Grossfusion
«Kinder haben ab sofort eine Stimme»: Zurzach bläst zur Social-Media-Offensive – und was Slampoet Kilian Ziegler ans Licht bringen will

Anfang 2022 verschwinden neun Ortschaften von der Karte und eine neue Gemeinde entsteht. Um das Wir-Gefühl der Bevölkerung zu stärken, startet Zurzach schon kommenden Dienstag – zumindest in den sozialen Medien.

Stefanie Garcia Lainez
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Diese neun Schüler starteten diese Woche die Medienkonferenz: Zurzach setzt in der Kommunikation auch auf die Jugend.

Diese neun Schüler starteten diese Woche die Medienkonferenz: Zurzach setzt in der Kommunikation auch auf die Jugend.

Stefanie Garcia Lainez

Die Gemeindefusion ist historisch: Per 1. Januar 2022 schliessen sich die neun Ortschaften Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon, Wislikofen und dessen Ortsteil Mellstorf zur neuen Gemeinde Zurzach zusammen. Mit 26 Quadratkilometern entsteht dabei die flächenmässig grösste Gemeinde im ganzen Kanton. Nun hat die Marketingkommission das neue Logo vorgestellt und erklärt, wie sie das Wir-Gefühl der künftigen Zurzacher Bevölkerung stärken möchte. Dabei spielen auch die Kinder eine Rolle.

Was Zurzach auf Tiktok vor hat

«Nach den Sommerferien werden wir ganz mutig», sagt Marion Marty, stellvertretende Präsidentin der Marketingkommission. Für einen Wettbewerb drehen die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Bad Zurzach 15 Sekunden lange Videos, die sie über den Tiktok-Kanal der Gemeinde Zurzach publizieren. Tiktok ist ein Portal für kurze Videoclips. «Die Kinder haben ab sofort eine Stimme in der Kommunikation der Gemeinde Zurzach», sagt Marion Marty weiter. Damit der Kanal authentisch werde, stellt der Schülerrat ein Redaktionsteam zusammen.

Über welche Kanäle Zurzach kommuniziert

Um sowohl die jüngere als auch die ältere Generation in der künftigen Gemeinde zu erreichen, wird Zurzach bereits ab kommendem Dienstag auf verschiedenen Social Media aktiv: auf Instagram, auf Facebook und auf der Plattform Crossiety. Nach den Sommerferien folgt Tiktok, später die Online-Pinnwand Pinterest, das auf Beruf und Karriere spezialisierte Netzwerk Linkedin und die Kurznachrichten-Plattform Twitter. Im Oktober geht zudem die neue Website online. Auch das Gemeindebulletin Zurzipost wird zurzeit überarbeitet.

Was Slampoet Kilian Ziegler ans Licht bringt

«Zurzach ist unerwartet antizyklisch: Bei all dem Social Distancing kommt man sich hier näher, ohne sich einen Meter zu bewegen», sagt Slampoet Kilian Ziegler an der Pressekonferenz. Als «Entstauber» will der doppelte Poetry-Slam-Schweizermeister für die neue Gemeinde vergessene Geschichten wieder ans Licht bringen und «Staub aufwirbeln».

Slampoet Kilian Ziegler.

Slampoet Kilian Ziegler.

sga

Das Entdeckte wird der Oltner der Bevölkerung in frechen, charmanten und ironischen Videos der Bevölkerung vorstellen, die auf den verschiedenen Kanälen in den nächsten Wochen und Monaten online gehen.

Diese sind Teil der gross angelegten Akzeptanzkampagne: «Böbiker sind Böbiker, aber auch Zurzacher», sagt der künftige Gemeindeammann Andi Meier. «Uns ist es wichtig, dass sich die ganze Bevölkerung abgeholt fühlt und sich mit der neuen Gemeinde identifizieren kann.»

