Leitbild
Döttingen erhält eine neue «Bibel»: Darin erwähnt ist auch das Winzerfest

Die Gemeinde im unteren Aaretal hat mit einem neuen Leitbild ein strategisches Planungsinstrument für die nächsten 10 bis 15 Jahre. Ammann Peter Hirt nimmt die Bevölkerung in die Pflicht.

Hubert Keller
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Das Winzerfest trägt zur kulturellen Identität von Döttingen bei. Im Leitbild wird die Bedeutung explizit festgehalten.

Das Winzerfest trägt zur kulturellen Identität von Döttingen bei. Im Leitbild wird die Bedeutung explizit festgehalten.

Philipp Zimmermann

Das neue Leitbild löst dasjenige aus dem Jahr 2004 ab. Wie Gemeindeammann Peter Hirt erklärt, hat Corona die Mitwirkung der Bevölkerung sicher negativ beeinflusst. Man habe die vom Bundesrat verfügten Einschränkungen grad noch so knapp einhalten können. Etliche Einwohnerinnen und Einwohner seien den Workshops und Bevölkerungskonferenzen, die in den vergangenen zwei Jahren stattgefunden haben, wohl wegen Corona ferngeblieben.

Döttingen zählt aktuell 4200 Einwohnerinnen und Einwohner. Begleitet wurde die Erarbeitung des Leitbilds vom Büro Thoenen Regionalmanagement GmbH Laufenburg. Der Inhalt ist in neun Handlungsbereiche gegliedert, für welche langfristige Stossrichtungen und Ziele im Sinne von Strategien definiert werden: Welches sind die Bedürfnisse der Bevölkerung, welche Massnahmen sind zu treffen und wie werden diese umgesetzt?

In die Breite, nicht in die Tiefe

Wohn- und Erholungsqualität fördern, gesundes Wachstum anstreben, innere Entwicklung fördern, solches dürfte auch in anderen Gemeindeleitbildern zu lesen sein. Es ist jedoch durchaus zweckmässig, dass ein Leitbild nicht in die Tiefe geht, sondern in die Breite. Dennoch wird die neue «Bibel» des Gemeinderats auch konkret, zum Beispiel, wenn es heisst, dass die Schulsozialarbeit sicherzustellen und die Integration von Ausländern mit Massnahmen wie MUKI-Deutsch zu fördern sei.

Ammann Peter Hirt: «Ich erwarte von der Bevölkerung weiterhin Ideen und Anregungen.»

Ammann Peter Hirt: «Ich erwarte von der Bevölkerung weiterhin Ideen und Anregungen.»

Walter Schwager

Im Leitsatz für das Handlungsfeld Kultur, Freizeit, Erholung ist explizit das Winzerfest als Teil der kulturellen Identität erwähnt. Daneben ist der Behörde aber auch wichtig, dass die kulturelle Vielfalt weiterentwickelt wird. Im Bereich Gesundheit und Soziales strebt die Gemeinde eine attraktive Wohnstruktur für alle Generationen an und will Wiedereingliederungen durch soziale Institutionen ermöglichen.

Autonomie wichtig, aber offen für Kooperationen

Die überkommunale und regionale Zusammenarbeit bis hin zu einem möglichen Zusammenschluss mit anderen Gemeinden wird nicht eigens abgehandelt, obwohl, wie Peter Hirt bestätigt, auch dieses Thema in den Workshops und Konferenzen diskutiert worden ist. Die Gemeinde, so steht es in der Einleitung zum Leitbild, erachte ihre Autonomie als wertvolles Gut, sei aber offen für sinnvolle Kooperationen und Zusammenschlüsse, wenn diese für allen Beteiligten sinnvoll sind.

Auch auf einen eigenständigen Bereich Finanzen wurde verzichtet, da Geld in allen Handlungsfeldern eine zentrale Rolle spiele und sinnvollerweise nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit Zielen und konkreten Massnahmen betrachtet werden müsse, schreibt der Gemeinderat. Die Gemeinde verfolge eine nachhaltige Finanzpolitik mit dem Ziel, den finanziellen Handlungsspielraum nachfolgender Generationen nicht einzuschränken. Die Leitsätze gäben die Richtung der Arbeit des Gemeinderates vor, sagte Peter Hirt. Das heisse aber nicht, dass die Bevölkerung nicht weiterhin Anregungen und Ideen einbringen solle.