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Als Unternehmer hat dieser Künstler Weltgeschichte geschrieben – jetzt stellt er seine Werke in Bad Zurzach aus

In den Medien ist Heinz Aeschlimann als «Brückenbauer und Gussasphalt-Papst» bekannt, zusammen mit seiner Frau fördert er junge Kunstschaffende. Nun präsentiert er seine besonderen Werke in der Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach.

Ursula Burgherr
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Heinz Aeschlimann ist nicht nur Künstler, sondern auch ein umtriebiger Unternehmer und Kunstförderer.

Heinz Aeschlimann ist nicht nur Künstler, sondern auch ein umtriebiger Unternehmer und Kunstförderer.

Ursula Burgherr

Heinz Aeschlimann steht in der Galerie Mauritiushof in Bad Zurzach vor einer Werkgruppe von Eisenskulpturen, die er zu Musik von Franz Liszt geschaffen hat. Seit Jahren reisst ihn der Klaviervirtuose aus der Romantik mit seinen harmonischen und doch kühnen sinfonischen Dichtungen immer wieder zu neuen Kunstwerken hin. «Ich kann zu seinen Melodien stundenlang im Atelier arbeiten – nur mit ein paar Flaschen Mineralwasser. Mehr brauche ich nicht», sagt der Künstler und seine Augen funkeln.

Im Mauritiushof präsentiert er kleinformatige Werke aus Stahl. Trotz des robusten sperrigen Materials, aus dem sie geschaffen sind, wirken die wellenförmigen Gebilde leicht, elegant, manchmal fast tänzerisch. Aeschlimann vermag es, in seinem Kunstschaffen Musik sichtbar zu machen:

Ursula Burgherr

Ein Blick in das neue reich bebilderte Buch «Appassionato», von Roy Oppenheim über den Künstler, macht Staunen. Da sind mehrere Meter hohe Werke, die Aeschlimanns markante Handschrift tragen, in zahlreichen Skulpturenparks und Kunstsammlungen der USA, Kanadas, Europas und Asiens zu sehen.

Er half beim Bau der längsten Brücke der Welt

Die Energie, die der 1947 geborene Zofinger Künstler und Unternehmer ausstrahlt, ist beneidenswert. «Es brodelt heute noch in mir», sagt er. Als Bauingenieur schrieb er Weltgeschichte. 1996 erstellte Aeschlimann den Belag für die imposante Hängebrücke über den Grossen Belt in Dänemark.

Dank seiner ausgeklügelten Beton-Gussasphalt-Mischung entstand 2019 die längste Brücke der Welt. Sie führt von Hongkong nach Macau – 30 Kilometer über das offene Meer und 6 Kilometer unter Wasser durch einen Tunnel hindurch. Weitere Brücken baute er in Polen und der Ukraine. Auch der Belag im Gubrist-Tunnel stammt von ihm. In den Medien wurde er als «Brückenbauer und Gussasphalt-Papst» bekannt. Er führt bis dato mehrere Firmen und sucht im Bereich Hochwasserschutz neue Wege.

Er fördert mit seiner Frau junge Kunstschaffende

«Was wir erwerben, wollen wir nicht für uns behalten», ist die Devise von Heinz Aeschlimann und seiner Frau Gertrud. Mitte der 2000er-Jahre übernahm das Ehepaar den ehemaligen Männertrakt der Psychiatrie St.Urban. Darin schufen die Zwei nicht nur einen Artpavillon, in dem über 1000 Exponate von Kunstschaffenden aus der ganzen Welt gezeigt werden, sondern auch ein Atelier für junge Künstler aus dem Ausland.

Heinz Aeschlimann steht in Mitten seiner Werkgruppe von Eisenskulpturen.

Heinz Aeschlimann steht in Mitten seiner Werkgruppe von Eisenskulpturen.

Ursula Burgherr / Aargauer Zeitung

Zweimal im Jahr werden zwei ausgewählte Kandidatinnen und Kandidaten für acht Wochen nach St.Urban eingeladen. Dort lernen sie unter der Ägide Aeschlimanns mit ungewöhnlichen Materialien wie Beton, Asphalt und Chromstahl zu arbeiten. Der Kunstförderer meint dazu:

«Wir suchen uns die Besten aus. Aber fast alle sind finanziell am Anschlag und könnten sich mit eigenen Mitteln nie eine Karriere aufbauen.»

Nach dem Atelieraufenthalt wird für das Fortkommen der Studentinnen und Studenten mit der Organisation von Ausstellungen gesorgt. Das Projekt ist erfolgreich. Bis heute haben von den gegen 100 Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern über 80 Prozent eine Professur oder den Master inne.

Potenzial der Galerie Mauritiushof soll weiter ausgebaut werden

«Ohne die Kunst wäre ich kein guter Unternehmer geworden, und ohne das Unternehmen hätte ich keine Kunst machen können», bekundet Aeschlimann im Rückblick. «Aussergewöhnlich, hochkarätig und bedeutend» sei die aktuelle Ausstellung im Mauritiushof, schwärmt Roy Oppenheim in seiner Eröffnungsrede. Als Präsident der Kulturkommission, die der Galerie vorsteht, führt er sie mit seiner Frau Rachela ad interim bis Ende Jahr weiter.

Nach Sebastiano Bucca wird eine Nachfolge gesucht. «Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Kandidatinnen und Kandidaten», verrät Oppenheim. Wichtig ist ihm, ein inspiriertes Team zu finden, das offen ist für neue Wege. «Wir wollen das Potenzial, das dieser Ort bietet, unbedingt ausbauen. Er soll weiterhin ein Treffpunkt von Kunst und Kultur sein, aber auch anderen Dimensionen Platz bieten.»

Die Ausstellung der Skulpturen von Heinz Aeschlimann in der Galerie Mauritiushof, Hauptstrasse 41 in Bad Zurzach, kann noch bis zum 28. August besichtigt werden. Öffnungszeiten Mi bis Sa, 14 bis 17 Uhr; So 11 bis 17 Uhr.

Am So, 3.7., 11.15 Uhr findet ein Gespräch mit dem Künstler statt. Am Sonntag, 14. August, 17 Uhr, folgt der Special Event «Musik und Skulptur im Dialog» mit zwei Werken von Franz Liszt. Mit Heinz Aeschlimann und der Starpianistin Donka Angatscheva aus Wien. Eintritt frei und Apéro. Anmeldung: info@galeriemauritiushof.ch.

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