Was die Kinder über ihre Ortschaft sagen

Daniel Dahiya, Kaiserstuhl: «Wir sind das lebendige Künstlerviertel und der Kulturmittelpunkt des neuen Zurzach. Unser Ort trägt zwar den Titel ‹winzigste Stadt der Schweiz›, hat aber ganz viele total romantische Ecken.»
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Tobias Gygax, Rümikon: «Wir sind das Panoramadorf mit dem extrem coolen Blick auf den Rhein, der hier einen schönen Bogen macht. Bei uns ist sehr besonders, dass der Fluss bis hinüber zum deutschen Ufer ganz zur Schweiz gehört.»
Fabian Spuhler, Wislikofen: «In unserem Dorf steht die Propstei, die ein wichtiges religiöses Zentrum ist. Jedes Jahr findet hier auch die ETH-Winterschule mit sehr gescheiten Leuten aus aller Welt statt. Bei uns gibt es sogar eine Privatschule.»
Lena Wenzinger, Mellstorf: «1899 schlossen wir uns mit Wislikofen zusammen und kennen uns deshalb aus mit Zusammenschlüssen. Jetzt bekommen wir ein eigenes Wappen mit einer blauen Frühlingsblume drauf. Die gibt es fast nirgends sonst. Sie heisst Küchenschelle, Wolfspfote oder Güggelblueme.»
Ana Meier, Böbikon: «Wir sind das eine Bergdorf. Als einzige Ortschaft haben wir einen Weiler, der heisst Rütihof. Bei uns gibt es auch ein Güggehü etwas oberhalb vom Dorf. Das ist so ziemlich genau der Mittelpunkt des neuen Zurzach.»
Giuliana Campanella, Baldingen: «Wir sind das andere Bergdorf. Es gibt Leute, die sagen, so schön wie bei uns sei es sonst im Aargau nicht. Bei uns werden die Säue auf die Wiese gelassen. Es gibt im Dorf eine schöne Kirche und sogar einen Wasserturm.»
Laney Hitz, Rekingen: «Wir sind das Dorf mit den spannenden alten Fabriken. Bei uns ist die Vielfalt der Meinungen ziemlich breit. Auch unsere Meinung zählt hier schon lange, wir sind nämlich eine kinderfreundliche Gemeinde, sagt Unicef.»
Valentina Font-Tabrizian, Bad Zurzach: «Wir sind das Marktviertel und kein Dorf und keine Stadt, sondern ein Flecken. Wir haben eine eigene Heilige, die Verena. Und im Park steht ein tolles Schloss. Die Jubla hat sogar eine eigene Villa für uns Kinder, und der Pumptrack ist wirklich cool!»
Benjamin Huber, Rietheim:  «Bei uns dreht sich alles ums Wasser. Zum Beispiel in der Aue, wo viele Tiere leben. Wasser braucht es auch für das Bier, das in unserem Dorf gebraut wird. Es ist so gut, dass es sehr viele Leute in der Umgebung gerne trinken.»

Daniel Dahiya, Kaiserstuhl: «Wir sind das lebendige Künstlerviertel und der Kulturmittelpunkt des neuen Zurzach. Unser Ort trägt zwar den Titel ‹winzigste Stadt der Schweiz›, hat aber ganz viele total romantische Ecken.»

Stefanie Garcia Lainez

Das ist das Logo der neuen Gemeinde

Ein grosses, zweigeteiltes Z stellt das neue Logo der künftigen Gemeinde Zurzach dar:

Zvg

«Die zwei Teile, die aufeinander zugehen, stellt das Zusammenwachsen dar», sagt Daniel Baumgartner, Gemeindeschreiber von Bad Zurzach und designierter Vorsitzender der Geschäftsleitung der Gemeinde Zurzach. «Das dynamische Z symbolisiert unsere Gegend, und die Wellenbewegungen das Wasser, das in unseren Gemeinden wichtig ist.» Die Hauptfarbe des Logos ist blau, es kann aber auch grün, braun oder pink erscheinen. «Möglicherweise definieren wir zu einem späteren Zeitpunkt für gewisse Themen bestimmte Farben», sagt Baumgartner.

Das sind die neuen Zurzach-Werbesprüche

«Wir sind Zurzach», «wir gestalten Zukunft» oder «wir geniessen Zurzach» sind einige der neuen Werbeslogans der Gemeinde. «Das ‹Wir› steht über allem», sagt Daniel Baumgartner. «Denn nur gemeinsam schaffen wir das.» Danach folgen immer ein Verb und ein Wort mit dem Anfangsbuchstaben Z.

Der künftige Gemeinderat von Zurzach stellt das neue Logo vor. Von links: Gemeinderat Heiri Rohner (Wislikofen), Gemeinderätin Esther Käser (Rekingen), Vizeammann Peter Lude (Bad Zurzach), Ammann Andi Meier (Böbikon), Gemeinderat Cyrill Tait (Kaiserstuhl), Gemeinderätin Franziska Zölly (Bad Zurzach) und Gemeinderat Peter Moser (Bad Zurzach).

Der künftige Gemeinderat von Zurzach stellt das neue Logo vor. Von links: Gemeinderat Heiri Rohner (Wislikofen), Gemeinderätin Esther Käser (Rekingen), Vizeammann Peter Lude (Bad Zurzach), Ammann Andi Meier (Böbikon), Gemeinderat Cyrill Tait (Kaiserstuhl), Gemeinderätin Franziska Zölly (Bad Zurzach) und Gemeinderat Peter Moser (Bad Zurzach).

Zvg