Schloss Böttstein
«Es ist nicht Christoph Blocher» – Jetzt steht fest, wer der Käufer ist

Bei der Käuferin handelt es sich um Pearl Anthony Lauper aus dem zürcherischen Kilchberg. Laut Ammann Gosteli ist die Käuferschaft ein Glücksfall für die Gemeinde.

Andreas Fretz
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Schloss Böttstein
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Im Schloss befindet sich ein Hotel mit Restaurant. Das soll auch nach dem Verkauf so bleiben.
Axpo hatte das Schloss Böttstein 1964 erworben – kurz vor dem Bau des Kernkraftwerks Beznau. Vom Schloss blickt man auf die AKW-Insel, die auf der anderen Aare-Seite in Döttingen liegt.
Danach nutzte die Axpo die Liegenschaft als Büro. Nach einem Umbau wurde das Schloss 1974 zum Hotel- und Restaurationsbetrieb.
Wo heute das Schloss Böttstein steht, befand sich ab dem 11. Jahrhundert eine Burg. Im Jahr 1606 kaufte sie die Familie von Roll und errichtete anstelle der Burg die heute bestehende Schlossanlage mitsamt Kapelle. Im Bild links die Kapelle.
Blick auf den Festsaal. Hier finden auch gesellschaftliche Anlässe, Versammlungen oder Podiumsdiskussionen statt.
Die Schlossanlage steht seit 1963 unter kantonalem Denkmalschutz.
Eine Zeichnung von der Schlossanlage (unbekanntes Datum).
Der Eingang zur Schlossanlage. Hier befindet sich auch ein grosser Parkplatz. In der Nachbarschaft befindet sich das Axpo-Besucherzentrum Axporama.
Blick in den Innenhof von Schloss Böttstein.

Schloss Böttstein

Sandra Ardizzone

Die unbekannte Käuferschaft von Schloss Böttstein meldet sich zu Wort, zwar nur schriftlich und vertreten durch das renommierte Beratungsunternehmen Grant Thornton. Dennoch lässt das Schreiben den Schluss zu, dass es sich bei der Käuferin um Pearl Anthony Lauper aus dem zürcherischen Kilchberg handelt. Seit Mitte Juni existiert ein Handelsregister-Eintrag unter «Schloss Böttstein, Anthony Lauper». Bisher war unklar, ob sie die neue Schloss-Inhaberin oder nur die neue Pächterin ist. Im Schreiben der Firma Grant Thornton ist nun ausdrücklich von einer Kundin die Rede. Auch steht, dass sie die Arbeit mit dem gegenwärtigen Schlossteam unter Pächter Thomas Bischofberger weiterführen will. Demnach scheidet Pearl Anthony Lauper als neue Pächterin aus.

Böttsteins Gemeindeammann Patrick Gosteli zeigt sich erfreut, dass die Axpo eine neue Besitzerin für das Schloss gefunden hat: «So wie es im Moment aussieht, ist die Käuferschaft ein Glücksfall für die Gemeinde.» Zwar habe er sie noch nicht persönlich getroffen, dennoch spricht Gosteli von einem «Wunschkandidaten». Der Ammann und SVP-Grossrat hofft, dass es bald zu einem Treffen kommt und dementiert einen Online-Kommentar, wonach alt Bundesrat Christoph Blocher hinter dem Kauf stecken könnte.

«Neue Ideen und Dienstleistungen»

Thomas Haueter von der Grant Thornton Advisory AG lässt ausrichten: «Wir können bestätigen, dass eine Privatperson das Schloss Böttstein von der Axpo erworben hat. Sie ist begeistert vom historischen und kulturellen Erbe sowie von der Bedeutung der Liegenschaft für die Umgebung. Ebenso beeindruckt ist unsere Kundin vom gegenwärtigen Schlossteam, für welches eine gute Serviceleistung an erster Stelle steht. Die Käuferschaft gedenkt, den Betrieb mit dem bestehenden Team weiterzuführen, aber künftig auch neue Ideen und Kundendienstleistungen zu verwirklichen beziehungsweise zusätzlich anzubieten. Es wird eine enge Zusammenarbeit mit dem Axporama und der Gemeinde Böttstein angestrebt. Wir bitten Sie, zu respektieren, dass im Moment keine weiteren Details seitens der Käuferschaft veröffentlicht werden.»

Eine Recherche der az zeigt, dass Pearl Anthony Lauper verschiedentlich als Käuferin von speziellen Immobilien aufgetreten ist. Es finden sich etwa eine Villa in der Zürcher Enge, ein Altstadthaus in Wil SG oder ein Mehrfamilienhaus in Dübendorf. Für die von der Axpo erwähnte «langjährige Erfahrung im Bereich Gastronomie und Hotellerie» finden sich im Netz allerdings keine Hinweise, dafür taucht der Name Pearl Anthony Lauper Bollier als Unterstützerin der österreichischen Tierschutz-Organisation Robin Hood auf.

Bau von Wohnungen abgewendet

Es war der Wunsch der Gemeinde, dass der Betrieb im Schloss möglichst im bisherigen Rahmen fortgesetzt wird: mit Hotel, Restaurant und Zugang für die Öffentlichkeit. Auch der traditionelle Neujahrsapéro seitens der Gemeinde wird fortbestehen. Von der vormaligen Besitzerin Axpo, die den Verkauf über einen Makler abwickeln liess, sei man immer auf dem Laufenden gehalten worden, sagt Gosteli. Demnach gab es mehrere Interessenten, wohl auch solche, die den Bau von Wohnungen im Schloss geplant hatten. «Uns war wichtig, dass nicht jemand kommt, der sich mit dem Schloss selbst verwirklichen will und sich abschottet», sagt Gosteli. Ansonsten hätte man sich überlegen müssen, ob nicht doch die Gemeinde Böttstein als Käuferin auftreten soll. Das Schloss sei ein repräsentatives Objekt und in diesem Sinne auch wichtig für das Dorf. «Wir sind der Axpo dankbar, dass eine seriöse Nachfolgeregelung gefunden wurde», sagt der Gemeindeammann.

Enge Zusammenarbeit gewünscht

Dass die neue Besitzerin «eine enge Zusammenarbeit» mit der Gemeinde anstrebt, wertet Gosteli als gutes Zeichen. Er geht davon aus, dass ein gegenseitiger Austausch stattfinden wird. Sollten bauliche Anpassungen vorgenommen werden, wäre auch die Gemeinde involviert. Die Schlossanlage steht zudem seit 1963 unter kantonalem Denkmalschutz. Dass künftig neue Ideen einfliessen werden, begrüsst und bestätigt Gosteli. Er geht aber von einem «sanften Relaunch» aus.

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Schloss Böttstein ist seit 1. Juli 2017 in Privatbesitz. Die Axpo hat es an eine Person verkauft, die anonym bleiben möchte.
Im Schloss Böttstein befindet sich ein Hotel- und Restaurationsbetrieb. Dieser wird auch nach dem Verkauf weitergeführt.
Schloss Klingnau festlich geschmückt.
Ansicht auf Schloss Klingnau vom "Dorf" her. Das Schloss gehört der Einwohnergemeinde.
Ansicht auf Schloss Klingnau von unten. Das Schloss wurde im 19. und 20. Jahrhundert zwischenzeitlich als Fabrik genutzt - auch ein Hochkamin stand hier. Auch italienische Gastarbeiter wohnten im 20. Jahrhundert zeitweise hier. Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts befand sich im Schloss der Polizeiposten.

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az/Archiv

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