Lengnau
Ihre Tiere verstecken sich mitten im Wald: Erika Müller hat ein kleines Ausflugsziel geschaffen

Das erste Waldtier hat die Lengnauerin Erika Müller im Frühling während des ersten Lockdowns kreiert. Immer wieder suchen Kinder die Kreuzung im Wald oberhalb der Wannewies nach neuen Tieren ab. Bald könnte aber Schluss mit dem Ausflugsziel sein.

Stefanie Garcia Lainez
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Der Uhu trohnt stolz auf einem Baumstrunk.
20 Bilder
Erika Müller aus Lengnau hat die über 20 Tiere erschaffen.
Dieser Vogel war das erste der selbstgemachten Tiere und entstand im ersten Lockdown.
Die über 20 Waldtiere befinden sich rund um die Kreuzung verteilt, die in Richtung Etelweiher führt.
Der Hase aus Heu hat die Lengnauerin über die Weihnachtstage ersetzt. Das erste Exemplar sass seit Ostern in der Baumhöhle.
Die weissen Streifen des Dachs hat die 57-Jährige aus Birkenrinden gemacht.
Die Augen der Wildsau sind Teddybär-Augen.
Für die Proportionen liess sich Erika Müller von Fotos inspirieren.
Der Fuchs versteckt sich hinter einem Baum.
Nur wer genau hinschaut, findet die Blindschleiche am Wegrand.
Auch die Ameisen sind gut getarnt.
Für einige der Waldtiere muss man nach oben schauen, wie bei dieser Fledermaus.
Ein Vogel auf einem Baumstamm.
Der Tausendfüssler kraxelt den Baum hoch.
Die Schnecke gehört zu den kleinsten der über 20 Waldtieren.
Das Rehkitz macht gerde ein Nickcherchen.
Die Maus ist etwas eingeschneit. Das Bild entstand über Neujahr, vor dem grossen Schneefall vergangene Woche.
Vermutlich ein Vogel hat die Baumnuss des Eichhörnchens regelmässig gestohlen. Unterdessen hat Erika Müller die Nuss mit einem Draht befestigt.
Der Specht bei der Arbeit.
Ob der Spinne eine Fliege ins Netz geht?

Der Uhu trohnt stolz auf einem Baumstrunk.

Stefanie Garcia Lainez

Eine Wildsau trottet durch den Wald, ein paar Meter weiter schlendert ein Dachs vorbei. Und wer genau hinsieht, entdeckt auch den Tausendfüssler, der gemächlich den Baum hochkraxelt. Insgesamt über 20 Tiere tummeln sich in der Nähe der Kreuzung im Lengnauer Wald bei Himmelrich oberhalb der Wannewies.

Die Rede ist aber nicht von echten Waldtieren: Sie sind alle von Hand gemacht, aus Naturmaterialien wie Heu, Moos und Nüssen. Geschaffen hat sie die Lengnauerin Erika Müller.

Das erste Tier, ein Vogel aus Moos, Tannzapfen und Schneckenhäuschen, kreierte und stellte die 57-Jährige im vergangenen Frühling während des ersten Lockdowns zusammen mit ihrem Sohn auf. Seither thront der Vogel auf einen Baumstrunk neben dem Schild, das in Richtung Etelweiher zeigt – und hält bisher allen Witterungen stand:

   

  

Stefanie Garcia Lainez

«Wir waren während des Lockdowns oft im Wald unterwegs», sagt Erika Müller. «Der Wald war für mich schon immer etwas Wichtiges.» Dabei sei die Idee entstanden, Waldtiere herzustellen, um sich sinnvoll zu beschäftigen. Bedingung war, Materialien zu verwenden, die sie entweder noch Zuhause hatte oder in der Natur finden konnte: Birkenrinden, Stecken, Heu, Moos, Nüsse, Schneckenhäuschen, Knopfaugen für Teddybären und Rebdrähte, die sich wieder auflösen. «Einkaufen konnte man ja damals nicht, da alle Läden geschlossen waren.»

Kinder suchen regelmässig nach neuen Tieren

Die Spaziergänger freuten sich über die kleinen Kunstwerke, und Erika Müller erhielt immer wieder Rückmeldungen. «Verschiedene Leute haben mir spontan geschrieben und sich bedankt», sagt die Lengnauerin. «Das hat mich motiviert, auch im Sommer nach dem Lockdown weiterzumachen.» Regelmässig kamen zu den bisherigen Kunstwerken neue hinzu. Und immer wieder streiften Erwachsene und Kinder durch den Wald rund um die Kreuzung auf der Suche nach neuen Tieren.

«Es ist erstaunlich, dass niemand die Tiere kaputt gemacht hat», sagt ein Lengnauer, der gerade mit seinen Walking-Stöcken im Wald unterwegs ist und regelmässig an den Tieren vorbeiläuft. Das kann auch Erika Müller bestätigen, die soeben den Hasen mit einem neuen ersetzt hat. Er stand seit Ostern dort und begann nach über acht Monaten dem Wetter ausgesetzt zu zerfallen. Der Igel ist bereits auseinandergebrochen und kaum mehr zu erkennen.

Ein Vogel stahl Baumnuss des Eichhörnchens

Nur die Kröte, die direkt am Wegrand stand, ist spurlos verschwunden. «Wahrscheinlich hat sie ein Tier mitgeschleppt», sagt Erika Müller. Und die Baumnuss, die das Eichhörnchen in der Hand hält, verschwand regelmässig:

    

   

Stefanie Garcia Lainez

Sie vermutet, dass ein Vogel die Nuss stahl. «Ich versuchte es zuerst mit einer leeren Nuss.» Aber auch die verschwand. «Unterdessen habe ich sie mit einem Draht befestigt», erzählt die Lengnauerin mit einem Schmunzeln.

Auch sonst hat sie immer wieder Anpassungsarbeiten gemacht wie Öhrchen ersetzt. Erika Müller rechnet damit, dass bis im Frühling die Tiere wohl zerfallen sind. «Das aktuell nasse Wetter mit dem vielen Schnee wird dies noch beschleunigen.» Ob sie weiterhin Tiere ersetzt oder neue schafft, ist noch nicht klar. «Unterdessen habe ich viele Waldtiere gemacht», sagt sie. «Da sie aus Naturmaterialien sind, sind sie vergänglich – und es darf auch wieder etwas Neues kommen.»