Endingen
Hier wohnt bald eine halbe Million Insekten: Das Schützenhaus wird zum Zurzibieter Bienenzentrum

Nach langer Suche wurde der Bienenzüchterverein Bezirk Zurzach fündig: Im Frühjahr 2022 eröffnet das Bienenzentrum. Darin sollen aber nicht nur Imkerinnen und Imker die Schulbank drücken.

Stefanie Garcia Lainez
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Siegfried Meier, Präsident Bienenzüchterverein Bezirk Zurzach, führt durch das ehemalige Schützenhaus, das bald umgebaut wird.

Siegfried Meier, Präsident Bienenzüchterverein Bezirk Zurzach, führt durch das ehemalige Schützenhaus, das bald umgebaut wird.

Britta Gut

Bis zu 450'000 Bienen finden bald am nördlichen Dorfrand von Endingen ein neues Zuhause: Im früheren Schützenhaus auf dem Ruckfeld realisiert der Bienenzüchterverein Bezirk Zurzach ein Bienenzentrum. Hier gehen voraussichtlich ab nächstem Frühling Imker zur Schule, werden Königinnen begattet und können Kinder sowie Erwachsene in die Welt der Honigbienen eintauchen.

Bald beginnt die Gemeinde als Besitzerin des Gebäudes mit der Sanierung der Aussenfassade. «Im August möchten wir gerne mit dem Innenausbau und den Umgebungsarbeiten beginnen», sagt Vereinspräsident Siegfried Meier, der durch das künftige Kompetenzzentrum führt.

Britta Gut

Der Bienenzüchterverein wurde im Jahr 1885 gegründet und zählt heute rund 90 Mitglieder, die etwa 950 Bienenvölker oder über 28 Millionen Bienen betreuen. Eine wichtige Aufgabe, denn rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge aus dem Pflanzen- und Obstbau sind von der Bestäubung durch die Bienen abhängig. Doch der Lebensraum der Wild- und Honigbienen geht zurück, Nahrungsquellen werden zerstört und Insektizide setzen den gelb-schwarzen Insekten zu. Fast die Hälfte der rund 600 Arten der Wildbiene ist gefährdet.

Die Honigbienen hingegen werden von den Imkern gepflegt. Aber auch sie kämpfen mit Krankheiten und Schädlingen, wie beispielsweise der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe. Ohne die Hilfe der Imker würde den Honigbienen-Völkern innerhalb von zwei Jahren der Tod drohen, sagt Siegfried Meier, der in Döttingen und an seinem Wohnort in Baldingen selbst Honigbienen hält.

Kanton lehnte ein erstes Projekt in Leuggern ab

Umso wichtiger ist deshalb eine gute Ausbildung für angehende Imker und eine professionelle Weiterbildung. Der Verein wollte deshalb seinen Lehrbienenbestand in der Ruchrüti in Leuggern erweitern. Dort befindet sich zurzeit auch die Belegstelle.

Auf Pfählen können die Imker der Region ihre jungen Königinnen platzieren:

zvg

Diese werden von den Drohnen begattet, die in Völkern im kleinen Häuschen nebenan zu Hause sind:

zvg

Da die Drohnen aber das rund 18 Quadratmeter grosse Gebäude fast komplett in Beschlag nehmen, finden die monatlichen Weiterbildungskurse der Imker während der Saison von April bis September jeweils draussen statt. Den zwei Jahre dauernden Grundkurs für Neuimker führen die Kursleiter bei ihren eigenen Bienenhäusern durch. Für die Zurzibieter Imker eine unbefriedigende Situation. Der Kanton lehnte aber 2017 das Erweiterungsprojekt in Leuggern ab, da sich der Standort im Wald befindet.

Nach langer Suche wurde der Verein schliesslich in Endingen fündig. Siegfried Meier sagt:

«Das ehemalige Schützenhaus ist aufgrund seiner Lage ideal.»

Das Gebäude werde seit 1974 nur noch als Lagerraum genutzt und liege in der Landwirtschaftszone, aber dennoch nahe genug zum Dorf, wo die Bienen in den Gärten genügend Nahrung finden.

