Unteres Aaretal
Kampf um den Kies: Holcim hält an seiner Strategie fest – und reicht Baugesuch ein

Die Holcim reicht ein Baugesuch für das Kies- und Betonwerk Rodig bei der Gemeinde Böttstein ein. Sie lässt sich damit nicht vom Kies- und Betonwerk abschrecken, das die Birchmeier Gruppe diese Woche in Betrieb nimmt.

Andreas Fretz
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In der Kiesgrube Rodig wird bereits heute Kies abgebaut und zur Verarbeitung nach Kleindöttingen transportiert. Künftig soll alles zentral in Böttstein geschehen. az/archiv

In der Kiesgrube Rodig wird bereits heute Kies abgebaut und zur Verarbeitung nach Kleindöttingen transportiert. Künftig soll alles zentral in Böttstein geschehen. az/archiv

Die Holcim Kies und Beton AG überreichte Böttsteins Gemeinderat ein Baugesuch für das Kies- und Betonwerk Rodig. In der gestrigen Medienmitteilung schreibt der Kiesgigant: «Dieser Schritt ist Zeichen und Bestätigung der langfristigen Strategie der Holcim für das Zurzibiet und das untere Aaretal.» Derzeit besitzt Holcim ein Kies- und Betonwerk in Kleindöttingen, das Ende 2021 geschlossen wird und demnach ins Gebiet Rodig umgesiedelt werden soll.

Auffällig: Das Baugesuch wurde eine knappe Woche vor der Einweihung des Kies- und Betonwerks der Birchmeier Gruppe in Döttingen eingereicht (siehe Box). Bricht im Zurzibiet nun der Kampf um die Kieshoheit aus? Vor gut einem Jahr sagten die Ortsbürger in Klingnau Ja zum Kiesabbau der Döttinger Baufirma Birchmeier im Gebiet Hard-Härdli. Ab 2020 sollen dort der Spatenstich und der Kiesabbau erfolgen. Markus Birchmeier, Geschäftsführer der Birchmeier AG, hatte damals gesagt, dass nur ein Werk in der Region rentabel betrieben werden könne.

Birchmeier sät Zweifel

«Ein Baugesuch einreichen ist das eine, die Realisierung ist das andere», meldete Birchmeier gestern leise Zweifel an den Holcim-Plänen an. Er jedenfalls werde an seiner Strategie festhalten: «Sobald die Genehmigungen da sind, werden wir in Klingnau mit dem Abbau beginnen.»

Noch steht das einzige Kies- und Betonwerk der Region in Kleindöttingen. Betrieben wird es von der Kalt Kies- und Betonwerk AG, die der Holcim gehört. Es soll im September 2021 geschlossen und ab dem Jahr 2022 rückgebaut werden, weil die Gemeinde eine Zonenplanänderung durchführt.

«Das Gebiet, auf dem heute unser Werk steht, ist künftig für die Gemeindeentwicklung vorgesehen», sagt Mario Engi, Leiter der Produktion in Kleindöttingen, «deshalb müssen wir umziehen und haben vor, das heutige Werk nach Böttstein in das Gebiet Rodig umzusiedeln.» Dieses Gebiet ist seit langem erschlossen. Ausserdem hat Holcim in unmittelbarer Nähe zwischen Leuggern, Full-Reuenthal und Leibstadt grosse Rohstoffreserven gesichert.

Auf Birchmeiers Aussage, dass nur ein Werk rentabel betrieben werden könne, entgegnet Engi: «Wir investieren ausschliesslich in wirtschaftlich nachhaltige Projekte. Wir kennen die Überlegungen der Firma Birchmeier nicht, für uns ist dies jedenfalls eine rentable Investition. In dieser Region haben wir einen grossen Marktanteil und verkaufen jährlich rund 165'000 Tonnen Kies und 40'000 Kubikmeter Beton und Mörtel an das lokale Baugewerbe.» Ein wichtiger Abnehmer aus der Vergangenheit wird allerdings fehlen: Die Firma Birchmeier wird künftig ihr eigenes Kies produzieren.

Gemeinde begrüsst Wettbewerb

Noch vor einem Jahr, als Birchmeier in Klingnau grünes Licht erhalten hatte, war gar darüber spekuliert worden, ob Holcim seine Pläne für das Werk in Böttstein beerdigt. Wird nun das Baugesuch der Holcim bewilligt, bleiben zwei Jahre für die Realisierung des Werks. Wenn es darum geht, wer zuerst baut, wird die Holcim wohl schneller sein als die Birchmeier AG am Standort in Klingnau. Denn der Übergang von Kleindöttingen in die Kiesgrube Rodig soll nahtlos erfolgen. «Wir bauen bereits in Böttstein ab, voraussichtlich bis 2018. Dann werden bewilligte Gebiete in weiteren Etappen in Betrieb genommen. Damit ist ein nahtloser Übergang gesichert», sagt Holcim auf Anfrage.

«Kiesabbau hat bei uns eine lange Tradition», sagt Böttsteins Gemeindeammann Patrick Gosteli, «das Baugesuch von Holcim zeigt, dass die Firma am regionalen Standort festhalten und Arbeitsplätze sichern will.» Gosteli jedenfalls befürwortet den Wettbewerb in der Kies- und Betonbranche.

Kies- und Betonwerk der Birchmeier Gruppe

Die Birchmeier Gruppe nimmt am Donnerstag ihr eigenes Kies- und Betonwerk in Döttingen in Betrieb. «Dies ist der grösste Meilenstein, den das 76-jährige Unternehmen in seiner jüngeren Firmengeschichte gesetzt hat», sagt Markus Birchmeier vor der feierlichen Einweihung. Das Unterfangen sei sehr kostspielig und verlange Risikobereitschaft. «Wir haben das innert einer sehr kurzen Zeitspanne geschafft und erlangen damit Unabhängigkeit von den Konzernen», sagt Birchmeier.

Alles hat angefangen mit der Sicherung des Kiesabbaugebietes in Klingnau. Dort liegen Ressourcen, die für die nächsten 80 Jahre ausreichen. Sobald im Hard-Härdli mit dem Kiesabbau begonnen werden kann, wird die mobile Anlage von Döttingen nach Klingnau verschoben. Nebst der Eigenversorgung will Birchmeier auch Drittkunden beliefern. Deshalb wurde mit der Kies + Beton AG Zurzibiet eine eigenständige Tochterfirma der Birchmeier Gruppe gegründet. (afr)