Ammann Ralf Werder


Severin Bigler

Tatsächlich ist zumindest die Entstehungsgeschichte der unteren Brücke in Endingen eng verzahnt mit jener der Juden im Dorf – nachzulesen in der Dorfchronik «Endingen 798 – 1998» von Karl Weibel. Diese mussten zu jener Zeit nämlich ihren Beitrag zur öffentlichen Infrastruktur in Form eines «Dorfgeldes» zahlen.

Gerichtsverhandlung wegen Streit um Bau

Im Jahr 1840 stand der Bau einer neuen Brücke an der Surbtalstrasse an – der 1779 errichtete Holzsteg war inzwischen baufällig geworden. Diesmal sollte die Brücke aus Naturstein gebaut werden. Doch der Bau war teuer, und so schlug die Gemeinde der jüdischen Vorsteherschaft vor, das Dorfgeld fast zu verdoppeln – von 208 auf 400 Gulden jährlich. Dies erzürnte die Vorsteherschaft, der Streit zog eine einjährige Gerichtsverhandlung nach sich.

Das Dorfgeld wurde schliesslich reduziert – der Kanton hatte die Beisteuerung von 400 Franken für den Bau zugesichert, um das Projekt nicht weiter zu verzögern. Die Ausführung wurde an den Würenlinger Baumeister Paul Birchmeier übertragen – welcher mit 1680 Franken die Offerte seines Konkurrenten um 20 Franken unterboten hatte. Trotz Schwierigkeiten beim Bau konnte die Brücke 1843 eröffnet werden.

Brücke hängt leicht durch

Die Endinger Brücke wird für 450'000 Franken saniert.

Die Endinger Brücke wird für 450'000 Franken saniert.

Daniel Weissenbrunner

Laut dem Inventar der Verkehrswege Schweiz ist die Brücke ein für die damalige Zeit «ungewöhnlich aufwendig ausgeführtes Bauwerk». Auch der technische Bericht, der im Hinblick auf die Sanierung erstellt wurde, attestiert der Brücke eine «vom Konzept her bereits moderne Konstruktion». Vergangenes Jahr beantragte die Gemeinde, die Brücke unter Denkmalschutz zu stellen – dies war zwar 1985 bereits einmal geschehen, allerdings wurde die Brücke vom damaligen Ammann schnell wieder daraus entlassen. Ab Herbst soll sie für drei bis vier Monate unter Vollsperrung saniert werden – selbst als Laie erkennt man, dass die Brücke mittlerweile leicht durchhängt. Die Gemeinde nimmt dafür 450'000 Franken in die Hand.

Ein Objekt von nationaler Bedeutung

Die noch ältere und bereits stärker beschädigte Brücke in Unterendingen wird zu einem noch nicht genauer bestimmten späteren Zeitpunkt ebenfalls für 350'000 Franken saniert. Die Brücke, die ursprünglich Unterendingen mit seinem Ackerland verband, ist mit Baujahr 1734 die älteste datierte Steinbogenbrücke des Kantons – das Inventar Verkehrswege erachtet sie als Objekt von nationaler Bedeutung.

Bereits mehrfach musste die Brücke wegen Anfahrschäden mit neueren Brüstungssteinen ausgestattet werden – zuletzt 2019, das provisorische Mäuerchen sticht klar ins Auge. Die Anforderungen an moderne Fahrzeuge haben allerdings nicht nur die Brücke in Unterendingen vor Herausforderungen gestellt. 2019 musste die im Jahr 1869 erstellte obere Brücke in Endingen abgebrochen und ersetzt werden. Der Erhalt war unmöglich geworden, da die Fahrbahn verbreitert werden muss; im Hinblick auf die Ansiedlung von Gewerbe wird die Brücke in Zukunft auch Lastwagen tragen müssen.