Britta Gut

Mit 100 Quadratmetern bietet das neue Imkerschulhaus fünfmal so viel Platz wie der Standort in Leuggern. Per Frühling 2022 kann der Verein die Aus- und Weiterbildungen, die Lehrbienenbestände und die Königinnenzucht an einem Standort vereinen. Auch können Führungen für Schulklassen oder Firmen durchgeführt werden. «Die Nähe zur Bushaltestelle und zum Parkplatz der Gemeindekanzlei ist deshalb optimal.»

Äusserlich soll sich nicht viel verändern. Das Gebäude erhalte Fenster und der Eingang werde auf die gegenüberliegende Seite verlegt. Siegfried Meier sagt:

«Der Charakter des Schützenhauses bleibt erhalten.»

Die Ortsbürgergemeinde, die das Gebäude Ende 2019 für 5000 Franken von der Einwohnergemeinde kaufte, investiert rund 195'000 Franken in die Renovation der Fassade und die Erstellung der Werkleitungen.

Der Verein übernimmt den Innenausbau und die Umgebungsarbeiten. Die Mitglieder sprachen dafür kurz vor dem ersten Lockdown 150'000 Franken, wobei ein Teil Eigenleistungen sind. Um die neu hinzukommenden Fixkosten für Strom und Wasser zu decken, wurde bereits der Mitgliederbeitrag erhöht. Auch der jährlich am Pfingstmontag stattfindende Suppentag soll etwas Geld in die Vereinskasse spülen. «Ausserdem haben der Swisslosfonds und die Raiffeisenbank Surbtal-Wehntal je einen namhaften Betrag gesprochen», sagt Siegfried Meier. «Den Rest möchten wir gerne mit Spenden decken.» Flyer sollen im ganzen Zurzibiet in den nächsten Tagen auf das Projekt aufmerksam machen. Auch hat der Verein neu eine eigene Website.

Das planen die Imker im Zurzibieter Bienenzentrum

Im Innern des ehemaligen Schützenhauses nimmt der Schulungsraum mit Tischen, Stühlen und Beamer am meisten Platz ein. Hier lernen angehende Imker unter anderem, wie man Bienenvölker richtig hält, pflegt und vermehrt. Auf der einen Seite des Raumes kommen die zehn Bienenvölker unter, die vor allem aus Drohnen bestehen und mit einer Glasfassade abgetrennt werden. Die Besucherinnen und Besucher des Bienenzentrums könnten so die Bienen gut beobachten, sagt Siegfried Meier, Präsident des Bienenzüchtervereins Bezirk Zurzach. Daneben sind das Lager und der Schleuderraum vorgesehen, wo der Honig geschleudert und abgefüllt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite kommen der Technikerraum, das WC und eine kleine Küche zu stehen.

Draussen dienen fünf sogenannte Magazine, also Bienenstöcke in Holzkisten, der Aus- und Weiterbildung der Imker. Mit den Belegstellen wird die Königinnenzucht weitergeführt. «Die Drohnen begatten pro Saison 250 bis 300 Königinnen und sorgen so für gesunde, starke Bienenvölker», sagt Siegfried Meier. Wichtig sei auch, dass die Bienen auf Hygiene achten und sanftmütig seien. «Wenn die Bienen weniger stechen, können die Imker im Hochsommer auch in T-Shirt und kurzen Hosen den Honig gewinnen, und nicht etwa in Vollmontur.»

Die grosse Grünfläche rund um das Schützenhaus wollen die Imker mit zahlreichen einheimischen Sträuchern sowie Sand- und Steinhäufen für Wildbienen ökologisch aufwerten. Eine Hecke entlang der Strasse soll verhindern, dass die Bienen den Spaziergängern auf der Schlattstrasse in die Quere kommen. An der Strasse sind ausserdem vier Parkplätze vorgesehen, eine Rampe macht das leicht erhöhte Bienenzentrum rollstuhlgängig.