Kleindöttingen
Dieser Pizzabäcker gräbt auch Gärten um: «Grosse Maschinen zu fahren ist meine Leidenschaft»

Giuseppe Cupertino aus Kleindöttingen ist ein Mann für alle Fälle. Er betreibt einen Take-away und bietet Baggerarbeiten an.

Alexander Wagner
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Giuseppe Cupertino vor seinem Ofen: Mit seinem Rezept sind die Pizzen in drei Minuten fertig.

Giuseppe Cupertino vor seinem Ofen: Mit seinem Rezept sind die Pizzen in drei Minuten fertig.

Alexander Wagner

Angefangen hat alles mit einem kleinen Pizzaofen im Garten, den sich Giuseppe Cupertino selber gebaut hat. Als Baumaschinenführer hat er ein grosses handwerkliches Geschick und den Ofen mit Grill eigenhändig gebaut. Seine Pizza kam in der Nachbarschaft so gut an, dass sie immer häufiger bestellt wurde und er auf die Idee kam, «etwas mit Pizza zu machen», wie er selber lachend sagt. 2005 begann er mit «Pizza Da Pino».

Vier Jahre lang war er den ganzen Tag auf der Baustelle als Baggerfahrer, und abends machte er bis 22.30 Uhr seine immer beliebter werdenden Pizzen. Dies konnte er nur dank der tatkräftigen Mithilfe seiner Frau Michela durchziehen. «Ihr gebührt ein ganz grosses Danke», betont der 52-Jährige aus Apulien. Aber auch die Kinder waren früh dabei und hatten ihren Spass. «Ich war ungefähr zehn Jahre alt, als wir angefangen haben. Und ich habe immer gerne am Telefon die Bestellungen entgegengenommen», erinnert sich Tochter Melania, die heute als Fachfrau Kinderbetreuung arbeitet, aber immer noch aushilft, wenn der Laden brummt.

Die Tage wurden länger, die Nächte immer kürzer

Es war ein klassischer Familienbetrieb, in dem auch Sohn Giovanni, der heute eine eigene Autowerkstatt führt, mithalf. «Wir sind hier drin fast aufgewachsen», meint Tochter Melania lachend. Um fünf Uhr ist Giuseppe Cupertino aufgestanden, um auf den Baustellen der Region zu baggern. Danach heim, duschen und sofort in den Laden. «Da hiess es ‹seckle, seckle›», sagt er.

Zurück zu den Wurzeln: Guiseppe Cupertino begann als Baggerführer seine berufliche Laufbahn – heute nimmt er Aufträge entgegen.

Zurück zu den Wurzeln: Guiseppe Cupertino begann als Baggerführer seine berufliche Laufbahn – heute nimmt er Aufträge entgegen.

Alexander Wagner

Irgendwann wurden für ihn die Tage aber doch zu lange und die Nächte zu kurz und er entschied sich, voll auf die Pizzabäckerei zu setzen. Seine Pizzen wurden immer beliebter und der Laden immer grösser. «Wir sind gut angekommen», sagt Cupertino. Am Ende hatte er inklusive der Kuriere sieben Leute, die für ihn arbeiteten. Die Reaktionen waren fast nur positiv: Er wurde unter anderem von 200 Food-Kurieren in der Schweiz am besten bewertet und belegte den ersten Platz.

Der Erfolg gab ihm recht. Aber die Sache hatte auch einen Haken: Er hatte zwar immer mehr Arbeit, aber auch stetig steigende Kosten. Deshalb entschied er sich, ab im Mai 2019 den Lieferdienst einzustellen und seine Köstlichkeiten nur noch in seinem Laden in Kleindöttingen anzubieten. Hier hat er seinen eigenen Holzofen, in dem er acht Pizzen gleichzeitig machen kann. Um 9 Uhr morgens feuert er mit getrocknetem Buchenholz den Ofen ein, damit er später die gewünschte Temperatur von 400 Grad erreicht.

Deshalb verbraucht er in nur sieben Wochen rund zwei Ster Holz. «Am Anfang haben meine Frau und ihr Vater das Holz noch selber gehackt. Aber nur die ersten zwei Jahre», erinnert er. In nur zwei bis drei Minuten ist die Pizza fertig. Dies, weil er auf eine spezielle Teigmischung schwört, die er auch selber macht. Geknetet wird aber nicht mehr von Hand, in der Teigknetmaschine werden 40 Kilo vom Teig zubereitet, was für rund 180 Pizzen reicht.

Das eine tun, ohne das andere zu lassen

Doch «nur» erfolgreich Pizzen verkaufen war ihm auf die Dauer zu wenig. Früher hat er bei der Döttinger Baufirma Birchmeier filigran einen 45 Tonnen schweren Bagger geführt. «Das ist mein Herz», meint er lachend. «Im Mai 1985 durfte ich zum ersten Mal einen Bagger fahren.» Von seiner zweiten grossen Liebe zeugt auch ein Holzbagger in seinem Garten, den ihm sein Sohn anfertigen liess. Er erklärt:

«Ich liebe es, grosse Maschinen zu fahren. Das ist meine Leidenschaft»

Dabei glänzen seine Augen fast noch mehr, als wenn er von seinen Pizzen erzählt.

Deshalb hat er sich jetzt einen eigenen Bagger angeschafft. Zwar nicht gerade einen Riesenbagger, wie er ihn früher fuhr, aber doch einen, in dem er wieder seiner zweiten grossen Leidenschaft nachgehen kann. So hat er bei einem Nachbarn den Pool ausgegraben. «Der kleine Bagger ist ideal für Gartenarbeiten oder Leitungen freizulegen», erklärt er. Gerade steht er wieder im Einsatz.

Diesmal jedoch für das Familienunternehmen Cupertino: Er macht seiner Tochter die Gartenarbeiten. Und man sieht ihm die Freude an, wenn er in seinen kleinen Bagger steigt und er die Umgebung schöner gestalten kann. Und so will er auch in Zukunft das Pizzabacken und Baggerfahren verbinden und den Leuten – und auch sich selbst – eine Freude bereiten.

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