Fisibach
«Gott sei Dank hat es keine Verletzten gegeben»: Autofahrer verliert unter Drogeneinfluss die Kontrolle

Der Zurzacher Einzelrichter spricht einen Automobilisten des Fahrens mit Amphetaminen schuldig. In Fisibach baute er einen Unfall und demolierte eine Signaltafel.

Rosmarie Mehlin
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Die Belchenstrasse in Fisibach. Das landete hier im Wiesland.

Die Belchenstrasse in Fisibach. Das landete hier im Wiesland.

Severin Bigler

An einem Donnerstag Anfang Februar letzten Jahres war Marcel (Name geändert) um die Mittagszeit mit dem Auto vom Surbtal her zu einem Termin in Winterthur unterwegs. Um 12.30 Uhr schreckte er am Steuer auf; der Wagen stand – rund 100 Meter entfernt von der Strasse – in Fisibach im Wiesland. «Hoffentlich kein Unfall, hab ich sofort gedacht und bin ausgestiegen», erklärte der 44-Jährige vor Einzelrichter Cyrill Kramer. Ausgestiegen, hatte Marcel realisiert, dass sein Fahrzeug die Belchenstrasse überquert und dabei eine Signaltafel demoliert hatte, «aber Gott sei Dank hatte es keine Verletzten gegeben».

Die Staatsanwältin hatte ihn des Fahrens in übermüdetem Zustand sowie unter Drogeneinfluss, der Verkehrsregel-Verletzung und des Betäubungsmittel-Vergehens angeklagt, wofür Marcel mit einer bedingten Geldstrafe von 10'400 Franken bedingt und 1000 Franken Busse zu bestrafen sei.

Powernap beim Schützenstand in Schneisingen

Vor Gericht räumte Marcel ein, dass er sich unterwegs etwas müde gefühlt habe. «Ich habe deshalb beim Schützenstand Schneisingen einen Powernap (wie Mittagsschläfchen heutzutage genannt werden) von einer knappen Viertelstunde gemacht.» Er habe nicht richtig geschlafen, aber die Pause habe ihm gutgetan. «Danach war ich relativ fit.»

Marcel war via Siglistorf und über den Belchen weitergefahren. «Plötzlich war alles um mich herum hell geworden, dann schwarz und dann hat's geknallt.» Er habe sich seither x-mal gefragt, wie das habe passieren können «Ich war in ganz normalem Zustand, sonst wäre ich nicht Auto gefahren.»

Die Auswertung der angeordneten Blutprobe ergab allerdings eine Konzentration von 200 Nanogramm Amphetamine pro Milliliter Blut, was den vom Bundesamt für Strassen festgelegten Grenzwert bei weitem überstieg. Gegenüber der Staatsanwältin hatte Marcel bezüglich Koks-Konsum jegliche Aussage verweigert. Dem Richter gegenüber hielt er fest, dass er kein Kokain konsumiere, aber wegen eines Burn-outs Psychopharmaka einnehme.

Medikamente waren kokainhaltig

In seinem Plädoyer beleuchtete der Verteidiger die ärztlich verschriebenen Medikamente näher, die sein Mandant regelmässig einnimmt. Sie seien zwar kokainhaltig, wobei der Schnelltest der Polizei am Unfallort zwar Amphetamine, aber kein Koks angezeigt habe. Die späteren Bluttests hätten dann überdies andere – in sich widersprüchliche Ergebnisse gezeigt. «Der Anklage liegen also weder eindeutige Test-Resultate zugrunde, noch in irgendeiner Form bestätigte Indizien, dass mein Mandant vor dem Unfall Schlangenlinie gefahren wäre.» Der Anwalt forderte einen Freispruch, eventualiter eine Busse von höchstens 500 Franken wegen Verletzung der Verkehrsregeln.

Gerichtspräsident Cyrill Kramer sprach Marcel vom Vorwurf des Fahrens in übermüdetem Zustand frei, sprach ihn aber schuldig des Fahrens unter Betäubungsmitteleinfluss sowie der damit verbundenen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes. Er reduzierte die bedingte Geldstrafe um die Hälfte auf 5200 Franken sowie die Busse auf 700 Franken. Ferner muss Marcel mit 3030 Franken zwei Drittel der entstandenen Kosten und Gebühren sowie ebenfalls zwei Drittel der Anwaltskosten bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.