Lengnau
Fassadensanierung: Diese Synagoge erhält nach über 40 Jahren wieder ein Facelifting

Das denkmalgeschützte Gebäude in der Surbtaler Gemeinde wird in den kommenden Monaten für rund eine halbe Million Franken renoviert.

Daniel Weissenbrunner
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Eingerüstet und bereit für die Sanierung: die Synagoge im Dorfzentrum in Lengnau.

Eingerüstet und bereit für die Sanierung: die Synagoge im Dorfzentrum in Lengnau.

Daniel Weissenbrunner

Im Ortskern in Lengnau tut sich derzeit einiges. Der Prozess für die künftige Zentrumsentwicklung ist in vollem Gang (die AZ berichtete). Und seit einigen Tagen gibt es rund um den Dorfplatz nun zusätzliche Bewegung: Die Synagoge, ein Wahrzeichen der jüdischen Geschichte im Surbtal, ist rundum eingerüstet und steht bereit zur Sanierung.

Bei den Arbeiten wird die Fassade des seit 1963 denkmalgeschützten Gebäudes renoviert. Ralph Weingarten, Präsident der Stiftung für die Gemeindegüter von Neu- Lengnau, rechnet mit einer Dauer von vier Monaten, bis die Synagoge im neuen Glanz erstrahlt.

Die Stiftung hat die Güter der ehemaligen jüdischen Gemeinde Lengnau übernommen und verpflichtet sich, die von den Vorfahren seit 1750 geschaffenen religiösen und kulturellen Werke sicher zu stellen. «Es handelt sich dabei um die Synagoge, das Tauchbad und einen Teil des jüdischen Friedhofs Endingen-Lengnau», erklärt Weingarten.

Es begann mit einem umgebauten Schuppen

Die letzte Aussensanierung der Synagoge liegt inzwischen fast 40 Jahre zurück. Die letzte Restaurierung im Innern erfolgte von 1995 bis 1997. Ralph Weingarten sagt:

«Unsere Hauptaufgabe ist es, einerseits den physischen Erhalt der Gebäude zu gewährleisten und diese so weit möglich dem Publikum zugänglich zu machen.»

Andererseits sei man auf der ständigen Suche und Sicherung der dazu notwendigen Gelder durch Spenden, Legate und Beiträge.

Die Entstehung der Synagoge geht auf das 18. Jahrhundert zurück und sind untrennbar mit der Geschichte der Juden im Surbtal verknüpft. Vom frühen 17. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Lengnau und das benachbarte Endingen die einzigen Orte der Schweiz, in denen sich Juden dauerhaft niederlassen konnten.

Von 1776 bis 1866 besassen sie kein Wohnrecht ausserhalb dieser beiden Dörfer im Surbtal. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nutzten die Lengnauer Juden einen umgebauten Schuppen neben der Mühle. 1764 wurde die erste Synagoge in Lengnau eingeweiht. Es handelte sich um den ersten jüdischen Kultbau der Neuzeit in der Schweiz.

Kosten werden auf mehrere Schultern verteilt

Wie sich herausstellen sollte, erwies sich das Raumangebot als zu klein. Der alte Standort kam aus Platzgründen nicht in Frage, weshalb die jüdische Gemeinde einen Bauplatz mitten im Dorf erwarb. 1845 erhielt der Zürcher Architekt Ferdinand Stadler den Auftrag zum Bau einer neuen Synagoge. Zwei Jahre später wurde das Gebäude schliesslich eingeweiht.

Die Kosten beliefen sich laut der Chronik des Vereins zur Erhaltung der Synagogen und des Friedhofs Endingen-Lengnau auf 46'000 Franken.

Gebäude bleibt während der Sanierung geöffnet

Für die aktuelle Sanierung geht Ralph Weingarten von 450'000 bis 480'000 Franken aus. «Ein Teil der Kosten wird durch Beiträge der Denkmalpflege des Bundes und des Kantons Aargau, sowie vom Verein für die Erhaltung der Synagogen und des Friedhofs Endingen-Lengnau geleistet.» Hinzu kommen Beiträge von verschiedenen Stiftungen und der Gemeinde Lengnau.

Für die Öffentlichkeit haben die Arbeiten, abgesehen von den üblichen Emissionen, keine Auswirkungen. Die Synagoge bleibt für die Besucherinnen und Besucher im Rahmen von Führungen des Jüdischen Kulturweges und an Sonntagen von jeweils 14 bis 17 Uhr bis und mit 26. September weiterhin zugänglich.

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