Endingen
Fünf Medaillen: Bauernbetrieb schneidet bei Regionalprodukte-Wettbewerb tierisch gut ab

Ein Endinger Bauernbetrieb wurde für seine qualitativ hochwertigen Fleischprodukte beim Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte ausgezeichnet.

Anja Ringele
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Die Familie Hauenstein vom Endinger Weiler Loohof gewann am Schweizer Wettbewerb für Regionalprodukte fünf Medaillen
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Der Bauernspeck wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Silber ging an die Bauernbratwurst, während der Cervelat, der Fleischkäse und das "Chnebeli" - eine Art Landjäger - Bronze gewannen.
Auf dem Hof der vierköpfigen Familie weiden 40 Mutterkühe.
Die Schweine, die vorerst noch Auslauf vor dem Stall haben, sollen bald ebenfalls Weidehaltung geniessen.
Eine Besonderheit im Angebot des Endinger Bauernhofs stellt das Wildfleisch von Hirschtieren dar.
Truten sind beim Rundgang durch den Betrieb ebenfalls anzutreffen.
Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie Hauenstein liegt im Endinger Weiler Loohof.

Die Familie Hauenstein vom Endinger Weiler Loohof gewann am Schweizer Wettbewerb für Regionalprodukte fünf Medaillen

Aargauer Zeitung

Einmal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze. Was wie die Leistung Schweizer Skifahrer an einer Weltmeisterschaft klingt, sind in Wirklichkeit die Preise, die der Bauernhof der Familie Hauenstein beim Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte gewann. Der Landwirtschaftsbetrieb aus dem Endinger Weiler Loohof ist einer von vier Aargauer Bauern, die mit ihren Produkten am Wettbewerb in Delémont brillierten (AZ berichtete).
Im Hauptort des Kantons Jura begutachtete eine Jury aus verschiedenen Landwirtschafts- und Gastronomieexperten Erzeugnisse von Bauernhöfen aus der ganzen Schweiz und bewertete die regionalen Produkte nach Geschmack, Konsistenz und Aussehen. Die Medaillen wurden je nach Höhe der Punktzahl vergeben. Regula und Markus Hauenstein überzeugten in der Kategorie Fleischprodukte. «Wir schickten sechs Produkte aus unserem Angebot ein, fünf davon wurden von der Jury mit Medaillen ausgezeichnet», sagt Regula Hauenstein.

Hervorragend abgeschnitten hat ihr Bauernspeck, der Gold nach Hause auf den Loohof brachte. Auch geschmeckt hat der Jury die Bauernbratwurst. Sie zeichnete das Produkt mit der Silbermedaille aus. Für den Cervelat, den Fleischkäse und das «Chnebeli» – eine Art Landjäger – reichte es für Bronze. Das Ehepaar freut sich sehr über diese Ergebnisse: «Die Auszeichnungen sind eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit», sagt Markus Hauenstein.
Stress verändert Fleischgeschmack

Vor gut 20 Jahren übernahm der 41-Jährige den Landwirtschaftsbetrieb seines Vaters im Endinger Weiler. Seine Frau Regula wuchs auf einem Bauernhof in Kirchdorf auf, den sie ihren Eltern vor gut fünf Jahren abkaufte. Heute führen sie die beiden Betriebe spezialisiert im Bereich Fleischproduktion. Ihre Eltern, ein Lehrling und drei Angestellte unterstützen die beiden in ihrer Tätigkeit. «Wir konzentrieren uns auf Weidefleisch», erklärt Markus Hauenstein. «Das heisst, bis auf die Schweine weiden all unsere Tiere.»

Dazu gehören Kühe, Gänse, Truten und Hirsche. Sie möchten die Weidehaltung sobald wie möglich auch den Schweinen ermöglichen, die vorerst noch vor dem Stall Auslauf haben. Die Hauensteins setzen viel Wert auf das Tierwohl, das sie auch mitverantwortlich für den Gewinn der Auszeichnungen machen. «Wir arbeiten mit Mutterkühen. Die Kälber weiden an der Seite ihrer Mutter und ernähren sich von deren Milch», erklärt Regula Hauenstein. «Wenn es dann nach etwa einem Jahr so weit ist, begleiten wir die Rinder und die anderen Tiere zum Schlachthof in Endingen.»

Da die Bauern bei diesem Vorgang dabei sind, sei das Tier nicht so gestresst und nervös, wie wenn es von einem Lastwagen eines Händlers abtransportiert wird. Das Aroma ihres Fleisches ist darum besser als das des Händlers mit Massentiertransport, denn: «Der Geschmack des Fleisches verändert sich negativ, sobald das Tier gestresst war vor der Schlachtung.»
Nach dem Schlachthof wird das Fleisch vom Metzger Martin Schenk in Wislikofen zerlegt und weiterverarbeitet. Bei dieser Arbeit würden ihm drei ihrer Angestellten helfen, wie die Eltern von zwei jungen Knaben verraten. «Sie fahren dann mit unserem Marktmobil an verschiedene Messen und Märkte, vorwiegend in der Region Zürich, wo sie das abgepackte Fleisch verkaufen.» Ab nächstem Monat sei zudem die Lancierung eines Hofladens eingeplant, der jeden Samstag geöffnet sein wird.
Sie wollen Nähe gewährleisten

Die Hauensteins arbeiten folglich nach dem Prinzip der Direktvermarktung: Sie verkaufen ihre Produkte direkt an den Endkonsumenten. «So wird eine gewisse Nähe zum Kunden geschaffen, wodurch wir uns auch von anderen Betrieben abheben.» Grosshändler würden im Gegensatz zu ihrem Betrieb ihr Fleisch von verschiedenen Bauernhöfen beziehen und die Herkunft deshalb meist nicht klar deklarieren. «Durch die Direktvermarkung können wir unseren Kunden genau sagen, woher das Fleisch stammt und wie das Tier gehalten wurde», sagt die 41-Jährige.
Auf die Teilnahme am Wettbewerb der Regionalprodukte blickt das Ehepaar mit Freude zurück: «Im Rahmen des Wettbewerbs fand ein Markt in Delémont statt. Da der Aargau der diesjährige Gastkanton war, konnten wir auch einen Stand betreiben», sagt Markus Hauenstein. Das Erlebnis, gemeinsam mit anderen Bauern aus dem Aargau daran teilzunehmen, sei sehr besonders gewesen.
Dank der Auszeichnung dürfen sie nun die jeweiligen Fleischprodukte mit einem goldenen, silbernen und bronzenen Kleber versehen. Ein Preisgeld war nicht damit verbunden. Doch die Landwirte zeigen sich zufrieden: «Es ist ein Zeichen, dass unsere Arbeit wertgeschätzt wird.» Und für das eigene Geschäft dürften die Auszeichnungen ebenfalls kein Nachteil sein.

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