Heiliger Fridolin
Der Weiler Vogelsang hat einen eigenen Feiertag hat – doch die Türen der Kapelle bleiben dieses Jahr geschlossen

Der 6. März ist im Lengnauer Ortsteil kein gewöhnliches Datum – gedacht wird des heiligen Fridolin. Der traditionelle Gottesdienst fällt diesen Samstag allerdings aus.

Louis Probst
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Corona macht einen Strich durch die Rechnung: Die Fridolinskapelle bleibt diesen Samstag leer.

Corona macht einen Strich durch die Rechnung: Die Fridolinskapelle bleibt diesen Samstag leer.

Louis Probst

«Fridolin blickt vom Bild über dem Altar zu den Gläubigen. Der Abt schwebt auf Wolken über dem Weiler Vogelsang. Im Vordergrund weidende Tiere. Der Bauernheilige als Beschützer des Dörfchens und des Viehs.»: So steht es auf dem Flyer zur Fridolinskapelle im Weiler Vogelsang zum Bild des Kapellen-Patrons, dem heiligen Fridolin.

Der Flyer, der sich auf die «Aargauer Kapellen» der Römisch-katholischen Landeskirche stützt, verweist auch auf den «Fridlistag», der jeweils am 6. März gefeiert wird. Coronabedingt musste allerdings die auch dieses Jahr vorgesehene Feier in der Kapelle abgesagt werden.

Auch Patron der Kapelle in Siglistorf

Der heilige Fridolin mit seinem Wanderstab wird zwar meist mit Glarus in Verbindung gebracht. Verehrt wird er jedoch auch als Gründer des Stiftes Säckingen und als Stadtpatron von Bad Säckingen – durch die Pandemie ist auch das St.-Fridolins-Fest in Bad Säckingen abgesagt worden. Der Legende nach soll Fridolin vom heiligen Hilarius den Auftrag erhalten haben, auf einer Rheininsel ein Kloster zu gründen. Über Strassburg und Konstanz war Fridolin bis nach Chur gelangt, wobei er auf seinem Weg zahlreiche Kirchen gründete, die er Hilarius widmete.

Als wichtigste dieser Gründungen gilt das Kloster Säckingen, wo Fridolin als Abt wirkte. 538 verstarb er in Säckingen. Seine Gebeine werden heute in einem Silberschrein im Fridolinsmünster in Bad Säckingen aufbewahrt.
Im Studenland ist Fridolin nicht nur als Patron der Kapelle in Vogelsang anzutreffen, sondern, zusammen mit Sebastian, auch als Mitpatron der Kapelle in Mellstorf. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass beide Kapellen in einer landwirtschaftlich geprägten Gegend erbaut worden sind und Fridolin unter anderem als Helfer bei Viehseuchen gilt. Daneben wird er mit der Bitte um gutes Wetter, bei Beinleiden und – so das Dossier «Heilige der Schweiz» – auch gegen Erbschleicherei um Hilfe angerufen.

Letzteres dürfte auf die Legende zurückzuführen sein, wonach Fridolin einen Toten wieder zum Leben erweckt haben soll, damit dieser eine Landschenkung bezeugen konnte. Der heilige Fridolin ist schliesslich auch Patron der 1959/1960 erbauten Kapelle in Siglistorf des bekannten Kirchenarchitekten Ferdinand Pfammatter.

Gegen das Bistum aufgelehnt

Die Kapelle in Vogelsang mit dem zwiebelförmigen Dachreiter geht, wie es die Jahrzahl am Türsturz andeutet, auf das Jahr 1770 zurück. Der Bau habe unter keinem guten Stern gestanden, so Linus Hüsser, Mitautor der «Aargauer Kapellen». Zwar hätten der Bischof von Konstanz und der Eidgenössische Landvogt zu Baden ihre Einwilligung gegeben, und ein gewisser Johannes Jezer habe sich bereit erklärt, für die Kosten aufzukommen. «Das Deutschordenshaus Beuggen, der Patronatsherr der Pfarrei Lengnau, der auch Vogelsang unterstand», so Linus Hüsser, «drohte mit der Einstellung des Baus, sollten die Vogelsanger nicht schriftlich auf das Lesen von Messen in der Kapelle verzichten.

Schliesslich verbot auch das Bistum das Messelesen in der Kapelle.» (Das Verbot wurde 1794 aufgehoben.) «Die Vogelsanger», so Linus Hüsser, «liessen sich nicht beirren und bauten ihre Kapelle fertig. Als 1793 in der Gegend die Maul- und Klauenseuche ausbrach, gelobte die Pfarrei Lengnau zur Abwehr der Seuche, künftig den 6. März, den Fridolinstag, als Feiertag zu begehen.»

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