Umfrage
Fisibach als Vorbild? Schweizer Gemeinden gegen erleichterten Kantonswechsel

Die Zurzibieter Kleingemeinde Fisibach lässt den Kantonswechsel vom Aargau nach Zürich prüfen. Genau das lehnt eine Mehrheit von Schweizer Gemeindevertretern in einer Umfrage ab.

Philipp Zimmermann
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Fisibach
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Im April 2017 hat eine ausserordentliche Gemeindeversammlung dem Antrag zugestimmt, einen Kantonswechel zu Zürich zu prüfen.
Fisibach ist eine ländliche Gemeinde im Bezirk Zurzach und grenzt an den Kanton Zürich sowie an Deutschland. Die Grenze markiert der Rhein.
Die Kinder gehen seit dem Schuljahr 2016/17 im Kanton Zürich zur Schule. Die Kindergärtler und Primarschüler im benachbarten Weiach, die Oberstufenschüler in Stadel. Zuvor war die Gemeinde der Kreisschule Rheintal-Studenland angeschlossen.
Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 577 Hektaren. Davon sind 269 Hektaren bewaldet, 50 Hektaren überbaut.
Fisibach ist nach dem gleichnamigen Bach benannt.

Fisibach

Chris Iseli

Soll der Kantonswechsel für Gemeinden erleichtert werden? Diese Frage steht im Raum, seit Fisibach bei der Aargauer Regierung einen Wechsel vom Aargau zu Zürich beantragen will. Diese hat sich noch nicht zum Begehren geäussert. Dagegen scheinen viele Schweizer Gemeinden gegen eine solche Erleichterung zu sein. Zumindest ist dies das Resultat einer Spontanbefragung bei Gemeinden in der ganzen Schweiz.

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, aber dank einigen hundert Teilnehmern zumindest ein Fingerzeig. Erstellt hat sie die Dietiker Hofer Kommunalmanagement AG in einem Newsletter. Dieser ging an über 1000 Adressen von Gemeindevertretern, hauptsächlich an Gemeindepräsidenten und Gemeindeschreiber.

«Von den eingegangenen Antworten auf einen versendeten Newsletter lehnen 40 Prozent eine Erleichterung mit dem Prädikat ‹sehr dagegen› ab», sagt Geschäftsführer Bruno Hofer gegenüber dem «Badener Tagblatt». Rund 50 Prozent der Antworten haben «sehr dagegen» oder «eher dagegen» abgestimmt. Demgegenüber haben rund 35 Prozent «sehr dafür» oder «eher dafür» angekreuzt. Über 70 Prozent der Antworten stammen aus Gemeinden, die wie Fisibach an einem Kantonsrand liegen. Ein Kantonswechsel ist für diese aus geografischen Gründen zumindest ein Thema.

In den Kommentaren zu den Antworten wurden konkrete Gründe für die Ablehnung genannt: Ein Kantonswechsel sei teuer und umständlich, hiess es. Zudem habe jede Gemeinde ihre eigene Geschichte, die mit ihrem Kanton verknüpft sei.

«Mich hat vor allem überrascht, dass die Antworten polarisieren», sagt Hofer, der seit über zehn Jahren als Kommunalcoach tätig ist. Überrascht habe ihn aber auch, dass so viele Gemeinden, die an einem Kantonsrand liegen, gegen einen Kantonswechsel sind. «Es scheint nicht der Fall zu sein, dass sie sich von ihrem Kanton vernachlässigt fühlen.» Nicht erwartet hat er zudem, dass in einigen Antworten die Frage aufgeworfen wurde, besser gleich Kantone zusammenzulegen. Hofer: «Das dünkt mich recht theoretisch, weil ja nur schon Gemeindefusionen schwierig umzusetzen sind.»

Fisibach brachte ihn auf Idee

Auf die Idee zur Umfrage kam Kommunalcoach Hofer durch den Fisibacher Antrag. Er ist im Mandatsverhältnis Geschäftsführer des Gemeindeverbands Zurzibiet Regio, dem wiederum Fisibach angeschlossen ist. «Die Umfrage hat aber nichts mit Zurzibiet Regio zu tun», hält Hofer fest.

Auslöser für Fisibachs Wechselgelüste war ein entsprechender Überweisungsantrag an der ausserordentlichen Gmeind vor zwei Wochen. Dem stimmten die Stimmbürger zu, nachdem sie dem Kredit für die Prüfung der Mega-Fusion Rheintal+ mit neun anderen Gemeinden hochkant abgelehnt hatten.

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