Endingen
Kinder bauen eine Orgel aus Elektroschrott: «Das klingt ja wie eine Loki»

Der Kulturkreis Surbtal hat im Rahmen von «Improvision: Klangwerkstatt» zusammen mit Jugendlichen ein neuartiges Elektro-Instrument entwickelt und vorgestellt.

Susanne Holthuizen
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Kinderhände trommeln noch etwas schüchtern auf den afrikanischen Perkussionsinstrumenten, begleitet von sphärischen Klängen der selbstgebauten elektrischen Orgel. Abwechselnd drücken ihre Erbauer eine der sechzig Tasten des Soundboards, das durch entsprechende Kombinationen ein milliardenfaches Klangvolumen erzeugen kann. Das röhrende und rhythmische Klangerlebnis in der Aula der Bezirksschule Endingen ist denn auch kein alltägliches. Solche Tonkombinationen sind bisher ungehört.

Bilder: Susann Holthuizen

Zustande gekommen ist die improvisierte, musikalische Werkschau durch die gleichentags vorangehenden Workshops. Willi Hauenstein und David Lüthi haben die rhythmisch interessierten Jugendlichen in die Welt der Perkussion eingeführt, während Lorenz Carlin und David Burgherr aus Elektroschrott mit den Kindern in zwei je drei Stunden dauernden Kursen die Elektro-Orgel zusammengebaut haben.

David Burgherr und Lorenz Carlin.

David Burgherr und Lorenz Carlin.

Vier Bauteile galt es zu einem «Plättli» zu kombinieren, die wiederum mit den sechzig Tasten der Elektro-Orgel verdrahtet wurden. Die Kinder haben intuitiv gelernt, was ein Kondensator ist, warum es einen Widerstand braucht, wo ein Transistor angehängt werden muss und wie man eine Licht-Diode zum Leuchten bringt. Auch, dass der grösste Kondensator die tiefsten Frequenzen erzeugt, war für sie eine neue Entdeckung.

Mit Technik Klang zu erzeugen ist zwar nichts Neues in unserer digitalisierten Welt, ihn aber selber mit ein paar einfachen Bauteilen herzustellen, verblüffte dennoch alle Teilnehmenden. «Das klingt ja wie eine Loki», umschrieb einer der Jugendlichen spontan den röhrenden Klang des neu entstandenen Elektroinstruments.

Die Kinder bei der Arbeit für ihre Elektro-Orgel.

Die Kinder bei der Arbeit für ihre Elektro-Orgel.

Inspiriert zu dem ungewöhnlichen Klangerlebnis wurde David Burgherr, Vorstandsmitglied und Projektverantwortlicher vom Kulturkreis Surbtal, durch das Album «Innervisions» von Stevie Wonder aus dem Jahr 1973. Da Stevie Wonder von Kind auf blind war, fehlte ihm der visuelle Eindruck, worauf er sich auf seine inneren Bilder konzentrieren musste. Mit der Werkschau sollten eben diese inneren Visionen erkundet und neue, ungeahnte Klangwelten ausgelotet werden.

Dafür wurde mit der elektrischen Orgel ein Instrument geschaffen, das nicht den Konventionen entspricht und durch die Vielzahl der Kombinationsmöglichkeiten neuartige Klangformen ermöglicht. Die Perkussion wurde den röhrenden Klängen dabei als rhythmischer Begleiter zur Seite gestellt, um die ungewohnten Tonkombinationen in einem musikalischen Rahmen zu halten.

Es ist dem Kulturkreis Surbtal mit dem Programm «Improvision: Klangwerk» gelungen, rund 30 junge Menschen für ungewöhnliche Klänge zu begeistern, sie zu motivieren, gemeinsam ein neuartiges Instrument zu entwickeln und sie erst noch intuitiv mit dem Thema Elektrizität zu benetzen. Mit der spontanen Performance haben die Jugendlichen geübt, in sich hineinzuhören, aufeinander zu hören und einander wahrzunehmen - dazu haben sie dem sehr zahlreichen Publikum erst noch ein unvergessliches Klangerlebnis geschenkt.

Sonnige Afrobeats zum Abschluss

Im Anschluss an die Klangwerkstatt verbreitete die kenianische Sängerin Claudia Masika mit ihrer Afro-Fusion-Band pure Lebensfreude.

Claudia Masika mit Band

Claudia Masika mit Band

Mit Konzerten am Montreux Jazz Festival und verschiedenen anderen Auftritten in namhaften Festivals Europas begeistert die Musikerin mittlerweile eine einschlägige Szene.

Grosse Ausstrahlung: Claudia Masika.

Grosse Ausstrahlung: Claudia Masika.

Unterstützt wurde sie daneben von den beiden aus dem Surbtal stammenden Perkussionisten Willi Hauenstein und David Lüthi:

Perkussionisten Willi Hauenstein(l.) & David Lüthi (r.)

Perkussionisten Willi Hauenstein(l.) & David Lüthi (r.)

Ihre eben neu erschienene Singel «Home sweet Home» bekam gerade durch diese Besetzung und Endingen als Location eine ganz neue Bedeutung. «Man kann sich seine Wurzeln nicht aussuchen», lautet eine Songzeile. Wie wohltuend, dass die Sprache der Musik universell ist - die sonnigen Afro-Beats öffneten den Konzertbesuchenden die Herzen und animierten zum Mitgrooven.

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